Archiv der Kategorie: Twitter

„Unsere Quellen googeln uns“ – Insider-Tipps zum Social Media Journalism beim Global Media Forum

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Daniel Hirschler, Emer Beamer, Ulrike Langer, Marcus Bösch, Kevin Anderson, Guy Degen. Foto: DW / K. Danetzki

Als der damalige Radioreporter Kevin Anderson vor zwei Jahren einige Soldaten der US-Armee in seine BBC-Radiosendung einlud, die von ihren Erfahrungen im Irak berichteten, stürmte nach der Show ein Nachrichtenredakteur in sein Büro und fragte ihn: ”Wie hast Du das gemacht? Wie hast Du sie kontaktiert? Wir fragen seit einem halben Jahr beim Pentagon an und die rücken nicht mal mit einer einzigen Email-Adresse heraus.“ ”Ganz einfach“, so Anderson zum Redakteur. „Die Soldaten bloggen. Und die Email-Adressen stehen auf ihren Blogs.“

Anderson, der mittlerweile  „blog editor“ beim Guardian ist (gibt es eine vergleichbare Stellenbeschreibung eigentlich auch schon bei deutschen Zeitungen?), erzählte diese Anekdote gestern nachmittag beim Panel „Social media journalism“ im Rahmen des Global Media Forum der Deutschen Welle. Dort stand der Nutzen von Social Media Tools beim Journalismus in Krisengebieten im Mittelpunkt. Für Anderson ist das Rätsel, warum es ihm leicht fiel, mit den Irak-GIs  direkt in Kontakt zu treten, leicht zu lösen: ”That’s the power of social media.“ Ohne einen glaubwürdigen Ruf als Journalist und Belege dafür im Web wäre allerdings auch Anderson mit seiner Irak-Recherche in der GI-Bloggerszene nicht weit gekommen. Anderson: „Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass unsere Quellen uns googeln.“

Auch für Guy Degen, Auslandsreporter der Deutschen Welle, ist die Möglichkeit, über soziale Netzwerke in unmittelbaren Kontakt mit seinen Nutzern zu treten, ein Wert, den er nicht mehr missen möchte. Degen berichtet vorwiegend aus afrikanischen Ländern und braucht dazu nichts weiter als ein Mobiltelefon und ein halbwegs stabiles UMTS-Netz. Degen nennt sein Handy seinen „Tech-Partner“. Es sei gut, ihn bei zu haben, findet er. ”Man fühlt sich nicht so alleine da draußen“.

Doch „alleine“ ist ohnehin relativ. Degen berichtet mit einfachsten Mittel mobil, multimedial, nahezu live und mit eingebautem Rückkanal: Er twittert, schickt Fotos per Twitpic, Live-Videos direkt vom Mobiltelefon zur Plattform Qik und Live-Audio zu Utterly. Damit sein multimediales Reporterpaket auf Twitter gefunden werden kann, bekommen alle Elemente, die zum gleichen Thema gehören, eine gemeinsame Nachrichtenüberschrift. Für Marcus Bösch, der als freier Journalist für die Deutsche Welle schreibt und mit seiner wöchentlichen Blogschau Rezensionen und Linktipps als Podcast gestaltet, ist ebenfalls Twitter der Feedback-Kanal Nummer 1. ”Mehr als 800 Leute folgen mir bei @blogschau und die kenne ich“, sagt Bösch. ”Ich sehe ihr Twitter-Profil und kann von dort ihre Blogs oder Webprofile anklicken.“ Feedback ist seitdem für ihn kein Fremdwort mehr. Beim Guardian ist Twitter ebenfalls Feedback-Kanal, aber inzwischen auch ein wichtiger Traffic-Bringer. ”Unser Ressort Technologie bekommt inzwischen Aufrufe durch Links von Twitter als von Google News“, sagt Anderson.

ushahidiEmer Beamer ist keine Journalistin, sondern eine irische Web-Designerin und -Programmiererin. Sie wurde auf das Panel gebeten, weil sie mit ihrer Agentur butterflyworks Social Media Plattformen schafft, die zum Beispiel Crowdsourcing in Krisengebieten ermöglichen. „Meine Mission im Leben ist es, die Mission anderer zu ermöglichen“, sagt Beamer. Der Agenturname passt gut zu diesem Motto. Ein Projekt, von butterflyworks unterstützt, ist beispielsweise die kenianische Plattform Ushahidi – sie beruht auf einem Mashup aus per SMS geschickten Meldungen, z.B. in welchen Straßenzügen gerade Kämpfe stattfinden, die von Freiwilligen auf ihre Plausibilität überprüft und dann nahezu live auf einer Google Maps Anwendung eingetragen werden. Hunderte von Kenianern tragen Informationen live vor Ort zusammen, weil sie sich dort bewegen, wo Reporter sich entweder nicht hintrauen, nicht dürfen oder nicht hin können, weil sie nicht überall gleichzeitig sein können. Die Website für die Anwendung wurde vor Ort von Studenten einer Webdesign-Akademie in den Slums von Nairobi gestaltet, ist also nicht von außen übergestülpt, was maßgeblich zu ihrer Beliebtheit beiträgt.

