Archiv der Kategorie: Twitter

5 Gründe, warum Turis Twitter-Werbung ein Irrweg ist

Wenn sich der Medienbranchendienst turi2 mit seinen vorgestern gestarteten Werbe-Tweets für 250 Euro pro Update nur mal ins Gespräch bringen wollte, dann ist ihm das gelungen. Meedia kalkuliert, Don Dahlmann kritisiert, und massenpublikum zeigt Verständnis. Und dass Kritiker massenhaft auf ”unfollow“ geklickt hätten, ist bisher nicht festzustellen. Im Gegenteil: Unmittelbar vor dem ersten Werbetweet hatte @turi2  2371 Follower, heute mittag waren es 2438.

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Und für die allerersten Kunden der turi-Werbetweets dürfte die 250 Euro ebenfalls gut angelegtes Mediageld sein. Denn jeder Twitterer aus der Medien, Web- und Mediabranche dürfte wohl zumindest mal rübergeklickt haben, was Turi da treibt. Insofern liegt der TKP (der Preis um 1000 Werbekontakte zu erreichen) zumindest für die ersten zwei, drei Werbetweets sicherlich nicht, wie meedia schreibt, bei 2,27 Euro pro Buchstabe oder 10 Cent pro Follower, sondern wohl erheblich darunter. Der genaue Preis der Medienkontakte lässt sich ohnehin nicht bestimmen, da es keinen Weg gibt, festzuzustellen, wieviele Menschen einen bestimmten Tweet tatsächlich gesehen haben.

Gut oder nachhaltig finde ich diesen Versuch, mit Twitter Geld zu verdienen, dennoch nicht, allerdings aus anderen Gründen, als den bei meedia und Dahlmann sowie in vielen Kommentaren genannten Punkten.

  1. Mit Werbetweets untergräbt turi2 seine Glaubwürdigkeit. Es ist ein Unterschied, ob klar gekennzeichnete Anzeigen auf einer Webseite oder einem Blog zu sehen sind, oder mitten im Twitter-Stream eine distanzlose Bertelsmann-Lobmeldung erscheint, die sich optisch in nichts außer dem kleinen Wort ”Anzeige“ von redaktionellen turi2-Tweets unterscheidet.
  2. ”Irgendwie muss Twitter ja Geld verdienen“, heißt es in bemerkenswert vielen Blogkommentaren. Was für ein Trugschluss! Mit dieser Art von Werbung verdient nicht Twitter, sondern Turi. Es gibt gute Gründe dafür, dass Twitter seit Monaten über ein geeignetes Geschäftsmodell nachdenkt – und viele Twitter-User sich ebenfalls für Twitter die Köpfe darüber zerbrechen. Die plumpeste Art Geld zu verdienen – einfach Werbetweets verkaufen – hat Twitter dabei stets verworfen, weil das den Wert des Dienstes für die Gemeinschaft mindert. Dass Peter Turi – der ebenso wie alle anderen dank Twitter eines kostenfreien Kommunikationskanals bedienen darf –  diesen Kanal jetzt benutzt, um  Tweets zu verkaufen, ist nicht schlau, sondern höchstens bauernschlau.
  3. Wenn diese Art von Werbe-Tweets Schule macht, wird Twitter darauf aufmerksam werden und Gegenmaßnahmen ergreifen – beispielsweise durch Einrichtung eines Buttons, mit dem man die betreffenden Accounts wie Spam-Accounts ausschließen kann.
  4. Wenn diese Art von Werbe-Tweets Schule macht und Twitter nicht darauf reagiert, werden die Nutzer nicht nur per ”unfollow“, sondern auch per ”block“ Gegenmaßnahmen ergreifen – jedenfalls die für Werbekunden besonders attraktiven Vielnutzer und Multiplikatoren.
  5. Und am wichtigsten: Wofür bezahlen Unternehmen eigentlich ihren Social-Media-Beratern viel Geld für ausgefeilte Kommunikationskonzepte im Social Web (”Wir müssen die Nutzer engagieren“, ”Dialog auf Augenhöhe“, ”authentisch sein“, “bloß kein old-school Push-Marketing“), wenn ihnen dann doch nichts Besseres einfällt, als genau wie vor zehn Jahren langweilige und nichtssagende Werbebotschaften herauszublasen. Und wofür bezahlen sie dafür auch noch einen Vermittler, obwohl sie auch selbst einen kostenlosen Account einrichten könnten?

