Linktipps zum Wochenstart (8)

Top-Tipp:

Geschäftsmodelle für Online-Journalismus

Markus Hofmann, Redaktionsleiter des erfolgreichen Freiburger Online-Portals fudder, hat in einem gut strukturierten Überblick auf dem Blog der Axel Springer Akademie die besten Beiträge zu neuen Verlags-Geschäftsmodellen im Internet zusammengetragen und kommentiert.

weitere Tipps:

„Das alte System ist kaputt“

Alan Rusbridger, Chefredakteur des Guardian, schildert auf Einladung des Berliner Instituts für Medienpolitik seine Vorstellungen von künftigem Journalismus. Sein Rat: Journalisten müssten sich aus der Position von Experten, die wohldosierte Wissensportionen an Leser austeilen, verabschieden. Unbedingt sehenswert ist auch der achtminütige Videomitschnitt von Carta.

25 Dollar für eine Geschichte

Die Berliner Zeitung berichtet über „Spot.Us“ – ein Projekt des jungen Journalisten David Cohn in San Francisco, bei dem die Nutzer mit Spenden Recherchen zu ihren Wunschthemen finanzieren. Erst wenn eine Recherche finanziert ist, ziehen die Reporter los. Die Startphase verläuft bisher vielversprechend.

Dämpfer für Twitter: 60 Prozent der Nutzer kehren nicht zurück

Netzökonom Holger Schmidt analysiert die Daten des Marktforschungsunternehmens Nielsen. Demnach kommen fast zwei Drittel der Twitter-Neulinge, die ein Nutzerkonto anlegen, nie wieder. Fraglich ist, wie valide die Studie ist: Nutzer von Tweetdeck, Thwirl und Co. werden nicht mitgezählt.

The Next Twitter or Facebook is the Open Web

Steve Rubel entwirft ein Szenario auf der Grundlage von Studien von Forrester Research: Twitter und Facebook sind Übergangsplattformen auf dem Weg ins offene Netz, wo jede Website individuelle filterbare soziale Funktionen enthält, sofern der Nutzer das möchte.

Chicago Tribune news staff raise concerns about subscribers getting look at news stories

Die Marketingabteilung der Chicago Tribune hat im Zuge der diskutierten journalistischen Zukunftskonzepte mit mehr Nutzerbeteiligung Fakten geschaffen und Leser hinter dem Rücken der Redaktion gefragt, welche der geplanten Texte veröffentlicht werden sollen. Die Redaktion befürchtet, dass der Verlag Themen an einer Beliebtheitskala und an den Interessen von Anzeigenkunden ausrichten will.

Einnahmemodelle, Verlagsservices (die NYT, Archiv)

Medienberater Hugo E. Martin macht sich Gedanken darüber, warum Bezahlmodelle für Zeitungsarchive so schlecht funktionieren. Die NYT hätte mit diesem Kunden eine stattliche Summe verdienen können – wenn ihre Preisgestaltung bloß individueller an seinen Bedürfnissen ausgerichtet wäre.

Die Netzanbeter

Susanne Gaschke hat für die FAZ einen ziemlich verqueren Beitrag über das Internet geschrieben. Das wäre nicht weiter erwähnenswert, außer wegen der guten Kommentare unter dem Text und der vorhersehbar scharfzüngigen Repliken auf Blogs, zum Beispiel hier und hier.

Nachtrag vom 5.5.09: Die FAZ hat Gaschkes Beitrag mit allen Kommentaren kommentarlos gelöscht. Eine Debatte darüber war wohl nicht erwünscht. Schade! Und auch aufschlussreich…

Public Future Lab

Der Medientreffpunkt Mitteldeutschland (4. bis 6. Mai in Leipzig) hat sich ein neues Konzept ausgedacht: In einem Laboratorium mit verschiedenen Kommunikationsräumen (Blogs, Twitter, Social Networks etc.) soll die Zukunft klassischer Medien erprobt werden. Ab Dienstag könnte es interessant sein, dort mal reinzuschauen.

Je mehr WLAN, desto weniger Web2.0 – Kleine launige Nachbetrachtung zum ENC09

bild-5-dinner

Winners' Dinner beim ENC 09 Foto: Teresa Zötl http://www.momentfang.com

Was ist der Unterschied zwischen einem Webkongress und einem Medienkongress? Beim einem echten Webkongress wie „re:publica“ oder „LeWeb“ fällt wegen Überlastung desöfteren oder dauernd das WLAN aus. Das ist mittlerweile schon ein Running Gag auf solchen Veranstaltungen. Bei einer klassischen Medientagung funktioniert der drahtllose Internetzugang dagegen ohne Unterbrechung tadellos. Wohl auch deshalb, weil er relativ zum Besucheraufkommen kaum gebraucht wird.