Auch für Journalisten kann dieser von vielen einzelnen dicht gewobener Infoteppich eine wertvolle Informationsquelle sein. Kevin Anderson warnt allerdings davor, Informationen von Bürgern, die in ihrem Selbstverständnis oft weder Bürgerjournalisten sind noch sein wollen, ungefragt in die Welt hinaus zu tragen. Oder die Menschen zu belästigen: „Diese Leute  befinden sich dauerhaft oder plötzlich in Krisensituationen. Sie haben sich nicht freiwillig in diese Situationen begeben und suchen nicht unbedingt das Rampenlicht.“ Mir fällt dazu das Beispiel der jungen Verlagsangestellten in Winnenden ein, die nach ihrem einen Tweet an ihre Bekannte, sie sollten die Innenstadt meiden, stundenlang von Reportern aus dem In- und Ausland bestürmt wurde und schließlich twitterte: ”Liebe Presse, ich weiß doch auch nichts.“

Ein mögliches  Big Brother Szenario des crowdsourcing Journalismus, mit dem sich niemand anfreunden konnte, entwarf Moderator Daniel Hirschler, Projektmanager der DW-Akademie in Laos. In Krisengebieten könnten Nachrichtenredaktionen künftig auf die Idee kommen, Mashups wie Ushahidi zu nutzen, um Reporter und Bürgerreporter per Handy quasi ferngesteuert vor Ort zu schicken. ”Gehe du mal einen Block weiter nach Norden und schicke mir von der Kreuzung xy ein Handyvideo. Ich bezahle Dich per PayPal“. Guy Degen würde lieber Mitglied einer Gruppe sein, die gemeinsam aus Krisengebieten berichtet. ”Aber wo genau ich mich hinbewege, dass entscheide ich immer noch selbst vor Ort.“

Meine 10 Thesen zum Social Media Journalismus, als Paper für die Kongressdokumention, habe ich schon vorab gebloggt. Hier geht’s zur deutschen Version und hier zur englischen Version.

Und hier ist der Link zur  Audio-Datei der Panel-Diskussion (auf englisch, 83 Minuten, Ton hat anfangs kleine Aussetzer):

Neues Stimmungsbarometer twitterthema.de lässt Nutzer Trends bewerten

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Mit den „trending topics“ bei Twitter ist es immer das Gleiche: Gegen die schiere Übermacht der englischsprachigen Twitterer haben deutschsprachige Trends fast nie eine Chance. Ausnahmen sind höchstens mal große webzweinullige Kongresse, über die extrem viel getwittert wird.

Jetzt haben drei deutsche Webgründer ein Tool programmiert, dass sich erstens ausschließlich mit deutschen Trendthemen befasst und zweitens redaktionell gefiltert wird. Auf  twitterthema.de können Twitter-User jeden Tag zu einem jeweils von der Redaktion ausgewählten aktuellen Thema ihre Meinung abgeben. Das Ganze natürlich via Twitter, indem der vorher definierte Hashtag, gefolgt von einem + oder – Zeichen in einen Tweet eingebaut wird. Twitterthema wertet die Reaktionen aus und stellt es wieder auf seiner Website dar. Also sozusagen ein Echtzeit-Stimmungsbarometer. Testfrage beim Start gestern abend war ”Wird Bayern München wieder Deutscher Meister?“, heute geht es um die Frage „Umfragewerte sinken – soll Angela Merkel Kanzlerin bleiben?“

Gegründet wurde twitterthema.de von der Mobile-Beraterin und Mobile Zeitgeist-Bloggerin Heike Scholz sowie den Software-Unternehmen MojosMobile und WIB Software.