Immerhin: die heutige turi2-Werbung greift das Spiel bereits ironisch auf:

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Ich halte das für ein Zeichen, das Turi seine Twitterwerbung mehr als Gag denn als Geschäftsmodell gemeint hat.

Werbeanzeigen

Dürfen’s ein paar mehr oder weniger sein? Die deutsche Twitterszene spekuliert über ihre Größe

Seit Nicole Simons Tweet vor sechs Wochen vergeht kaum ein Tag, in der nicht aufs Neue über die Zahl der deutschsprachigen Twitter-User spekuliert wird. twittersimon

Die Angaben variieren heftig – von nur 10.000 bis über 100.000. Eines haben die Ratespiele gemeinsam: Es wird nur selten erklärt (geschweige denn überzeugend), wie derjenige, der die Zahl in die Welt gesetzt hat, darauf gekommen ist. Netzökonom Holger Schmidt beruft sich in seinem FAZ-Blog z.B. auf Sascha Lobo:

„In Deutschland gibt es zurzeit etwa 50.000 einigermaßen aktive Twitter-Nutzer. Bis Ende des Jahres rechne ich mit 150 000 bis 250.000 aktiven deutschsprachigen Nutzern.“

Außerdem kommt laut Lobo auf jeden vierten bis fünften aktiven Twitterer ein ”Schattenfollower“, der nur zuhört, aber selbst nie twittert. Ausgeführt sind die Zahlenrelationen und wie sie zustandekommen nicht weiter, aber das führt wohl im Blog einer Tageszeitung zu weit. Immerhin erfüllen dort Beiträge auch immer noch den Sinn, dem Allgemeinpublikum zu erklären, was Twitter überhaupt ist und soll.

Nicole Simon greift auf ihrem Blog Mit 140 Zeichen.de die Diskussion auch auf, will aber die Zahl ”86.593″ nur zum Spaß in die Runde geworfen haben, um zu sehen, wie sich alle darauf stürzen. Sie zitiert z.B. @talkabout (PR-Fachmann Mirko Lange), der zumindest mal brauchbar definiert hat, was denn ein ”aktiver“ Twitterer sei:

”Bei der Masse an Tweets ist “aktiv” wohl mindestens “täglich”. Sonst keine direkte Ansprache mögl.“

Vor ein paar Tagen dann brachte Jörg Friedrich auf seinem Blog eine sehr viel niedrigere Zahl ins Spiel: Es seien nur rund 10.000 deutschsprachige Twitterer. Die höheren Zahlen anderer erklärt er dadurch, dass die Alpha-Twitterer große Teile ihrer Netzwerke teilen, und deshalb viele Follower in anderen Berechnungen gleich mehrfach gezählt würden. Obwohl Friedrich eine streng mathematisch-statistische Berechnugsmethode angibt, überzeugt mich dieser Ansatz dennoch nicht, denn er zählt nur die großen Netzwerke. Twitterer mit nur wenigen Followern, die oft gerade nicht aus der Web- und Medienszene stammen und deshalb oft auch ganz andere Follower mitbringen, fallen dabei unter den Tisch. Gerade davon gibt es in jüngster Zeit aber immer mehr, weil durch die vielen Berichte in den Massenmedien Twitter gerade der Early Adopter Phase entwächst.

Heute schließlich brachte Thomas Pfeiffer bei den Web Evangelisten frische Zahlen ins Spiel, die im Mittelfeld der bisher genannten Werte liegen:

Es gibt zurzeit etwa 27.000 aktive deutschsprachige Twitternutzer, zählt man auch die passiven Nutzer hinzu, die nicht selber twittern, aber anderen Accounts folgen, sind es ca. 38.000.

Die Web Evangelisten haben für ihre Analyse in der letzten Februarwoche 2009 die Twittersuche abgefragt, alle deutschsprachigen Tweets  gesammelt und mit den Ergebnissen aus anderen Nutzeranalysen verglichen. Diese Methode klingt für mich am überzeugendsten, weil sie die Alpha-Twitterer der ersten Stunde mit Tausenden von Followern ebenso berücksichtigt wie den Long Tail der Neu-Twitterer. Ich werde mich auf diese Zahlen mit Verweis auf die Web Evangelisten  jedenfalls so lange berufen, bis mir jemand eine noch bessere Methode präsentieren kann.