So auch beim gestern beendeten ”European Newspaper Congress“ im wunderschönen historischen Wiener Rathaus.  Wir waren bei über 560 Teilnehmern nicht mal ein Dutzend aktive Twitterer vor Ort (ich habe für @mediummagazin getwittert). Gemeinsam haben wir unter dem Hashtag #enc09 wohl ein ganz gutes Stimmungsbild vom Kongress entstehen lassen. Aber eine Twitterwall hätten wir mit unseren Updates kaum füllen können. Abgesehen davon, dass meisten Teilnehmer durchlaufende kryptische Kurznachrichten auf einer Leinwand wohl auch recht ratlos angeschaut hätten.

Wenn ich auch manchen Ansichten von Zeitungschefredakteuren über das Netz überhaupt nicht zustimme – es ist zwischendurch gar nicht schlecht, sich mal wieder von der klassischen Medienwelt und ihrem viel skeptischeren und gemächlicheren Umgang mit digitalen Dingen erden zu lassen. Sozusagen als ein-nulliges Intermezzo vor der Web 2.0 Leitmesse next09 in der nächsten Woche.

pokenMeinen Poken habe ich zugunsten der gedruckten Visitenkarten übrigens lieber  zuhause gelassen. Der kleine Alien wird ja ab Dienstag in Hamburg noch genug Gelegenheit haben, zu glühen. Und meine – ganz traditionellen – Berichte vom „European Publishers Forum 2009“ (Teil 2: „Crossmediale Konzepte“) und vom „European Editor’s Forum 2009“ stehen jetzt online.

Linktipps zum Wochenstart (7)

Topp-Tipp:

Deutschland degeneriert in ein Entwicklungsland (Teil 1 von 3)

Marcel Weiss von netzwertig.com argumentiert, dass die deutsche Gesellschaft und insbesondere die Bundesregierung in keinster Weise auf die Umwälzungen durch das Internet vorbereitet ist. Der Beitrag bezieht sich auf den ebenfalls lesenswerten Artikel ”Der Kampf der Kulturen“ von Ralf Bendrath bei netzpolitik.org.

Weitere Tipps:

Breaking News Online: How two Pulitzer finalists used the web

Das Niemann Journalism Lab (Harvard) erklärt, wie zwei Pulitzer Preisträger in der Kategorie ”Breaking News“ die Möglichkeiten des Web ausreizten.  Beim Houston Chronicle stand Wissenschafts-Blogger „SciGuy“ mit seiner Expertise im Mittelpunkt. The St. Louis Post-Dispatch kombinierte extreme Schnelligkeit mit multimedialen Präsentationsweisen.

Bei Twitter entsteht eine neue Elite

Der selbst ernannte ”Antichrist des Web 2.0″ Andrew Keen relativiert im Interview mit Spiegel Online seine früheren provozierenden Thesen gegen die Dumpfheit der Masse im Web 2.0. Jetzt sieht er die Gefahr einer digitalen Spaltung durch Twitter: Die Elite nutzt den von ihm früher verspotteten Microblogging-Dienst nicht basisdemokratisch, sondern als persönliches Massenmedium.

Your Guide to Local Watchdog News Sites

Mark Glaser stellt bei MediaShift (PBS) ausführlich verschiedene Modellversuche vor, in denen Journalisten verkleinerter oder eingestellter US-Lokalzeitungen versuchen, investigativen „Watchdog“-Lokaljournalismus im Internet weiterzuführen. Die Modelle reichen von Paid Content bis zur umfassenden Kooperation mit ”citizen journalists“.

6 Reasons the Guardian will Survive the Online Revolution

Der britische freie Journalist Mark Coughlan nennt in aller Kürze sechs überzeugende Argumente – mit denen sich mancher gestandene Chefredakteur und Verlagsmanager erst anfreunden müsste – warum der Guardian besser als andere Zeitungen für die digitale Zukunft gerüstet ist.

Newseum – World’s Most Interactive Museum

Eine Fundgrube für Freunde von E-Papers: Tagesaktuell mehr als 700 pdf-Ansichten der Titelseiten von Zeitungen aus aller Welt bietet das Internetportal des Zeitungsmuseums ”Newseum“ in Washington, DC. (via The Guardian).

Freaking Huge URL: Die Antwort auf obsessives Linkverkürzen

freaking-huge1

Dafür, dass Linkverkürzer wie TinyURL, is.gd, tr.im, arm.in und Co. zu eigentlich nichts weiter taugen, als eine lange URL twittergerecht einzudampfen, gibt es reichlich viele davon. Jetzt hat ein Programmierer die Inflation der URL-Shortener ironisch aufgegriffen und den Linkverlängerungsdienst Freaking Huge URL erfunden.