Die  neue Plattform sehe ich als eine nützliche Ergänzung einerseits zu Mashups wie twitter-trends.de, getwitter oder trends_de , die deutsche Stichwörter nach Häufigkeit analysieren, aber nicht qualitativ auswerten, was Nutzer über die Themen denken. Und auch wiederum zu Tools wie twtpoll , auf denen zwar jeder Twitternutzer zu beliebigen Themen qualitative Umfragen starten kann, die aber häufig mangels Beteiligung nur wenig repräsentativ sind.

Je mehr WLAN, desto weniger Web2.0 – Kleine launige Nachbetrachtung zum ENC09

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Winners' Dinner beim ENC 09 Foto: Teresa Zötl http://www.momentfang.com

Was ist der Unterschied zwischen einem Webkongress und einem Medienkongress? Beim einem echten Webkongress wie „re:publica“ oder „LeWeb“ fällt wegen Überlastung desöfteren oder dauernd das WLAN aus. Das ist mittlerweile schon ein Running Gag auf solchen Veranstaltungen. Bei einer klassischen Medientagung funktioniert der drahtllose Internetzugang dagegen ohne Unterbrechung tadellos. Wohl auch deshalb, weil er relativ zum Besucheraufkommen kaum gebraucht wird.

So auch beim gestern beendeten ”European Newspaper Congress“ im wunderschönen historischen Wiener Rathaus.  Wir waren bei über 560 Teilnehmern nicht mal ein Dutzend aktive Twitterer vor Ort (ich habe für @mediummagazin getwittert). Gemeinsam haben wir unter dem Hashtag #enc09 wohl ein ganz gutes Stimmungsbild vom Kongress entstehen lassen. Aber eine Twitterwall hätten wir mit unseren Updates kaum füllen können. Abgesehen davon, dass meisten Teilnehmer durchlaufende kryptische Kurznachrichten auf einer Leinwand wohl auch recht ratlos angeschaut hätten.

Wenn ich auch manchen Ansichten von Zeitungschefredakteuren über das Netz überhaupt nicht zustimme – es ist zwischendurch gar nicht schlecht, sich mal wieder von der klassischen Medienwelt und ihrem viel skeptischeren und gemächlicheren Umgang mit digitalen Dingen erden zu lassen. Sozusagen als ein-nulliges Intermezzo vor der Web 2.0 Leitmesse next09 in der nächsten Woche.

pokenMeinen Poken habe ich zugunsten der gedruckten Visitenkarten übrigens lieber  zuhause gelassen. Der kleine Alien wird ja ab Dienstag in Hamburg noch genug Gelegenheit haben, zu glühen. Und meine – ganz traditionellen – Berichte vom „European Publishers Forum 2009“ (Teil 2: „Crossmediale Konzepte“) und vom „European Editor’s Forum 2009“ stehen jetzt online.

Freaking Huge URL: Die Antwort auf obsessives Linkverkürzen

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Dafür, dass Linkverkürzer wie TinyURL, is.gd, tr.im, arm.in und Co. zu eigentlich nichts weiter taugen, als eine lange URL twittergerecht einzudampfen, gibt es reichlich viele davon. Jetzt hat ein Programmierer die Inflation der URL-Shortener ironisch aufgegriffen und den Linkverlängerungsdienst Freaking Huge URL erfunden.

Internet-Adressen normaler Länge können wahlweise in drei Stufen aufgeblasen werden: ”Huge“, ”Freakin‘ Huge und ”Holy Crap“. Die Frage nach dem Sinn beantwortet Erfinder Jeremy Mitchell in den FAQs: ”I’m really not sure“.

via popkulturjunkie via lifehacker

Die Logik so manchen Geschäftsmodells – so es denn eines gibt – hinter den URL-Verkürzern zweifelt in einem ernstgemeinten Beitrag auch The Next Web an. Das Argument, ”Premium-Accounts“ mit statistischer Auswertung anzubieten, ziehe nicht, denn nur einen Click weiter gebe es immer eine kostenfreie Alternative:

One theory is that these Short URL services seem to know where everyone is going, at what moment, and that this data is worth a lot of money. It is a nice theory but there are a LOT of companies who know a LOT more about where everyone is going.

Google, anyone? Or what about Alexa? Or Facebook, with 200+ million members who all share links, knows a lot more about its members AND what they are doing and sharing than all the short URL services on the planet. No dice.

Über das Geschäftsmodell des deutschen Dienstes arm.in von Armin Hierstetter habe ich vor einigen Tagen schon geschrieben: Die Crux mit den Frames: arm.in wird ausgebaut.

Und hier ist eine Liste der Vor- und Nachteile diverser URL-Shortener.