Social Web TV – Fernsehen als virtuelles Community-Erlebnis

Zig Millionen Filmfans in aller Welt werden heute nacht die Verleihung der Oscars live im Fernsehen verfolgen. Das macht natürlich am meisten Spaß in der Gruppe, doch um gemeinsam fern zu sehen, muss man inzwischen nicht mehr auf dem gleichen Sofa im gleichen Raum sitzen. Ein neues Phänomen bildet sich heraus, das ich als ”Social Web TV“ bezeichne. ”Social Web TV“ ist eine Kombination aus klassischem Fernsehen und Social Community: Gleichgesinnte Gruppen finden sich im Web zusammen, um gemeinsam ein Live-Programm zu sehen – unabhängig davon, an welchem Ort sie gerade sind. Und die Gruppenmitglieder tauschen sich anderen darüber aus, was sie gerade sehen.

Social Web TV macht sich bislang als neues Phänomen vor allem bei weltumspannenden und massenbewegenden TV-Ereignissen bemerkbar:

  • Bei Obamas Amtseinführung richtete Facebook in Kooperation mit CNN.com Live-Chatrooms für Facebook-Nutzer ein. Bei Facebook konnten Nutzer einen CNN.com Player auf ihren Facebook-Profilen einbinden und gemeinsam mit ihren Freunden rund um den Globus das Ereignis kommentieren. Laut Mashable gingen durchschnittlich mehr als 4000 Kommentare pro Minute ein. CNN lieferte während der Feier 13.9 Millionen Live Video Streams aus und brach damit bei weitem seinen bisherigen Rekord vom Wahltag (5,3 Millionen Live Streams).facebook1
  • Current TV setzte 15 Redakteure ein, um die Live-Bilder der Präsidenten-Inauguration mit den interessantesten Tweets aus der Twitter-Community zu unterlegen. Ein interessantes Making Of Video dazu hat Scobleizer gedreht.current-twitter-obama1
  • Am 15. Februar kooperierte Facebook mit der NBA – Nutzer konnten einen Livestream des NBA All Star Basketball-Turniers kommentieren.

Und heute nacht zur Oscar-Verleihung wird Facebook gemeinsam mit der HD-Videoplattform Jaman kommentierbares Community-TV einrichten (dazu ebenfalls Mashable). jaman

Auch in Deutschland ermöglichen TV-Sender und Social Communities immer häufiger Social Web TV Erlebnisse – allen voran RTL, MyVideo, MySpace und StudiVZ. Sie alle haben erkannt, dass nichts die Attraktivität einer Webplattform und die Verweildauer auf der Plattform so sehr steigert, wie Bewegtbildcontent mit interaktiven Community-Funktionen. Der gestreamte Content ist allerdings nicht immer live. Beispiele:

  • Zur US-Präsidentenwahl richtete RTL  eine 3D-Community ein in Kooperation mit dem Betreiber smeet. Die Fans von ”DSDS“ haben bei RTL.de seit Januar ebenfalls eine 3D-Community – mit Liveübertragung der TV-Show und kürzen Abrufvideos. Mehr dazu in meinem Blogpost  hier.
  • MyVideo, die Community des ProSiebenSat.1-Konzerns, hat im Januar einen eigenen Musikkanal gestartet – ein kommentierbares Musik-Abuf-TV mit Videoclips, wie sie früher bei Viva und MTV zu sehen waren.
  • Die ”Pietshow“ bei StudiVZ brachte es im November und Dezember 2008 mit 15 Folgen auf 2,5 Millionen Seitenaufrufe.
  • Die ersten 20 Folgen der Websoap ”They Call us Candy Girls“ bei MySpace wurden bisher 1,9 Millionen abgerufen. Zehn weitere Folgen sollen nach Angaben des Produzenten MME im April starten. (s. DWDL)

Das wohl durchdachteste Konzept für asynchrones Social TV hat Joost – zumindest theoretisch. Auf der On-Demand-Web-TV-Plattform, die 2007 von den Skype-Gründern Niklas Zennström und Janus Friis gestartet wurde, kann man die persönlichen Streams seiner Freunde abonnieren, deren Favoriten anschauen und kommentieren. Die Plattform, deren baldiges Ableben schon mehrfach prophezeit wurde, hat seit der Umstellung von eigenem Client auf browserbasiert zwar mehr Zulauf. Leider krankt sie aber  immer noch daran, dass die meisten TV-Sender und TV-Produzenten ihren wirklich attraktiven Content lieber auf eigenen Web-Plattformen auswerten. Deshalb ist das Bewegtbild-Erlebnis Joost mehr ”social“ als ”TV“.