Internet-Adressen normaler Länge können wahlweise in drei Stufen aufgeblasen werden: ”Huge“, ”Freakin‘ Huge und ”Holy Crap“. Die Frage nach dem Sinn beantwortet Erfinder Jeremy Mitchell in den FAQs: ”I’m really not sure“.

via popkulturjunkie via lifehacker

Die Logik so manchen Geschäftsmodells – so es denn eines gibt – hinter den URL-Verkürzern zweifelt in einem ernstgemeinten Beitrag auch The Next Web an. Das Argument, ”Premium-Accounts“ mit statistischer Auswertung anzubieten, ziehe nicht, denn nur einen Click weiter gebe es immer eine kostenfreie Alternative:

One theory is that these Short URL services seem to know where everyone is going, at what moment, and that this data is worth a lot of money. It is a nice theory but there are a LOT of companies who know a LOT more about where everyone is going.

Google, anyone? Or what about Alexa? Or Facebook, with 200+ million members who all share links, knows a lot more about its members AND what they are doing and sharing than all the short URL services on the planet. No dice.

Über das Geschäftsmodell des deutschen Dienstes arm.in von Armin Hierstetter habe ich vor einigen Tagen schon geschrieben: Die Crux mit den Frames: arm.in wird ausgebaut.

Und hier ist eine Liste der Vor- und Nachteile diverser URL-Shortener.

CEEkom – ein neues Portal mit Social Media Newsroom für Osteuropa-Themen

newsroom

Seit heute steht CEEkom, das neue schweizer Portal für Russland- und Osteuropa-Themen in einer Beta-Version online. Kernstück von CEEkom ist der erste schweizer Social Media Newsroom. Über CEEkom, die Merkmale und die Vorteile eines Social Media Newsrooms und die Chancen, die sich aus diesem Projekt für klassische Medien ergeben, habe ich mit dem Initiator und Betreiber Jürg Vollmer gesprochen. Er ist Journalist, Social Media- und Osteuropa-Experte und betreibt auch das Blog Krusenstern.

Was ist ein Social Media Newsroom?vollmer_juerg_podcaster_1

Jürg Vollmer: Als Erklärung benutze ich immer das Bild vom iPhone. Ein Social Media Newsroom ist im Prinzip nichts andres als ein iPhone im Internet, das Social Media Anwendungen wie YouTube, Flickr, Twitter etc. auf einer Seite übersichtlich zusammenfasst und  Verbindungen schafft.

Sie haben den ersten schweizer Social Media Newsroom als ein Referenzprojekt für ihr neues Osteuropa-Portal CEEkom entwickelt. Was bedeutet CEEcom?

Central and Eastern Europe Communications  und gleichzeitig auch Center of Eastern European Studies Communications.

Warum bietet sich gerade für dieses Projekt ein Social Media Newsroom an?

Aus zwei Gründen: Erstens, weil CEEkom ganz neu ist. Und zweitens, weil die deutschsprachigen Medien sehr wenig über Russland und Osteuropa berichten. Anstatt diesen Zustand nur zu beklagen, wollte ich etwas dagegen tun. Die einen haben das Geld, die anderen haben die Verbindungen nach Russland. Wir bringen beides zusammen.

Was sind die Social Media Merkmale von CEEkom?

Der Social Media Newsroom ist der kollaborative Teil des Portals CEEcom, mit eigenen Hintergrund-Dossiers, Pressemitteilungen und Medienreaktionen, die wir verlinken. Im Newsroom haben wir jetzt zum Start ein erstes kleines Dossier zum Thema Boris Pasternak ins Netz gestellt. Anlass ist ein neues Buch in Russland, das zu einem Skandal führte, weil es enthüllt, was 1958 alles passierte rund um Pasternak und den Literaturnobelpreis. Journalisten, Slavisten und interessierte Nutzer können an diesem Dossier mitschreiben.

Wie groß ist die Redaktion?

Die Redaktion besteht momentan nur aus mir. Später wird noch ein weiterer Kollege aus der französischsprachigen Schweiz dazukommen, damit wir auch für die Westschweiz und Frankreich ein Angebot haben.

Nennen Sie bitte ein konkretes Beispiel dafür, wie bei CEEkom kollaborativ journalistisch gearbeitet wird.