Die Crux mit den Frames: arm.in wird ausgebaut

Am Dienstag machte es noch die Runde: Die Linkverkürzungsdienst arm.in des Münchner Webgründers Armin Hierstetter ging bei eBay für 3.599 Euro unter den Hammer.

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Doch nun ist der Deal mit ziemlicher Sicherheit geplatzt, denn der Käufer hat sich bisher noch nicht gemeldet, wie mir Hierstetter soeben bestätigte. Und darüber ist der ehemalige Journalist, der sein Geld inzwischen mit seinem virtuellen Marktplatz für Werbe- und Synchronsprecher bodalgo.com verdient, eigentlich sogar ganz froh. ”Ich habe arm.in zwar nur nebenbei in 40 Stunden programmiert, um so etwas mal auszuprobieren”, sagt der Gründer, ”doch vom Auktionspreis war ich schon etwas enttäuscht”.

Falls sich der Käufer nicht doch noch ganz schnell meldet, will Hierstetter seinen URL-Shortener jetzt ausbauen und vermarkten. Schon seit einigen Wochen ist bei arm.in eine Neuerung zu sehen. Wer auf einen Link klickt, der mit http://arm.in beginnt, landet nicht mehr wie früher auf der Original-Website mit der Original-URL, sondern auf einer Website, die in einem Rahmen (Frame) von arm.in dargestellt wird. Außerdem wird unterhalb der Browserbar eine Toolbar von arm.in angezeigt, in der man weitere Webadressen verkürzen kann, ohne auf die arm.in Homepage zu gehen. Der Frame und die Toolbar verschwinden erst dann, wenn man sie aktiv wegklickt.  Künftig soll der Dienst für Nutzer auch weiterhin kostenfrei bleiben, aber registrierte Nutzer werden sich vor jedem zu verkürzenden Link aussuchen können, ob oben in der Browserleiste die Original-URL oder die arm.in URL mit Frame und Toolbar zu sehen sein soll, wenn man auf den Link klickt. Die Toolbar soll an Werbekunden vermarktet werden.

Schon jetzt nutzt der Medienbranchendienst turi2 ausschließlich arm.in, das eine Trackinglösung anbietet. Damit kann man nachverfolgen, wie oft die verkürzten Links angeklickt wurden. turi2 vemarktet durchaus nicht unumstritten Werbung in seinem Twitterstream und kann auf diese Weise seinen Werbekunden nachweisen, wie oft auf die Links in den werblichen Tweets geklickt wurde.

Die Crux bei den Frames ist allerdings, dass Suchmaschinen nicht mehr die Originalsite auswerten, sondern den Frame. Wenn ich zum Beispiel bei Twitter mit einem arm.in Link auf diesen Blogbeitrag verlinke, und 100 Twitter-Nutzer klicken auf den Link, dann misst Google nicht für dieses Blog 100 Besucher mehr, sondern ordnet den ”Link Juice“ (Besucherverkehr) arm.in zu, , dann ist zumindest unklar, inwieweit der Inhalt innerhalb des Frames noch nach relevanten Keywords durchsucht wird, was nicht in meinem Interesse sein kann, weil eine attraktive Platzierung in den Google- Trefferlisten auch von den Keywords abhängt.

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In den USA hat die Social Bookmarking und Nachrichtenbewertungsplattform Digg, die ebenfalls Frames und eine Toolbar anbietet, wegen dieses Verfahrens großen Unmut provoziert, wie ReadWriteWeb schreibt. Die Affäre wurde sogar schon ”Digg-gate” getauft.

Armin Hierstetter ist sich nach eigenen Angaben erst vorhin auf meine Anfrage hin dieser Problematik bewusst geworden. Er will aber nicht grundsätzlich von der Frame-Lösung abrücken, sondern jedem Nutzer im Rahmen des neuen Premium-Modells Varianten zur Wahl stellen. Eine faire Lösung, wie ich finde, wenn er dann noch deutlich auf die Varianten und ihre verschiedenen Auswirkungen hinweist.

Das Erstaunliche am Phänomen Linkverkürzer: Dafür, dass die meisten kein Geschäftsmodell haben, gibt es erstaunlich viele davon. Die steigende Beliebtheit lässt sich eigentlich nur durch Twitter erklären, weil es bei 140 zur Verfügung stehenden Zeichen wirklich auf jedes eingesparte Zeichen ankommt. Hierstetter operiert also mit einem kleinen Dienst auf einem hart umkämpften Markt und ist zudem noch benachteiligt, weil auf beliebten Twitter-Clients aus den USA wie Tweetdeck oder Twhirl nur amerikanische URL-Shortener wie Tiny-URL, bit.ly, is.gd oder tr.im vorinstalliert sind, nicht aber das deutsche arm.in.