Und nicht zuletzt findet Live Social TV natürlich überall dort im Web statt, wo die Nutzer es auch ohne spezielle Plattformen selbst einrichten – zum Beispiel bei Twitter. Das zeigt sich an jedem Wochenende während der Bundesliga. Es gibt immer mehr ”Tatort“-Fans, für die das 20.15 Uhr-Sonntagsritual erst mit den vielen Tweets zum #tatort zum runden Fernsehabend wird. Auch heute nacht bei der Oscar-Verleihung wird weltweit ohne Ende getwittert werden. Für Nutzer, die keine Gelegenheit haben, die Übertragung im Fernsehen oder per Web-Stream zu sehen, twittert Spiegel Online das Wichtigste von den Academy Awards auf seinem neuen Newsticker-Feed Spiegel Live .

Katzencontent? Hundetweets!

Die Vermenschlichung von Haustieren in sozialen Netzwerken macht dank Twitter große Fortschritte. Ein Kurznachrichtendienst, wo man spontan zwischendurch mal etwas reinbellen kann, liegt dem tierischen Instinkt ja auch viel näher als Netzwerke mit umständlich auszufüllenden Profilen. Vor allem Hunde beschnuppern sich wohl deshalb immer häufiger per Twitter.

Der Hund 2.0 hat kann bei Twitter mehreren Arten von Rudeln angehören. Beispiele:

1. Agentur-Hunde und TechDogs:

@ AgencyDog (24 Follower, Agentur-Hund von @freshinfo)agencydog
@LucyHund (8 Follower, Bonner Kampfschmuser)
@TopDogVienna (139 Follower, TechHound im Silicon Valley)
@LuzieHund (35 Follower, unklare Tätigkeit im Büro von @MissWayne)
@wachhund (74 Follower, Firmenhund der Agentur nugg.ad)
@FourLeggedMedia (1312 Follower, hier twittert Mackenzie vom texanischen Hunde-Microblogging-Netzwerk FourLeggedMedia

2. Park- und Outdoor-Hunde

@HundBarolo (65 Follower, Wiener Freitzeitkurier)
@ashility (285 Follower, fränkischer Landhund, Herrchen bloggt im Zeichen des Terriers)

3. Die nachlässige Tokio-Twitterszene:

@mokuamisan (81 Follower, lässt lieber Herrchen twittern)
@francesca13 (66 Follower, muss seine Kurz-Bio noch ausfüllen)zuckerhund
@taratara (6 Follower, irgendein Köter in Tokio ohne Kurz-Bio)

4. Selbsthilferudel

@zuckerhund (680 Follower, für Hunde mit Diabetes – kein Scherz!)

5. Hunde, die sich ausschließlich zu PR-Zwecken vor den Twitterkarren spannen lassen

@BookHound (1817 Follower, macht meistens PR für das Buchportal bookmeo.com)
@maxxamillion (447 Follower, tweetet automatisiert für gleichnamiges Tierheim in Chicago)
@PawLuxury (12670 Followers, Macht PR für gleichnamiges Bio-Hundefutter)

Die Liste könnte natürlich noch beinahe endlos ergänzt werden.

Zugang zu passenden Rudeln finden Hunde am leichtesten beim Beschnuppern von ”Following“ und ”Follower“-Profil-Thumbs. Denn wo Hunde tweeten, sind andere Hunde meistens nicht weit. Viel aufwändiger ist die Twittersuche mit den hashtags #Hund oder gar #dog , weil hinter den Tweets meist doch nur Menschen stecken (”mist, es regnet. muss noch mit dem #hund raus“).

