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The Daily Show besucht die New York Times: „Tell me one thing in here that happened today.“

Jason Jones von der ”Daily Show“ besucht die Redaktionsräume der New York Times und führt ein sehr lustiges, weil vollkommen respektloses Interview mit Chefredakteur Bill Keller. Der ist baff und lässt sich vorführen. Auf die Frage: „Tell me one thing in here that happened today“, (Jones zeigt auf die tagesfrische Ausgabe) hätte er diese Antwort geben können: ”Nothing. But there are lots of well researched stories in here that are relevant today.“

The Daily Show With Jon Stewart Mon – Thurs 11p / 10c
End Times
www.thedailyshow.com
Daily Show
Full Episodes
Political Humor Newt Gingrich Unedited Interview

Falls der Videoplayer nicht korrekt angezeigt wird, auf ”End Times“ klicken.

via Jeff Jarvis

Auch der Guardian stellt seinen Content für fremde Webseiten bereit

Das Modell der New York Times macht Schule: Jetzt hat auch der britische Guardian mit Ankündigung von heute seine Schnittstelle geöffnet und ermöglicht damit fremden Websites, Content und Dienste des Guardian per Applikation zu integrieren:

The Guardian launched what it is calling its ‚Open Platform‘ a set of content APIs and a collection of datasets.

Matt McAlister, head of the Guardian Developer Network, said that the ‚Open Platform‘ was a suite a data and services to allow people to build applications with Guardian content.

The APIs will feature ‚full fat‘ feeds with full articles and other content including video, audio and photo galleries, some one million pieces of content published on guardian.co.uk from 1999-2008.

Über das Open Interface Projekt der New York Times und darüber, warum eine solche Strategie für Verlage zukunftsweisender ist, als über den ”Content Klau“ von News Aggregatoren zu jammern, empfehle ich mein Posting von gestern.

Was Verlage von Google lernen können

Um das vermeintlich Parasitäre an News-Aggregatoren wie Google News, Webnews oder Huffington Post zu verdeutlichen, bemühen Verlage gerne eine Analogie aus der analogen Medienwelt: Demnach käme kein Mensch auf die Idee, Stapel von Zeitungen zu kaufen, die Artikel daraus zu fotokopieren, die Seiten zusammenzutackern, Werbeanzeigen darauf zu kleben, sich flächendeckend an belebte öffentliche Plätze zu stellen und die Kopien an Passanten zu verschenken. Nein, natürlich nicht. Das Geschäftsmodell wäre entweder illegal oder – bei Einhaltung der Urheberrechte – nicht zu finanzieren. Und deshalb stimmt die Analogie auch nicht.

Korrekt wäre vielmehr folgender Vergleich: Google News und Co. stellen sich an belebte Innenstadtplätze in aller Welt und verteilen Fragebögen. Darauf kann jeder Interessent ankreuzen, was ihn interessiert: Nur Sport- und Wirtschaftsnachrichten, nur Texte auf Deutsch oder nur Artikel, in denen bestimmte Begriffe vorkommen. Daraufhin besorgt sich der Newsaggegator in Sekundenschnelle Tausende von verfügbaren Zeitungen, klebt ebenso schnell zu den Suchbegriffen passende Werbung auf die Seiten, tackert die ganzen Unikate zusammen und schenkt sie den jeweiligen Interessenten. Doch wenn der Nutzer sein personalisiertes Exemplar aufschlägt, dann findet er keine ganzen Artikel, sondern jedesmal nach nach wenigen Zeilen den folgenden Hinweis: Wenn Sie diesen Beitrag in der vollständigen Fassung lesen wollen, dann kaufen Sie die Zeitung XY. Was natürlich  kaum jemand täte.

Im Internet ist Google dieser Kiosk. Er führt Tausende von Zeitungen und Magazine im Sortiment und beschert diesen Titeln zusätzlichen Traffic. Doch dafür bezieht er Prügel, weil er für diesen Dienst Werbeeinahmen kassiert, die nach Meinung der Verlage ihnen alleine zustehen. Was aber wäre, wenn die Verlage, anstatt zu jammern, mit Google gleichziehen und  sich ebenfalls krakenartig im Netz ausbreiten würden? Wenn sie also nicht mehr darauf warten, dass die Nutzer zu ihnen auf die eingehegten Online-Plattformen kommen, sondern ihren Content überall dort anbieten, wo die Nutzer schon sind? Zum Beispiel bei Facebook, MySpace oder auf Blogs?

Die New York Times geht diesen Weg seit einigen Monaten sukzessive und sehr konsequent mit ihrer neuen offenen Schnittstelle (API). Bisher stellt die Zeitung über offene APIs unter anderem zur Integration in fremde Webseiten bereit:

  • 2,8 Millionen Beiträge aus der New York Times seit 1981 (zu einem späteren Zeitpunkt auch Blogbeiträge)
  • Datenbankinfos aus ihren Bestsellerlisten
  • Datenbank-Infos über US-Politiker
  • Kinofilm-Kritiken als mobile Applikation für das G1
  • ein Mashup aus ihren Campaign Finance Infos zum Präsidentschaftswahlkampf und Google Charts
  • die NYT Suchmaschine

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Ein schönes Beispiel dafür, welche Kreativität Nutzer mit diesen Schnittstellen entfalten, gibt es hier – die Visualierung von Ergebnissen aus der NYT Suchmaschine:

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Diese für die Nutzer kostenfreien Dienste sind nicht nur Imagewerbung für die Zeitung, sondern sollen natürlich Traffic-Ströme zurück zur Zeitung lotsen. Der Verlag hat die Option, die Dienste durch Werbeintegration oder durch gebührenpflichtige Premium-Angebote zu refinanzieren. Doch das Wichtigste ist erst einmal: Die New York durchzieht nach und nach das (US-) Internet mit ihren Inhalten und Diensten und macht sich dadurch allgegenwärtig.

Offene APIs sind umgekehrt wiederum ein Anreiz für guten Online-Journalismus und kreative Website-Entwicklung. Denn originelle und netzwertige Applikationen haben natürlich viel bessere Chancen tausendfach auf Websites, in Blogs und Social Network-Profilen integriert zu werden als reine Me-Too-Widgets.

Ironischerweise allerdings lässt Autor David Carr ausgerechnet in der New York Times die alte Verlagssehnsucht nach den walled gardens wieder aufleben:

No more free ride to aggregators. Google announced that it would begin selling ads against Google News, with almost no financial accommodation to the organizations that generate that news. […] Google, The Huffington Post and Newser have built their audiences and brands on other people’s labors. Most aggregators are not promoting newspaper content; they are repurposing it to their own ends. Newspapers’ audiences are harvested and sold divorced from the content that attracted them in the first place.

Über die neue Strategie der New York hier  auch ”Netzökonom“ Holger Schmidt.

Nachtrag vom 10. März: Jetzt hat auch der Guardian seine Schnittstelle geöffnet.

Und was ist Ihre Meinung? Was können Verlage von Google lernen? Sind offene Schnittstellen der richtige Weg?