Eine gute Übersicht über die verschiedenen Linkverkürzer und ihre Eigenschaften wie “301 redirect” (führt zur Original-URL) findet man bei Searchengineland. Mein Lieblingsdienst ist übrigens tr.im: simpel, kurz, bietet Tracking und nutzt keine Frames.

Welche Linkverkürzer nutzen Sie? Was halten Sie von Frames und der Frame-Problematik?  Über Ihre Meinungen und Anregungen in den Kommentaren freue ich mich.

Twitter für Blogger – 10 Tipps für mehr Blogtraffic

Ich habe heute auf Peer Wandigers Blog „Selbständig im Netz“ einen Gastbeitrag veröffentlicht: „Twitter für Blogger – 10 Tipps für mehr Blogtraffic durch Microblogging“.

Ich hatte es schon einige Male gelesen, aber als ich auf diese WordPress-Statistik nur wenige Stunden nach Veröffentlichung meines Blogposts ”Das Klickvieh-Gehege – Was Verlage von der Blogosphäre lernen können“ geklickt habe, war ich überzeugt davon, dass zumindest manchmal Twitter schon der Verlinkung von Blogs untereinander den Rang abgelaufen hat:

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Gelungener Twitter-Selbstversuch bei jetzt.de

„Twitter-Selbstversuche“ – als solche ausdrücklich benannt und beschrieben – gab es im letzten halben Jahr eine ganze Reihe. Meistens bestanden diese ”Experimente“ aus nicht viel mehr, als dass jemand mal zwei, drei Tage lang anderen beim Twittern zugesehen hat und dann über seine Ratlosigkeit angesichts des Durcheinanders an Belanglosigkeiten schrieb.

Doch nun hat es Dirk von Gehlen, Redaktionsleiter von jetzt.de der Süddeutschen Zeitung,  geschafft, sich selbst und zugleich auch seinen twitternden und nicht-twitternden Lesern  den Microblogging-Dienst wirklich nahe zu bringen. Das liegt vor allem daran, dass von Gehlen sich Zeit lässt, Twitter selbst auszuprobieren, anstatt nur von außen zuzuschauen. An dieser Erkenntnis lässt er uns teilhaben:

Doch der tiefere Sinn des Verfolgens erschließt sich erst, wenn man selber followt. Dann erst wird aus der vielstimmigen Twitter-Masse ein tatsächlich melodisches Zwitschern, dessen Klang man selber bestimmen, weil auswählen kann […] Um das zu verstehen, muss man sich aber bei Twitter registrieren und anderen Nutzern folgen. Twitter funktioniert wie ein Telefon. Wer sich dem lediglich über die Startseite (also die Gesamtheit aller Gespräche) nähert, wird die unverständlichen Gesprächsfetzen zahlreicher Telefonate bemerken – und diese natürlich für belanglos halten.

Genau das ist das Grundprinzip von Twitter – und meines Erachtens auch der Grund dafür, warum sich so viele Journalisten so schwer damit tun, Twitter zu verstehen: Es widerstrebt Ihnen, die typische journalistische Beobachterperspektive aufzugeben und sich auf Protagonistenebene zu begeben. Ohne dieses Mitten-hinein-begeben geht es aber nicht. Über ein gescheiterten „Twitter-Selbstversuch“ habe ich vor einiger Zeit gebloggt: So wird das nichts mit Twitter, Sächsische Zeitung. Bezeichnenderweise hat sich seitdem auf dem Account von @valeriahei auch fast nichts mehr getan..

In diesem Zusammenhang ebenfalls lesenswert: Do’s and Don’ts für twitternde Redaktionen – Interview mit Nicole Simon

5 Gründe, warum Turis Twitter-Werbung ein Irrweg ist

Wenn sich der Medienbranchendienst turi2 mit seinen vorgestern gestarteten Werbe-Tweets für 250 Euro pro Update nur mal ins Gespräch bringen wollte, dann ist ihm das gelungen. Meedia kalkuliert, Don Dahlmann kritisiert, und massenpublikum zeigt Verständnis. Und dass Kritiker massenhaft auf ”unfollow“ geklickt hätten, ist bisher nicht festzustellen. Im Gegenteil: Unmittelbar vor dem ersten Werbetweet hatte @turi2  2371 Follower, heute mittag waren es 2438.

