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Wolfgang Büchner: Warum Spiegel Online so und nicht anders twittert

Der Chefredakteur von Spiegel Online, Wolfgang Büchner, hat mir per Email auf meinen Blogpost ”Twitter-Konzepte der Verlage – Erfolge mit und ohne Dialog“ geantwortet. Freundlicherweise hat er einem Abdruck als Blogpost zugestimmt. Ich finde seine Stellungnahme sehr informativ. Es werden darin viele Fragen beantwortet, die sich Follower der Spiegel Online Twitter-Feeds schon seit einigen Wochen stellen – zum Beispiel per @reply ins Leere. Hier gibt es nun Antworten vom Spiegel Online-Chef persönlich:

Sehr geehrte Frau Langer,

eine kurze Antwort zu Ihrem interessanten Blogeintrag und den von Ihnen festgestellten Punkten. wolfgang_buchner
Dass spiegel_eil nun bereits über 3000 Follower hat, ist, wie Sie selbst schreiben, sicher vor allem mit der Reichweite unserer Seite zu erklären.


Aber die Reichweite der Seite und die Zahl der Twitter-Follower hat ja ihren Grund: Die Leser wissen, dass sie nirgendwo im Web ein besseres Nachrichtenangebot mit der gleichen Themenbreite bekommen. Selbstverständlich gibt es zu Spezialthemen hervorragende andere Quellen. Aber eben keine Seite, die über alle Ressorts und Themen ein ähnlich starkes Angebot macht.

Natürlich gibt es auch in der Twittersphäre Kritik an SPIEGEL ONLINE, einzelnen Meldungen oder unserem Twitter-Angebot. Was mir allerdings auffällt, ist, dass SPIEGEL-ONLINE-Artikel bei Twitter (genau wie auch in der Blogosphäre) weit überwiegend Gegenstand von inhaltlichen Debatten oder Empfehlungen sind. Häufig in Form von Retweets, aber auch in Form geposteter Links oder Tweets der Sorte „Lese gerade…“ Die User suchen auch auf dieser Frequenz: gute Geschichten, gute Quellen. Die Zahl der @replys ist somit nur bedingt Aussagekräftig. Sie finden unzählige weitere Referenzen, wenn Sie twittersearch auf SPIEGEL ONLINE, SPIEGEL oder SPON ansetzen.

Dass wir — anders als DerWesten oder Weltkompakt – bisher keinen Redaktionstwitter haben, hat mehrere Gründe.

Der erste ist schlicht und einfach: Die Arbeit an der Seite selbst geht vor. Das Wichtigste ist für uns ein gut recherchiertes und gut geschriebenes Nachrichtenangebot. Uns ist es wichtiger, dass sich unsere CvDs jede Minute darauf konzentrieren, eine möglichst gute Homepage zu präsentieren als dass sie nebenbei twittern.

Außerdem, das räumen wir gerne ein, entdecken wir Twitter und die Möglichkeiten dieses Kommunikationskanals gerade. Einige Kollegen in der Redaktion twittern bereits, andere finden den Kanal mindestens zum Lauschen interessant. Ich bin nicht sicher, ob ein zentraler Redaktionstwitter wirklich eine gute Lösung ist. Das ist ja für die Leser auch wieder eine eher anonyme Veranstaltung. Wer ist denn gerade DerWesten? Wäre nicht die Kommunikation mit den einzelnen (Fach-)Redakteuren spannender? Andererseits ist ein Redaktionstwitter natürlich ein interessanter Rückkanal. Das disktutieren wir gerade in der Redaktion. Ich würde das Twittern jedem Kollegen bei SPIEGEL ONLINE empfehlen, aber niemandem befehlen.

Zu den beiden Fragen
– warum Spiegel_Eil ”alles doppelt twittert”

– warum Spiegel_Eil ”langsamer ist als andere”

Das hat schlicht und einfach technische Gründe.
Bisher nutzen wir Twitterfeed, um unsere Twitter-Accounts mit unseren RSS-Feeds zu füttern. Das funktioniert gut, ist aber für Eilmeldungen wegen des großen Delays bei Twitterfeed viel zu langsam.
Deshalb kümmern sich derzeit noch unsere Textproducer darum, Eilmeldungen manuell in unseren Account spiegel_eil einzuspeisen. Auch das geht manchmal nicht schnell genug, aber deutlich schneller als via Twitterfeed. Und daraus erklärt sich auch die Dopplung.  Unsere IT baut gerade eine Verknüpfung unseres CMS mit den Twitteraccounts. In spätestens zwei Wochen sollte dann die Probleme Geschwindigkeit und Dopplung gelöst sein.

Schöne Grüße

Wolfgang Büchner
twitter: wbuechner