Archiv der Kategorie: Social Web

Von Stars und Helden auf der next09

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Jeff Jarvis (Star) im Gespräch mit Martin Oetting (Held) auf der next09 Foto: next09

Wer gilt als Star auf einem großen Kongress? Das ist meistens schon klar, sobald das Programm erscheint. Die großen Vordenker ihrer Zunft bekommen den größten Saal, die attraktivsten Zeiten, sie schmücken die Vorankündigungen und ihre Vorträge heißen ”Keynotes“. Doch die Stars der internationalen Webszene hielten beim Hamburger Webkongress next09  – zumindest in ihren Keynotes – nicht das, was ich mir von ihnen versprochen hatte.

Journalistik-Professor, Blogger und Buchautor Jeff Jarvis zog zwar eine mitreißende Show ab und zog das Publikum mit seiner Energie und seinem Wortwitz in seinen Bann. Seine Thesen finde ich ohnehin sehr logisch und überzeugend. Inhaltlich hatte ich allerdings mehr erwartet als ein hundertprozentige Wiedergabe von Auszügen aus seinem neuen Buch ”What would Google do?“ Die letzten Kapitel daraus hatte ich just in der Bahnfahrt nach Hamburg noch zu Ende gelesen und deshalb kannte ich auch die scheinbar spontanen Anekdoten schon. Die stammen nämlich auch aus dem Buch. Ein großes Highlight war Jarvis für mich dennoch. Erstens, weil er im Interview mit mir die Thesen aus seinem Buch vertieft hat. Und zweitens wegen der gelungenen Diskussion am zweiten Tag mit Umair Haque vom Havas Media Lab. Mehr zu Jarvis demnächst im mediummagazin (Print) und auf diesem Blog.

Umair Haque war allerdings mit seiner Keynote auch so ein Fall. Seine Thesen über die strukturelle Krise traditioneller Marktmodelle und den Mangel an Innovation und Kooperation mit Nutzern sind an sich so profund und radikal, dass daraus ebenfalls ein guter Vortrag hätte werden können. Wurde es aber nicht. Stattdessen klaffte eine gewaltige Schere zwischen Haques völlig überfrachteten webzwonulligen Mindmapping-Folien (Prezi), in denen er viel zu schnell herumklickte, und einer eher gleichförmig dahinplätschernden Rede.

Andrew Keen, der große Skeptiker des Social Web, weiß wiederum, wie man eine eindringliche Rede hält. Rein rhetorisch. Doch er ist ein düsterer Mahner. In innovativen  Formen von Kommunikation und Geschäftsmodellen im Web sieht er bis zum Beweis des Gegenteils erst einmal das Schlechteste. Bei Jarvis verlässt man den Saal und sieht neue Chancen, bei Keen wird man schon während seines Vortrags depressiv.

Kommen wir nun zu den Helden des Kongresses. Das waren für mich eindeutig Viral Marketing-Berater Martin Oetting von trnd, Sven Markschläger, Digital Marketing Chef bei Jägermeister und Moderator Sascha Lobo im völlig überfüllten Track3-Raum beim Panel „Viral online gegen viral offline“. Angestachelt von Lobo, möglichst knapp und dabei möglichst kontrovers, ungerecht und vereinfachend zu sein, zerlegte Oetting  in wenigen Minuten das typische Marketinggefasel dieser Zeit („Wir müssen jetzt mal was Virales machen“).

Oetting warnt Marketer davor, den Webuser nur als Klickvieh zu betrachten, der lustige YouTube-Clips anklicken und verbreiten soll. Das tun die Nutzer zwar mitunter wie gewünscht, erinnern sich aber oft nicht daran, für was in den Filmchen eigentlich geworben wurde. Oettings Tipp für Marketer: Nutzer im Social Web nicht beschallen, sondern ihnen zuhören. Denn im Netz finden Gespräche statt, so wie offline im Tante-Emma-Laden. ”Viral heißt, den Tante-Emma-Effekt skalieren“, sagt Oetting. Und: „Wer sich heutzutage in der knallharten Wettbewerbsituation traut, mit einem richtig schlechten Produkt in den Markt zu gehen und glaubt, Werbung könnte das Problem lösen, dem ist nicht zu helfen.“

