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YouTube ist weiterhin Nutzerriese und Werbezwerg

Mehr als 25 Millionen Deutsche sehen sich mindestens einmal im Monat Videos im Netz an, heißt es in der einer aktuellen  Meldung des Branchenverbandes Bitkom. Natürlich zeigt die Kurve nach oben und die Prognose auch. Das eigentlich Interessante an dieser Meldung steckt aber in der Grafik:

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Auf den sogenannten Google-Sites (v.a. YouTube) werden 25 mal so viele Videos ansgesehen wie auf den ProSiebenSat.1 Sites (v.a. MyVideo), und 33 mal so viele wie auf den RTL Group Sites (RTL now, Clipfish). Weit abgeschlagen folgt in dieser Statistik die Axel Springer AG mit ihrem Bewegtbildangebot (v.a. Bild Online). Die Kölner Video-Plattform Sevenload taucht in der Grafik nicht einmal auf. Ungenannt bleibt der Anteil der übrigen Plattformen.

In der Original Meldung zur  Comscore Auswertung vom August 2008 sind jedoch auch die Marktanteile ausgewiesen (unter Berücksichtung des Anteils übriger Plattformen). Und daran wird das frappierende Missverhältnis bei der Nutzung noch viel deutlicher. Demnach werden in Deutschland auf YouTube mehr als doppelt so viele Videos angeschaut wie auf alle anderen Plattformen zusammengerechnet. Die ProSiebenSat. Gruppe kommt auf einen Marktanteil von 1,5 Prozent, die RTL Group auf 1,1 Prozent.

In anderen europäischen Ländern ist die Dominanz von YouTube geringer. In Frankreich kommt You Tube auf ein knappes Drittel Marktanteil. Der nächste Verfolger Dailymotion.com holt sich dort immerhin 13,5 Prozent des Traffics. In Großbritannien kommt YouTube auf knapp die Hälfte Marktanteil, danach folgt die BBC mit 1,4 Pr0zent.

Bei der Monetarisierung der Plattformen – bei der Frage also, wie denn mit dem vielen Traffic irgendwann nennenswert Geld zu verdienen sei – sieht es ohnehin ganz anders aus. (Damit beschäftigen sich übrigens auch Sevenload-Gründer und CTO Ibrahim Evsan und die ”ComputerWoche“). Laut ”Wall Street Journal“ wird YouTube in diesem Jahr trotz seiner überragenden Dominanz weltweit nur 200 Millionen Dollar Umsatz mit Werbung erzielen. Das liegt an der weit verbreiteten Skepsis der Werbungtreibenden gegenüber nutzergeniertem Content. Professionelle Videos machen bei YouTube nur vier Prozent aus. Bei MyVideo sind es immerhin schon zehn Prozent, Tendenz steigend. Bei Sevenload steht das Geschäftsmodell neben der Display- und Videowerbung noch auf weiteren Säulen: Branded Entertainment, White Label Videoportale und neuerdings auch Viral Video Seeding.

Heidenreichs Web-TV verschenkt Reichweite

Diesen Anblick hier:

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werden wir in Zukunft hoffentlich noch häufiger sehen. Denn Elke Heidenreichs Literatursendung ”Lesen!“ macht als Web-TV auf dem neuen Portal litCOLONY.de (früh entdeckt von Buchkolumne.de) mindestens so viel Spaß wie im Fernsehen. In der Kneipenatmosphäre – aufgenommen wird nun in Heidenreichs Kölner Stammlokal Backes – wirkt die Sendung noch unmittelbarer und lebendiger.

Dieser Screenshot hier hat allerdings schon nur noch historischen Wert:

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”Lesen!“ war bis Montag mittag auch als eigener Kanal beim Videoportal Sevenload abrufbar und sammelte dort laut Sevenload innerhalb von zwei Tagen immerhin 50.000 Nutzer ein. Seitdem ist der Kanal wieder abgeschaltet. Offenbar gab es ein Missverständnis, denn Sevenload soll nur technischer Dienstleister für LitCOLONY.de sein, nicht aber dessen Videokolumnen auch selbst ausstrahlen. ”Wir möchten nicht mit ‚Big Brother‘ in Verbindung gebracht werden“, begründet Rainer Osnowski, Geschäftsführer des Literaturfestivals Lit.Cologne die Abgrenzung. In der Mitte im Videofenster die Literatursendung und links daneben der Link zum ”Big Brother“-Kanal – das gehe gar nicht.

Schade, dass sich LitCOLONY.de mit dieser Old-School-Haltung um die Chance gebracht hat, die überwiegend jungen Sevenload-Nutzer auch auf die eigene Plattform neugierig zu machen. Ob LitCOLONY.de als völlig neue Plattform (ebenfalls erst am 28.11. gestartet) alleine genügend Reichweite schafft, zumal in neuen Zielgruppen, das bleibt die Frage. Osnowski glaubt an die Zugkraft des Live-Festivals, das in zehn Tagen 65.000 Besucher anzieht.

Immerhin zeigen andere Beispiele, dass die noch vor einem Jahr häufig von Content-Inhabern zu vernehmende Angst, fremde Web-TV-Plattformen könnten den Traffic von der eigenen Website weglenken, unbegründet ist. Denn das Gegenteil ist der Fall – neue Nutzer kommen hinzu.  ”Immer mehr Produzenten und Sender verstehen, dass dieses Vorgehen die Reichweiten nicht senkt, sondern erhöht“, sagt Sevenload-Chef Axel Schmiegelow. Um neue Nutzer anzulocken, streut Sevenload per ”Seeding“ zwischendurch sogar selbst ein paar Video-Kostproben bei YouTube aus.  Weitere Beispiele für abflauende Berührungsängste: Die ”Tagesschau in 100 Sekunden“ – seit Ende November auch auf dem Holtzbrinck-Videoportal Zoomer. Und ”ZDF 100 Sekunden“ – seit Juni bei ”Zeit Online“ abrufbar.