Hilfreich bei der Selbstdarstellung ist natürlich auch ein artgerechter Hintergrund. Sehr gut gelöst z.B. von @mydog mit einem Wallpaper aus Tennisbällen und einer philosophisch passenden Kurzbio: ”On the Internet Nobody Knows I’m A Dog!!

mydog

Listen mit Hunden aus der anglo-amerikanischen Tweetdog-Szene sowie hilfreiche wie amüsante Tipps hat TwiTip vor einigen Tagen veröffentlicht: ”How to Be a Good Dog on Twitter in 8 Easy Steps“

Und hier noch ein aktueller Hinweis:

Heute nacht um 3 Uhr MEZ startet ”Twitter’s first Barkhunt“, (Gewinnspiel mit Hashtag #barkhunt, Teilnahme per DM).  Zu gewinnen gibt es ”The Idiot’s Guide to Positive Dog Training“.

Schwanzwedelndes Lob oder knurrende Kritik aus der Hunde-Twitterszene in den Kommentaren sind ausdrücklich erwünscht!

TV-Sender entdecken jetzt auch Twitter

Dies ist die Geburtsstunde eines neuen Twitter-Auftritts:

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Niedlich, oder ? Und hier ist noch einer:

zdf

Oder der hier, da gab es sogar schon Grüße von den Kollegen an die Neu-Twitterer:

twitter-kabel-11

Mehrere deutsche TV-Sender stehen offenbar kurz davor, mit ihren Twitter-Auftritten starten. Auf den Screenshots zu sehen sind sozusagen die ersten zaghaften Gehversuche. Natürlich könnte auch irgendwer per Twitter-Squatting die Accounts auf die Namen deutscher TV-Sender angemeldet haben. Das ist aber nicht wahrscheinlich, denn diese Twitter-Babies verfolgen sich gegenseitig und außerdem auch ihren größeren Sender-Geschwistern, die schon etwas länger twittern.

Im Fall des KiKa kann man außerdem sehr schön sehen, wie wichtig es ist, dass (Medien-)Marken rechtzeitig ihre Twitteraccounts anmelden: hinter @kika steckt eine gewisse Cristina Moura, die zwar ein rassiges Profilbild, aber weder Followers noch Friends und ihren einzigen Update auch noch gesichert hat. @kika1 bis @kika6 sind allesamt weitere Avatar-lose Account-Squatter. Erst auf @kika7 konnte sich der öffentlich-rechtliche Kinderkanal platzieren….

Sender und Sendungen, die schon etwas länger twittern (d.h. seit mindestens zwei Wochen) sind z.B. folgende:

@BR_Sport 33 followers / 3 friends  / 214 updates /  RSS-Feed

@Tagesschau 1161 / 1 / 7782 , RSS-Feed

@Blog_tagesschau 271 / 1 / 287 , RSS-Feed

@ARTEtv_de 188 / 194 / 7650 , 2 RSS-Feeds

@ Zdfsport 57/ 53 / 36, redaktionelle Tweets, aber (noch?) kein Dialog

@Zdf_wiso 57 / 36 / 60,  dialogisch und witzig

@wahlimweb (ZDF.de)  494/   36 / 71,  Dialog

@ESL_ 83 / 219 / 3 redaktionelle Tweets vom Web-TV-Sender der Electronic Sports Leagu, aber bisher noch kein Dialog

@ProSiebenTV 126 / 4 / 9,  erste Dialogansätze

@N24_de 367 / 437 / 744,  ernsthaft fortgeschrittener Dialog, bemerkenswerte Bio: „Wir kommen zur Sache“ ist der Anspruch des Senders. Mal schauen, wie gut das in 140 Zeichen geht.

@Tvtotal 319 / 0 / 71 redaktionell, aber kein Dialog , keine Bio!, erwähnenswert: nur ein Background von der Stange

Twitternde TV-Journalisten sind beispielsweise:

@cnothelle (Claudia Nothelle, TV-Chefredakteurin des rbb)  14 / 15 / 10 Dialog, aber noch ohne Avatar

und @Claus_Kleber 590 followers /413 friends/ 66 updates

Der ZDF-Mann ist ein souverän-lakonischer Twitterer, der aber seit 29. Dezember entweder die Lust verloren oder keine Zeit mehr hat. Dafür ist seine Bio besonders nett: ”In Amerika kenn ich mich aus und mit Gundula Gause ein bißchen.“ Und die Profilseite mit der rosa Blümchentapete ist auch hübsch:

twitter-klaus-kelber

Dies ist natürlich nur eine rudimentäre Aufstellung, auf der wahrscheinlich jede Menge bereits twitternde TV-Sender und TV-Journalisten fehlen. Ich würde mich freuen, wenn über die Kommentarfunktion jede Menge Ergänzungen kommen. Die Liste soll nach erstem unorthodoxem Brainstorming auf Leander Wattigs Liste kollaborativ und systematisch fortgeführt werden.