Wir werden zum Beispiel einen Journalisten engagieren, der – von uns voll bezahlt – nach Novosibirsk reist und dort für ein oder zwei Monate zum Thema Wirtschaft recherchiert. In der Redaktion wird dann aus den Recherchematerialien ein multimediales Dossier mit Texten, Fotos, Videos, Podcasts und Powerpoint-Präsentationen zusammengestellt. Das Ganze wird dann unter einer Creative Commons auf unsere Plattform gestellt. Die Medien, ob ein Lokalsender in Köln oder eine Zeitung in Lausanne, können sämtliche Materialien kostenlos übernehmen. Wir werden nicht unterscheiden zwischen kommerzieller und nicht-kommerzieller Nutzung.

Das wäre dann ein kostenfreies Agenturmodell. Was ist das Kollaborative daran?

Die Ergebnisse und auch schon die Recherchen sind multimedial mit Flickr, Twitter, Facebook, LinkedIn und so weiter vernetzt.

Wie sieht das konkret aus?

Nehmen wir das Beispiel Novosibirsk. Unser Korrespondent wird laufend über unseren Twitter-Account CEEkom berichten, dass er Interviews führt mit dem Gouverneur, dem Unternehmer einer großen Holzfabrik, mit dem regionalen Repräsenanten der transsibrischen Eisenbahn und so weiter.

Können sich Twitter-Follower oder Facebook-Friends einschalten und Anregungen geben?

Ja. Sie können Tipps geben für Interviewfragen, oder für Quellen, wo man vielleicht noch bessere Informationen bekommt. Das ist nämlich immer ein kleines Problem in Osteuropa. Wir werden auch Live-Chats mit wichtigen Gesprächspartner ermöglichen, in die sich jeder Interessent einschalten kann. Mitte Mai wird es voraussichtlich den ersten Livechat mit dem Gouverneur in Novosibirsk geben.

Wer finanziert das Projekt?

Die Träger des gemeinnützigen Vereins CEEkom sind neben privaten schweizerischen Mäzenen die Esperia-Stiftung in Zürich, das künftige Osteuropa-Center einer schweizerischen Universität sowie eine nationale Fachbehörde für universitäre Bildung und Forschung. Die Namen dieser Organisationen können wir aber erst Mitte Mai offiziell verkünden. Das sind alles schweizer Bürger und Organisiationen. Auf osteuropäische Organisationen haben wir bewusst verzichtet, um Einflussnahmen zu unterbinden und weil sonst jeder sofort sagt, dass wir von einer Regierung bezahlt würden oder die fünfte Kolonne Moskaus seien.

Wie hoch ist das Budget?

Wir haben jeweils 550.000 Schweizer Franken, also rund 360.000 Euro, für zunächst fünf Jahre zur Verfügung.

Wer ist die Zielgruppe der Plattform – nur Journalisten?

Nein, unsere Zielgruppen sind einerseits Journalisten von Mainstream-Medien – und zwar ausdrücklich nicht nur aus der Schweiz – aber zum Beispiel auch Blogger, die sich dem Thema Osteuropa widmen. Von denen gibt es aber leider nicht allzu viele. Aber  auch Journalistik- oder Slavistik-Stundenten, Historiker, und sämtliche Nutzer, die sich mit Osteuropa-Themen befassen und eine Diskussionmöglichkeit und eine Möglichkeit der Vernetzung suchen. Die Vernetzung ist ein ganz wichtiger Punkt.  In einem nächsten Schritt werden wir auch Osteuropa-Organisationen in Deutschland einbinden, schon jetzt stehen wir mit einigen in Verhandlung.

Funktioniert der Social Media Newsroom auch für andere Themengebiete?

Ja, das funktioniert in ganz verschiedenen Bereichen, in den USA gibt es schon seit zwei, drei Jahren Social Media Newsrooms. Entwickelt wurde das Modell von Todd Defren von der PR-Agentur Shift Communications . In den USA gibt es Social Media Newsrooms vom Amerikanischen Roten Kreuz , Ford oder General Motors Europe . In  Deutschland gibt es beispielsweise die Plattform Wasserbotschafter des Mineralwassers Volvic.

Was sind die US-Erfahrungen mit Social Media Newsrooms und was lässt sich übertragen?

Die Unternehmen und die Nutzer in den USA ticken anders als in Europa. Der Newsroom von GM Europe, zum Beispiel, der von den Amerikanern aufgebaut wurde, ist sehr farbig und enthält wahnsinnig viele Informationen. Ich glaube, dass das in Europa so nicht funktioniert. Das muss hier eher nüchtern und gezielt sein, mit intuitiv zu verstehenden Funktionen, nicht so überladen und ohne Flash-Animationen. So simpel halt wie ein iPhone.

Kann und soll auch Citizen Journalism eingebunden werden?