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Und für die allerersten Kunden der turi-Werbetweets dürfte die 250 Euro ebenfalls gut angelegtes Mediageld sein. Denn jeder Twitterer aus der Medien, Web- und Mediabranche dürfte wohl zumindest mal rübergeklickt haben, was Turi da treibt. Insofern liegt der TKP (der Preis um 1000 Werbekontakte zu erreichen) zumindest für die ersten zwei, drei Werbetweets sicherlich nicht, wie meedia schreibt, bei 2,27 Euro pro Buchstabe oder 10 Cent pro Follower, sondern wohl erheblich darunter. Der genaue Preis der Medienkontakte lässt sich ohnehin nicht bestimmen, da es keinen Weg gibt, festzuzustellen, wieviele Menschen einen bestimmten Tweet tatsächlich gesehen haben.

Gut oder nachhaltig finde ich diesen Versuch, mit Twitter Geld zu verdienen, dennoch nicht, allerdings aus anderen Gründen, als den bei meedia und Dahlmann sowie in vielen Kommentaren genannten Punkten.

  1. Mit Werbetweets untergräbt turi2 seine Glaubwürdigkeit. Es ist ein Unterschied, ob klar gekennzeichnete Anzeigen auf einer Webseite oder einem Blog zu sehen sind, oder mitten im Twitter-Stream eine distanzlose Bertelsmann-Lobmeldung erscheint, die sich optisch in nichts außer dem kleinen Wort ”Anzeige“ von redaktionellen turi2-Tweets unterscheidet.
  2. ”Irgendwie muss Twitter ja Geld verdienen“, heißt es in bemerkenswert vielen Blogkommentaren. Was für ein Trugschluss! Mit dieser Art von Werbung verdient nicht Twitter, sondern Turi. Es gibt gute Gründe dafür, dass Twitter seit Monaten über ein geeignetes Geschäftsmodell nachdenkt – und viele Twitter-User sich ebenfalls für Twitter die Köpfe darüber zerbrechen. Die plumpeste Art Geld zu verdienen – einfach Werbetweets verkaufen – hat Twitter dabei stets verworfen, weil das den Wert des Dienstes für die Gemeinschaft mindert. Dass Peter Turi – der ebenso wie alle anderen dank Twitter eines kostenfreien Kommunikationskanals bedienen darf –  diesen Kanal jetzt benutzt, um  Tweets zu verkaufen, ist nicht schlau, sondern höchstens bauernschlau.
  3. Wenn diese Art von Werbe-Tweets Schule macht, wird Twitter darauf aufmerksam werden und Gegenmaßnahmen ergreifen – beispielsweise durch Einrichtung eines Buttons, mit dem man die betreffenden Accounts wie Spam-Accounts ausschließen kann.
  4. Wenn diese Art von Werbe-Tweets Schule macht und Twitter nicht darauf reagiert, werden die Nutzer nicht nur per ”unfollow“, sondern auch per ”block“ Gegenmaßnahmen ergreifen – jedenfalls die für Werbekunden besonders attraktiven Vielnutzer und Multiplikatoren.
  5. Und am wichtigsten: Wofür bezahlen Unternehmen eigentlich ihren Social-Media-Beratern viel Geld für ausgefeilte Kommunikationskonzepte im Social Web (”Wir müssen die Nutzer engagieren“, ”Dialog auf Augenhöhe“, ”authentisch sein“, “bloß kein old-school Push-Marketing“), wenn ihnen dann doch nichts Besseres einfällt, als genau wie vor zehn Jahren langweilige und nichtssagende Werbebotschaften herauszublasen. Und wofür bezahlen sie dafür auch noch einen Vermittler, obwohl sie auch selbst einen kostenlosen Account einrichten könnten?

Immerhin: die heutige turi2-Werbung greift das Spiel bereits ironisch auf:

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Ich halte das für ein Zeichen, das Turi seine Twitterwerbung mehr als Gag denn als Geschäftsmodell gemeint hat.