Update vom 5. 2.:

Das Twitter-Account von Claus Kleber ist bislang nicht echt – aber immerhin ein vom ZDF eingerichtetes  oder übernommenes Fake-Account.  Seit heute heißt es in der Bio: ”Dieser Account wartet auf den ‚echten‘ Claus Kleber. Zugangsdaten liegen dem ZDF vor.“ Der echte Claus Kleber will also bald twittern – hoffentlich  genauso nett wie der falsche.

twitter-kleber-neu

So wird das nichts mit Twitter, Sächsische Zeitung

Einen ”Selbstversuch“ nennt die Autorin der Sächsischen Zeitung, Valeria Heintges, ihren kleinen Exkurs ins Zwitscherland von 27. Januar, über den sie am 31. Januar im Blatt berichtete. Der ”Selbstversuch“ ist allerdings ein Paradebeispiel dafür, wie man es nicht machen sollte, wenn man als Journalist(in) in aller Öffentlichkeit bei Twitter startet. Erst mal ausprobieren, was Twitter kann, wozu es taugt und wozu nicht, ist ja durchaus sinnvoll. Um Twitter den Lesern seiner Zeitung zu erklären, sollte man allerdings mehr als nur diesen einen Tweet in drei Tagen abgesetzt haben:

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Erst mal im Verborgenen twittern ohne gleich darüber zu schreiben, mehr interessanten Leuten folgen und sich auch mal in Dialoge einschalten, hätten der Autorin sicherlich geholfen, den Sinn von Twitter besser zu verstehen. So hat sie auch ihrer Zeitung eher einen Bärendienst erwiesen.

Denn welcher Eindruck bleibt jetzt hängen bei den Lesern, die sich – von dem Artikel  vielleicht doch inspiriert – bei Twitter anmelden und als erstes gleich mal Valeria Heintges folgen?

1. Die Sächsische Zeitung will ihren Lesern Twitter erklären, ”blickt“ es aber selbst ”noch nicht richtig“.

2. Für die Sächsische Zeitung ist ein einziger halbherziger Eintrag schon gleich ein ”Selbstversuch“.

3. Der Artikel diente wohl in erster Linie dem Zweck, sich schnell mal eben an einen Medienhype anzuhängen.

Selbst die Aufrufe des Presseclub Dresden Dresdner Journalisten Peter Stawowy  ”Folgt der Sächsischen Zeitung bei Twitter“ auf dem Blog des Presseclub Dresden, und über sein Twitteraccount @pstawowy (”würde mir etwas mehr Beteiligung wünschen“) die @valeriahei immerhin 33 neugierige Follower mehr beschert haben (Stand 1. Februar, 23.55 Uhr) haben, werden wohl nutzlos verhallen. Denn wenn sich auf diesem Account so rein gar nichts tut, werden auch die geduldigsten Follower wieder abspringen.

pstawowy

Schade, Chance verschenkt. Bevor die Sächsische Zeitung als Redaktion oder über einen ihrer Autoren wieder mal einen Twitter-Versuch startet, würde ich ihr vorher die Twitter-Tipps von Nicole Simon zur Lektüre empfehlen. Gibt es auch als Video bei turi2 tv.