Das ist möglich. Wir haben die Plattform auf der Basis von WordPress MU aufgebaut, das ist die Netzwerkversion. Wir könnten theoretisch hunderte von kleinen Blogs integrieren. Das dürfte bei diesem Thema aber schwierig sein, weil Osteuropa-Themen ein Riesengebiet ist und wir als Redaktion ja auch die Übersicht behalten müssen.

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Ihrem Ansatz und den Social Media Bestrebungen klassischer Medien – zum Beispiel dem Ansatz der New York Times und des Guardian, über offene Schnittstellen an möglichst vielen Stellen im Internet eingebunden werden zu können?

Gemeinsam ist: Die Zeitungsprojekte und CEEkom nehmen die Nutzer ernst und binden sie ein. Die Nutzer können unser Dossier Novosibirsk mit ihrem Sachverstand verbessern. Wenn zum Beispiel ein Slavistik-Professor wie Ulrich Schmid an der Universität Sankt Gallen mit seinem Wissen daran mitschreibt, dann wird ein solches Dossier hundertprozentig besser, als wenn daran ausschließlich ein Journalist schreibt. Der Unterschied ist, dass für die klassischen Medien das Internet ein zusätzlicher Kanal ist, für uns aber der einzige.

Der aber als Konkurrenz aufgefasst werden könnte…

CEEkom wird ganz klar keine Konkurrenz zu bestehenden Medien sein, sondern ein Komplementärmedium, eine Ressource – auch für die Journalisten. Sie werden nicht ausschließlich auf die Berichte der Agentur-Korrespondenten angewiesen sein, sondern können zusätzliche Informationen und Gespräche direkt mit Fachleuten bekommen. In Nowosibirsk hat meines Wissen auch die dpa keinen Korrespondenten.

Wie sind bislang die Reaktionen der Medien?

Mainstream-Medien sind nicht auf mich zugekommen. Im Vorfeld habe ich aber Gespräche mit Auslandsredaktionen von schweizer Regionalzeitungen geführt. Die Reaktion war sinngemäß überall so: Am Anfang werden wir skeptisch sein, weil das ja plumpe PR aus Moskau sein könnte. Wenn wir aber Vertrauen in die unabhängige Berichterstattung gefasst haben, dann werden wir die Angebote gerne nutzen, weil wir uns damit profilieren können.

Weiterführende Links:

Jürg Vollmers Referat über Social Media Newsrooms beim Blogcamp Switzerland 4 (Krusenstern)

Bastian Scherbeck (Achtung! Kommunikation) im Interview mit Klaus Eck über Social Media Newsrooms (PR Blogger)

Olaf Kolbrück über die PR-Plattform der nächsten Generation: Social Media Newsroom (off-the-record)

Auch der Guardian stellt seinen Content für fremde Webseiten bereit (Medial&Digital)

Ein Herz für Blogs – 5 Medienblogs abseits der Charts

herz

Ich muss ehrlich zugeben – ich habe den Aufruf des Stylespion ”Ein Herz für Blogs“ zunächst für eine dieser Aktionen gehalten, die vor allem dem Initiator jede Menge Backlinks bescheren sollen. Auf so etwas bin ich nämlich in den Anfangstagen dieses Blogs mal reingefallen. Doch nachdem ich heute gesehen habe, welche namhaften Blogger  mitmachen, muss ich gestehen: Ich habe mich geirrt. Es ist einfach nur eine sehr nette Aktion, die es auch neuen und unbekannteren Blogs ermöglichen soll, mal ins Rampenlicht gerückt zu werden.

Ich nutze deshalb die Gelegenheit, fünf Medienblogs und Social Media Blogs außerhalb der Deutschen Blogcharts vorzustellen, die ich aus den unterschiedlichsten Gründen gerne lese.

leanderwattig.de

Das private Weblog des Leipziger Verlagsberaters Leander Wattig. Eigentlich mag ich keine Blogs, deren Betreiber häufig nur die Inhalte anderer kurz kommentieren und verlinken, anstatt eigene Inhalte zu schaffen. Ich lese dann lieber direkt das Original. leanderwattig.de ist trotzdem ein Highlight in meiner Blogroll, denn seine Fundstücke sind so gut, dass ich dort häufig etwas Relevantes finde, was ich sonst übersehen hätte. Und außerdem – so circa einmal im Monat – nimmt sich Leander richtig viel Zeit und arbeitet grundlegende eigene Themen aus, die dann auch das Potenzial haben, Branchendebatten anzuregen. So wie zuletzt sein Blogpost über den Long Tail Effekt beim digitalen Bücher publizieren. Leander ist außerdem der Initiator des Medientrends-Wikis Social Media Marketing der Medienbranche, das leider nicht mehr skaliert und daher nicht weiter aktiv gepflegt werden kann.

blogmedien

Das Blog eines Radioexperten. Horst Müller hat den Sender  Antenne MV aufgebaut und lehrt heute als Medienprofessor an der FH Mittweida. Seine Frau Inge Seibel-Müller (@issis) habe ich über Twitter als sehr kundige und kritische Radioexpertin kennengelernt und darüber bin ich auf dieses grundsolide und fundierte Blog gestoßen.