Dürfen’s ein paar mehr oder weniger sein? Die deutsche Twitterszene spekuliert über ihre Größe

Seit Nicole Simons Tweet vor sechs Wochen vergeht kaum ein Tag, in der nicht aufs Neue über die Zahl der deutschsprachigen Twitter-User spekuliert wird. twittersimon

Die Angaben variieren heftig – von nur 10.000 bis über 100.000. Eines haben die Ratespiele gemeinsam: Es wird nur selten erklärt (geschweige denn überzeugend), wie derjenige, der die Zahl in die Welt gesetzt hat, darauf gekommen ist. Netzökonom Holger Schmidt beruft sich in seinem FAZ-Blog z.B. auf Sascha Lobo:

„In Deutschland gibt es zurzeit etwa 50.000 einigermaßen aktive Twitter-Nutzer. Bis Ende des Jahres rechne ich mit 150 000 bis 250.000 aktiven deutschsprachigen Nutzern.“

Außerdem kommt laut Lobo auf jeden vierten bis fünften aktiven Twitterer ein ”Schattenfollower“, der nur zuhört, aber selbst nie twittert. Ausgeführt sind die Zahlenrelationen und wie sie zustandekommen nicht weiter, aber das führt wohl im Blog einer Tageszeitung zu weit. Immerhin erfüllen dort Beiträge auch immer noch den Sinn, dem Allgemeinpublikum zu erklären, was Twitter überhaupt ist und soll.

Nicole Simon greift auf ihrem Blog Mit 140 Zeichen.de die Diskussion auch auf, will aber die Zahl ”86.593″ nur zum Spaß in die Runde geworfen haben, um zu sehen, wie sich alle darauf stürzen. Sie zitiert z.B. @talkabout (PR-Fachmann Mirko Lange), der zumindest mal brauchbar definiert hat, was denn ein ”aktiver“ Twitterer sei:

”Bei der Masse an Tweets ist “aktiv” wohl mindestens “täglich”. Sonst keine direkte Ansprache mögl.“

Vor ein paar Tagen dann brachte Jörg Friedrich auf seinem Blog eine sehr viel niedrigere Zahl ins Spiel: Es seien nur rund 10.000 deutschsprachige Twitterer. Die höheren Zahlen anderer erklärt er dadurch, dass die Alpha-Twitterer große Teile ihrer Netzwerke teilen, und deshalb viele Follower in anderen Berechnungen gleich mehrfach gezählt würden. Obwohl Friedrich eine streng mathematisch-statistische Berechnugsmethode angibt, überzeugt mich dieser Ansatz dennoch nicht, denn er zählt nur die großen Netzwerke. Twitterer mit nur wenigen Followern, die oft gerade nicht aus der Web- und Medienszene stammen und deshalb oft auch ganz andere Follower mitbringen, fallen dabei unter den Tisch. Gerade davon gibt es in jüngster Zeit aber immer mehr, weil durch die vielen Berichte in den Massenmedien Twitter gerade der Early Adopter Phase entwächst.

Heute schließlich brachte Thomas Pfeiffer bei den Web Evangelisten frische Zahlen ins Spiel, die im Mittelfeld der bisher genannten Werte liegen:

Es gibt zurzeit etwa 27.000 aktive deutschsprachige Twitternutzer, zählt man auch die passiven Nutzer hinzu, die nicht selber twittern, aber anderen Accounts folgen, sind es ca. 38.000.

Die Web Evangelisten haben für ihre Analyse in der letzten Februarwoche 2009 die Twittersuche abgefragt, alle deutschsprachigen Tweets  gesammelt und mit den Ergebnissen aus anderen Nutzeranalysen verglichen. Diese Methode klingt für mich am überzeugendsten, weil sie die Alpha-Twitterer der ersten Stunde mit Tausenden von Followern ebenso berücksichtigt wie den Long Tail der Neu-Twitterer. Ich werde mich auf diese Zahlen mit Verweis auf die Web Evangelisten  jedenfalls so lange berufen, bis mir jemand eine noch bessere Methode präsentieren kann.

Social Web TV – Fernsehen als virtuelles Community-Erlebnis

Zig Millionen Filmfans in aller Welt werden heute nacht die Verleihung der Oscars live im Fernsehen verfolgen. Das macht natürlich am meisten Spaß in der Gruppe, doch um gemeinsam fern zu sehen, muss man inzwischen nicht mehr auf dem gleichen Sofa im gleichen Raum sitzen. Ein neues Phänomen bildet sich heraus, das ich als ”Social Web TV“ bezeichne. ”Social Web TV“ ist eine Kombination aus klassischem Fernsehen und Social Community: Gleichgesinnte Gruppen finden sich im Web zusammen, um gemeinsam ein Live-Programm zu sehen – unabhängig davon, an welchem Ort sie gerade sind. Und die Gruppenmitglieder tauschen sich anderen darüber aus, was sie gerade sehen.