Wolfgang Büchner: Warum Spiegel Online so und nicht anders twittert

Der Chefredakteur von Spiegel Online, Wolfgang Büchner, hat mir per Email auf meinen Blogpost ”Twitter-Konzepte der Verlage – Erfolge mit und ohne Dialog“ geantwortet. Freundlicherweise hat er einem Abdruck als Blogpost zugestimmt. Ich finde seine Stellungnahme sehr informativ. Es werden darin viele Fragen beantwortet, die sich Follower der Spiegel Online Twitter-Feeds schon seit einigen Wochen stellen – zum Beispiel per @reply ins Leere. Hier gibt es nun Antworten vom Spiegel Online-Chef persönlich:

Sehr geehrte Frau Langer,

eine kurze Antwort zu Ihrem interessanten Blogeintrag und den von Ihnen festgestellten Punkten. wolfgang_buchner
Dass spiegel_eil nun bereits über 3000 Follower hat, ist, wie Sie selbst schreiben, sicher vor allem mit der Reichweite unserer Seite zu erklären.


Aber die Reichweite der Seite und die Zahl der Twitter-Follower hat ja ihren Grund: Die Leser wissen, dass sie nirgendwo im Web ein besseres Nachrichtenangebot mit der gleichen Themenbreite bekommen. Selbstverständlich gibt es zu Spezialthemen hervorragende andere Quellen. Aber eben keine Seite, die über alle Ressorts und Themen ein ähnlich starkes Angebot macht.

Natürlich gibt es auch in der Twittersphäre Kritik an SPIEGEL ONLINE, einzelnen Meldungen oder unserem Twitter-Angebot. Was mir allerdings auffällt, ist, dass SPIEGEL-ONLINE-Artikel bei Twitter (genau wie auch in der Blogosphäre) weit überwiegend Gegenstand von inhaltlichen Debatten oder Empfehlungen sind. Häufig in Form von Retweets, aber auch in Form geposteter Links oder Tweets der Sorte „Lese gerade…“ Die User suchen auch auf dieser Frequenz: gute Geschichten, gute Quellen. Die Zahl der @replys ist somit nur bedingt Aussagekräftig. Sie finden unzählige weitere Referenzen, wenn Sie twittersearch auf SPIEGEL ONLINE, SPIEGEL oder SPON ansetzen.

Dass wir — anders als DerWesten oder Weltkompakt – bisher keinen Redaktionstwitter haben, hat mehrere Gründe.

Der erste ist schlicht und einfach: Die Arbeit an der Seite selbst geht vor. Das Wichtigste ist für uns ein gut recherchiertes und gut geschriebenes Nachrichtenangebot. Uns ist es wichtiger, dass sich unsere CvDs jede Minute darauf konzentrieren, eine möglichst gute Homepage zu präsentieren als dass sie nebenbei twittern.

Außerdem, das räumen wir gerne ein, entdecken wir Twitter und die Möglichkeiten dieses Kommunikationskanals gerade. Einige Kollegen in der Redaktion twittern bereits, andere finden den Kanal mindestens zum Lauschen interessant. Ich bin nicht sicher, ob ein zentraler Redaktionstwitter wirklich eine gute Lösung ist. Das ist ja für die Leser auch wieder eine eher anonyme Veranstaltung. Wer ist denn gerade DerWesten? Wäre nicht die Kommunikation mit den einzelnen (Fach-)Redakteuren spannender? Andererseits ist ein Redaktionstwitter natürlich ein interessanter Rückkanal. Das disktutieren wir gerade in der Redaktion. Ich würde das Twittern jedem Kollegen bei SPIEGEL ONLINE empfehlen, aber niemandem befehlen.

Zu den beiden Fragen
– warum Spiegel_Eil ”alles doppelt twittert”

– warum Spiegel_Eil ”langsamer ist als andere”

Das hat schlicht und einfach technische Gründe.
Bisher nutzen wir Twitterfeed, um unsere Twitter-Accounts mit unseren RSS-Feeds zu füttern. Das funktioniert gut, ist aber für Eilmeldungen wegen des großen Delays bei Twitterfeed viel zu langsam.
Deshalb kümmern sich derzeit noch unsere Textproducer darum, Eilmeldungen manuell in unseren Account spiegel_eil einzuspeisen. Auch das geht manchmal nicht schnell genug, aber deutlich schneller als via Twitterfeed. Und daraus erklärt sich auch die Dopplung.  Unsere IT baut gerade eine Verknüpfung unseres CMS mit den Twitteraccounts. In spätestens zwei Wochen sollte dann die Probleme Geschwindigkeit und Dopplung gelöst sein.

Schöne Grüße

Wolfgang Büchner
twitter: wbuechner