Daniel Fienes Weblog

Kein Medienblog im eigentlichen Sinne, aber ein Blog von einem Journalisten und Audio-Experten. Es steht nur drin, was Daniel gerade interessiert, egal ob das mit Medien zu tun hat oder nicht. Und das ist auch gut so. Hier schaue ich gerne zwischendurch mal rein, wenn ich für den halbstündigen Podcast-Klassiker  ”Was mit Medien“ von Daniel und Herrn Pähler keine Zeit habe. Und das ist leider viel zu oft…

bwl zwei null

Matthias Schwenk ist Unternehmensberater und Social Software Spezialist. Seine absoluten gedanklichen Highlights veröffentlicht er bei meinem Lieblingsblog Carta (das hier nur kurz erwähnt wird, weil es als Alpha-Blog aktuell auf 71 in den Blogcharts steht). Für bwl zwei null bleibt aber immer noch genügend Relevanz und Scharfsinn übrig.

Media-Blog

Frank Huber ist ebenfalls Unternehmens- und Social Mediaberater. Außerdem kann er sehr gut schreiben und hat ein Gespür für Thementrends. Immer gut für Anregungen, auf welchen Social Media Feldern sich gerade etwas tut.

Außerdem bin ich natürlich neugierig auf neue Medienblogs, die ich noch nicht kenne. Wer eine interessante Neuentdeckung hat, darf sie gerne in den Kommentaren vorschlagen…

Linktipps zum Wochenstart (6)

Topp-Tipp:

Jeff Jarvis on Tough Love

Jeff Jarvis räumt im Interview mit der Washington Post mit einem Missverständnis auf: Er sei kein Totengräber der Zeitungen, sondern vielmehr einer der Geburtshelfer eines neuen Journalismus im Internet. Allerdings hätte er diese Aufgabe lieber schon zehn Jahre früher übernommen. Nun sei es fünf vor Zwölf – oder später.

Weitere Tipps:

NewBizNews: Paid content models

Jeff Jarvis stellt auf seinem Blog Buzzmachine ein Projekt vor, dass neue Business Modelle für Verlage untersucht – von hyperlokalen Nachrichten bis zu Paid Content (an Letzeres glaubt er nicht). Das Projekt wird im Studiengang Journalismus der City University of New York (CUNY) durchgeführt, wo Jarvis unterrichtet.

The Certifiable Journalist

Auch in den USA ist ”Journalist“ ein freier Beruf. Doch mit der Abwanderung des Journalismus von Print ins Internet gibt es bei TechFlash Überlegungen, die Profis von den Amateuren unterscheidbar zu machen: Die Glaubwürdigkeit des Journalismus soll erhalten werden, indem der Status ”Journalist“ per Zertifikat  verliehen wird. Nicht jeder Blogger und „citizen journalist“ bestände die Prüfung. Interessante Debatte in den Kommentaren.

Using Data Visualization as a Reporting Tool Can Reveal Story’s Shape

Datenvisualisierung kann manchmal prägnanter als viele Worte eine Geschichte erzählen – zum Beispiel, in welchen Straßenzügen einer Stadt besonders viele Wohnungen luxusrenoviert werden. Ein Poynter Online Interview mit Sarah Cohen, Datenbank-Redakteurin der Washington Post. Mit Link zu einer pdf-Anleitung zur journalistischen Nutzung von Datenbank-Tools.

Newspaper Ad Revenue Could Fall as Much as 30%

Im ersten Quartal 2009 sind die Anzeigenumsätze der US-Verlage um 30 Prozent gesunken, schreibt die New York Times. Am schlimmsten hat es das nationale Blatt USA Today getroffen, während kleinere Zeitungen sich besser gehalten haben. Dafür liefert die NYT leider keine Begründung.

Geld verdienen in digitaler Buchbranche

Der Leipziger Verlagsberater Leander Wattig hat Chris Andersons Theorie „The Long Tail“ auf die Buchverlagsbranche übertragen. Seine Kernthesen: Digital publizierende Autoren sind nicht auf Verlage angewiesen – ein E-Book kann im Internet jeder verkaufen. Neue Autoren können sich eine Fanbasis aufbauen, indem sie Inhalte zunächst frei ins Netz stellen.