Social Web TV macht sich bislang als neues Phänomen vor allem bei weltumspannenden und massenbewegenden TV-Ereignissen bemerkbar:

  • Bei Obamas Amtseinführung richtete Facebook in Kooperation mit CNN.com Live-Chatrooms für Facebook-Nutzer ein. Bei Facebook konnten Nutzer einen CNN.com Player auf ihren Facebook-Profilen einbinden und gemeinsam mit ihren Freunden rund um den Globus das Ereignis kommentieren. Laut Mashable gingen durchschnittlich mehr als 4000 Kommentare pro Minute ein. CNN lieferte während der Feier 13.9 Millionen Live Video Streams aus und brach damit bei weitem seinen bisherigen Rekord vom Wahltag (5,3 Millionen Live Streams).facebook1
  • Current TV setzte 15 Redakteure ein, um die Live-Bilder der Präsidenten-Inauguration mit den interessantesten Tweets aus der Twitter-Community zu unterlegen. Ein interessantes Making Of Video dazu hat Scobleizer gedreht.current-twitter-obama1
  • Am 15. Februar kooperierte Facebook mit der NBA – Nutzer konnten einen Livestream des NBA All Star Basketball-Turniers kommentieren.

Und heute nacht zur Oscar-Verleihung wird Facebook gemeinsam mit der HD-Videoplattform Jaman kommentierbares Community-TV einrichten (dazu ebenfalls Mashable). jaman

Auch in Deutschland ermöglichen TV-Sender und Social Communities immer häufiger Social Web TV Erlebnisse – allen voran RTL, MyVideo, MySpace und StudiVZ. Sie alle haben erkannt, dass nichts die Attraktivität einer Webplattform und die Verweildauer auf der Plattform so sehr steigert, wie Bewegtbildcontent mit interaktiven Community-Funktionen. Der gestreamte Content ist allerdings nicht immer live. Beispiele:

  • Zur US-Präsidentenwahl richtete RTL  eine 3D-Community ein in Kooperation mit dem Betreiber smeet. Die Fans von ”DSDS“ haben bei RTL.de seit Januar ebenfalls eine 3D-Community – mit Liveübertragung der TV-Show und kürzen Abrufvideos. Mehr dazu in meinem Blogpost  hier.
  • MyVideo, die Community des ProSiebenSat.1-Konzerns, hat im Januar einen eigenen Musikkanal gestartet – ein kommentierbares Musik-Abuf-TV mit Videoclips, wie sie früher bei Viva und MTV zu sehen waren.
  • Die ”Pietshow“ bei StudiVZ brachte es im November und Dezember 2008 mit 15 Folgen auf 2,5 Millionen Seitenaufrufe.
  • Die ersten 20 Folgen der Websoap ”They Call us Candy Girls“ bei MySpace wurden bisher 1,9 Millionen abgerufen. Zehn weitere Folgen sollen nach Angaben des Produzenten MME im April starten. (s. DWDL)

Das wohl durchdachteste Konzept für asynchrones Social TV hat Joost – zumindest theoretisch. Auf der On-Demand-Web-TV-Plattform, die 2007 von den Skype-Gründern Niklas Zennström und Janus Friis gestartet wurde, kann man die persönlichen Streams seiner Freunde abonnieren, deren Favoriten anschauen und kommentieren. Die Plattform, deren baldiges Ableben schon mehrfach prophezeit wurde, hat seit der Umstellung von eigenem Client auf browserbasiert zwar mehr Zulauf. Leider krankt sie aber  immer noch daran, dass die meisten TV-Sender und TV-Produzenten ihren wirklich attraktiven Content lieber auf eigenen Web-Plattformen auswerten. Deshalb ist das Bewegtbild-Erlebnis Joost mehr ”social“ als ”TV“.

Und nicht zuletzt findet Live Social TV natürlich überall dort im Web statt, wo die Nutzer es auch ohne spezielle Plattformen selbst einrichten – zum Beispiel bei Twitter. Das zeigt sich an jedem Wochenende während der Bundesliga. Es gibt immer mehr ”Tatort“-Fans, für die das 20.15 Uhr-Sonntagsritual erst mit den vielen Tweets zum #tatort zum runden Fernsehabend wird. Auch heute nacht bei der Oscar-Verleihung wird weltweit ohne Ende getwittert werden. Für Nutzer, die keine Gelegenheit haben, die Übertragung im Fernsehen oder per Web-Stream zu sehen, twittert Spiegel Online das Wichtigste von den Academy Awards auf seinem neuen Newsticker-Feed Spiegel Live .