Blogger and Author Paul Carr speaks

Der wunderbar lakonisch twitternde Guardian tech writer Paul Carr (@paulcarr) hat seinen gesamten Besitz verkauft und lebt für ein Jahr  im Silicon Valley, auf der SWSX Interactive Conference in Austin oder wo sonst gerade die Webszene  pulsiert. Kara Swisher von All Things Digital hat mit Carr ein Interview über sein Leben als digitaler Nomade geführt.

The Web in Numbers: The Rise of Social Media

Facebook hat seine globalen Nutzerzahlen in weniger als acht Monaten auf 200 Millionen verdoppelt. Als Land hätte Facebook mehr Einwohner als Brasilien. Diese und weitere erstaunliche Wachstumsraten sozialer Netzwerke hat Mashable zusammengetragen.

Die Crux mit den Frames: arm.in wird ausgebaut

Am Dienstag machte es noch die Runde: Die Linkverkürzungsdienst arm.in des Münchner Webgründers Armin Hierstetter ging bei eBay für 3.599 Euro unter den Hammer.

hierstetter

Doch nun ist der Deal mit ziemlicher Sicherheit geplatzt, denn der Käufer hat sich bisher noch nicht gemeldet, wie mir Hierstetter soeben bestätigte. Und darüber ist der ehemalige Journalist, der sein Geld inzwischen mit seinem virtuellen Marktplatz für Werbe- und Synchronsprecher bodalgo.com verdient, eigentlich sogar ganz froh. ”Ich habe arm.in zwar nur nebenbei in 40 Stunden programmiert, um so etwas mal auszuprobieren”, sagt der Gründer, ”doch vom Auktionspreis war ich schon etwas enttäuscht”.

Falls sich der Käufer nicht doch noch ganz schnell meldet, will Hierstetter seinen URL-Shortener jetzt ausbauen und vermarkten. Schon seit einigen Wochen ist bei arm.in eine Neuerung zu sehen. Wer auf einen Link klickt, der mit http://arm.in beginnt, landet nicht mehr wie früher auf der Original-Website mit der Original-URL, sondern auf einer Website, die in einem Rahmen (Frame) von arm.in dargestellt wird. Außerdem wird unterhalb der Browserbar eine Toolbar von arm.in angezeigt, in der man weitere Webadressen verkürzen kann, ohne auf die arm.in Homepage zu gehen. Der Frame und die Toolbar verschwinden erst dann, wenn man sie aktiv wegklickt.  Künftig soll der Dienst für Nutzer auch weiterhin kostenfrei bleiben, aber registrierte Nutzer werden sich vor jedem zu verkürzenden Link aussuchen können, ob oben in der Browserleiste die Original-URL oder die arm.in URL mit Frame und Toolbar zu sehen sein soll, wenn man auf den Link klickt. Die Toolbar soll an Werbekunden vermarktet werden.

Schon jetzt nutzt der Medienbranchendienst turi2 ausschließlich arm.in, das eine Trackinglösung anbietet. Damit kann man nachverfolgen, wie oft die verkürzten Links angeklickt wurden. turi2 vemarktet durchaus nicht unumstritten Werbung in seinem Twitterstream und kann auf diese Weise seinen Werbekunden nachweisen, wie oft auf die Links in den werblichen Tweets geklickt wurde.

Die Crux bei den Frames ist allerdings, dass Suchmaschinen nicht mehr die Originalsite auswerten, sondern den Frame. Wenn ich zum Beispiel bei Twitter mit einem arm.in Link auf diesen Blogbeitrag verlinke, und 100 Twitter-Nutzer klicken auf den Link, dann misst Google nicht für dieses Blog 100 Besucher mehr, sondern ordnet den ”Link Juice“ (Besucherverkehr) arm.in zu, , dann ist zumindest unklar, inwieweit der Inhalt innerhalb des Frames noch nach relevanten Keywords durchsucht wird, was nicht in meinem Interesse sein kann, weil eine attraktive Platzierung in den Google- Trefferlisten auch von den Keywords abhängt.

maske

In den USA hat die Social Bookmarking und Nachrichtenbewertungsplattform Digg, die ebenfalls Frames und eine Toolbar anbietet, wegen dieses Verfahrens großen Unmut provoziert, wie ReadWriteWeb schreibt. Die Affäre wurde sogar schon ”Digg-gate” getauft.

Armin Hierstetter ist sich nach eigenen Angaben erst vorhin auf meine Anfrage hin dieser Problematik bewusst geworden. Er will aber nicht grundsätzlich von der Frame-Lösung abrücken, sondern jedem Nutzer im Rahmen des neuen Premium-Modells Varianten zur Wahl stellen. Eine faire Lösung, wie ich finde, wenn er dann noch deutlich auf die Varianten und ihre verschiedenen Auswirkungen hinweist.

Das Erstaunliche am Phänomen Linkverkürzer: Dafür, dass die meisten kein Geschäftsmodell haben, gibt es erstaunlich viele davon. Die steigende Beliebtheit lässt sich eigentlich nur durch Twitter erklären, weil es bei 140 zur Verfügung stehenden Zeichen wirklich auf jedes eingesparte Zeichen ankommt. Hierstetter operiert also mit einem kleinen Dienst auf einem hart umkämpften Markt und ist zudem noch benachteiligt, weil auf beliebten Twitter-Clients aus den USA wie Tweetdeck oder Twhirl nur amerikanische URL-Shortener wie Tiny-URL, bit.ly, is.gd oder tr.im vorinstalliert sind, nicht aber das deutsche arm.in.

Eine gute Übersicht über die verschiedenen Linkverkürzer und ihre Eigenschaften wie “301 redirect” (führt zur Original-URL) findet man bei Searchengineland. Mein Lieblingsdienst ist übrigens tr.im: simpel, kurz, bietet Tracking und nutzt keine Frames.

Welche Linkverkürzer nutzen Sie? Was halten Sie von Frames und der Frame-Problematik?  Über Ihre Meinungen und Anregungen in den Kommentaren freue ich mich.

Twitter für Blogger – 10 Tipps für mehr Blogtraffic

Ich habe heute auf Peer Wandigers Blog „Selbständig im Netz“ einen Gastbeitrag veröffentlicht: „Twitter für Blogger – 10 Tipps für mehr Blogtraffic durch Microblogging“.

Ich hatte es schon einige Male gelesen, aber als ich auf diese WordPress-Statistik nur wenige Stunden nach Veröffentlichung meines Blogposts ”Das Klickvieh-Gehege – Was Verlage von der Blogosphäre lernen können“ geklickt habe, war ich überzeugt davon, dass zumindest manchmal Twitter schon der Verlinkung von Blogs untereinander den Rang abgelaufen hat:

stats1

Gelungener Twitter-Selbstversuch bei jetzt.de

„Twitter-Selbstversuche“ – als solche ausdrücklich benannt und beschrieben – gab es im letzten halben Jahr eine ganze Reihe. Meistens bestanden diese ”Experimente“ aus nicht viel mehr, als dass jemand mal zwei, drei Tage lang anderen beim Twittern zugesehen hat und dann über seine Ratlosigkeit angesichts des Durcheinanders an Belanglosigkeiten schrieb.

Doch nun hat es Dirk von Gehlen, Redaktionsleiter von jetzt.de der Süddeutschen Zeitung,  geschafft, sich selbst und zugleich auch seinen twitternden und nicht-twitternden Lesern  den Microblogging-Dienst wirklich nahe zu bringen. Das liegt vor allem daran, dass von Gehlen sich Zeit lässt, Twitter selbst auszuprobieren, anstatt nur von außen zuzuschauen. An dieser Erkenntnis lässt er uns teilhaben:

Doch der tiefere Sinn des Verfolgens erschließt sich erst, wenn man selber followt. Dann erst wird aus der vielstimmigen Twitter-Masse ein tatsächlich melodisches Zwitschern, dessen Klang man selber bestimmen, weil auswählen kann […] Um das zu verstehen, muss man sich aber bei Twitter registrieren und anderen Nutzern folgen. Twitter funktioniert wie ein Telefon. Wer sich dem lediglich über die Startseite (also die Gesamtheit aller Gespräche) nähert, wird die unverständlichen Gesprächsfetzen zahlreicher Telefonate bemerken – und diese natürlich für belanglos halten.

Genau das ist das Grundprinzip von Twitter – und meines Erachtens auch der Grund dafür, warum sich so viele Journalisten so schwer damit tun, Twitter zu verstehen: Es widerstrebt Ihnen, die typische journalistische Beobachterperspektive aufzugeben und sich auf Protagonistenebene zu begeben. Ohne dieses Mitten-hinein-begeben geht es aber nicht. Über ein gescheiterten „Twitter-Selbstversuch“ habe ich vor einiger Zeit gebloggt: So wird das nichts mit Twitter, Sächsische Zeitung. Bezeichnenderweise hat sich seitdem auf dem Account von @valeriahei auch fast nichts mehr getan..

In diesem Zusammenhang ebenfalls lesenswert: Do’s and Don’ts für twitternde Redaktionen – Interview mit Nicole Simon