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Markschläger ist der strategische Kopf hinter der ”Kein Jägermeister“-Kampagne, die bis vor einem Jahr als eine der besten viralen Kampagnen in Deutschland lief. Allein bei YouTube wurden die sieben Clips der Kampagne mehr als 300.000 Mal abgerufen. Der eigentliche Erfolg bemisst sich allerdings nicht in Klicks, sondern daran, dass Fans hinterher Jägermeister beschworen, das fiktive Produkt nun auch tatsächlich anzubieten. Doch da musste Jägermeister passen, erzählte der Marketingmann. Als Familienunternehmen mit einer Monomarke bringt man nicht mal eben ein Witz-Produkt in den Markt, von dem man nicht weiß, wieviele Viral-Fans das gewollt auf langweilig getrimmte Zeug dann auch tatsächlich kaufen. Wie das alles rüberkam, war kurzweilig und überzeugend und alles andere als eine Marketing-Insider-Diskussion.

Zum Schluss noch ein Dank an die Veranstalter: Es hat Spaß gemacht, war interessant, hochprofessionell organisiert und ganz überwiegend kreisten die Diskussionen nicht selbstreferentiell um die Social-Web-Blase. Ein kurzes Fazit habe ich auch im Thomas Knüwers kleiner Abschluss-Umfrage gezogen. Das Video ist eingebettetet in sein Fazit auf seinem Blog (dem ich vollkommen zustimme). Wenn das jetzt öfters geschieht mit den spontanen Videoumfragen, muss ich mal ein Kameratraining mitmachen 🙂

CEEkom – ein neues Portal mit Social Media Newsroom für Osteuropa-Themen

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Seit heute steht CEEkom, das neue schweizer Portal für Russland- und Osteuropa-Themen in einer Beta-Version online. Kernstück von CEEkom ist der erste schweizer Social Media Newsroom. Über CEEkom, die Merkmale und die Vorteile eines Social Media Newsrooms und die Chancen, die sich aus diesem Projekt für klassische Medien ergeben, habe ich mit dem Initiator und Betreiber Jürg Vollmer gesprochen. Er ist Journalist, Social Media- und Osteuropa-Experte und betreibt auch das Blog Krusenstern.

Was ist ein Social Media Newsroom?vollmer_juerg_podcaster_1

Jürg Vollmer: Als Erklärung benutze ich immer das Bild vom iPhone. Ein Social Media Newsroom ist im Prinzip nichts andres als ein iPhone im Internet, das Social Media Anwendungen wie YouTube, Flickr, Twitter etc. auf einer Seite übersichtlich zusammenfasst und  Verbindungen schafft.

Sie haben den ersten schweizer Social Media Newsroom als ein Referenzprojekt für ihr neues Osteuropa-Portal CEEkom entwickelt. Was bedeutet CEEcom?

Central and Eastern Europe Communications  und gleichzeitig auch Center of Eastern European Studies Communications.

Warum bietet sich gerade für dieses Projekt ein Social Media Newsroom an?

Aus zwei Gründen: Erstens, weil CEEkom ganz neu ist. Und zweitens, weil die deutschsprachigen Medien sehr wenig über Russland und Osteuropa berichten. Anstatt diesen Zustand nur zu beklagen, wollte ich etwas dagegen tun. Die einen haben das Geld, die anderen haben die Verbindungen nach Russland. Wir bringen beides zusammen.

Was sind die Social Media Merkmale von CEEkom?

Der Social Media Newsroom ist der kollaborative Teil des Portals CEEcom, mit eigenen Hintergrund-Dossiers, Pressemitteilungen und Medienreaktionen, die wir verlinken. Im Newsroom haben wir jetzt zum Start ein erstes kleines Dossier zum Thema Boris Pasternak ins Netz gestellt. Anlass ist ein neues Buch in Russland, das zu einem Skandal führte, weil es enthüllt, was 1958 alles passierte rund um Pasternak und den Literaturnobelpreis. Journalisten, Slavisten und interessierte Nutzer können an diesem Dossier mitschreiben.

Wie groß ist die Redaktion?

Die Redaktion besteht momentan nur aus mir. Später wird noch ein weiterer Kollege aus der französischsprachigen Schweiz dazukommen, damit wir auch für die Westschweiz und Frankreich ein Angebot haben.

Nennen Sie bitte ein konkretes Beispiel dafür, wie bei CEEkom kollaborativ journalistisch gearbeitet wird.

Wir werden zum Beispiel einen Journalisten engagieren, der – von uns voll bezahlt – nach Novosibirsk reist und dort für ein oder zwei Monate zum Thema Wirtschaft recherchiert. In der Redaktion wird dann aus den Recherchematerialien ein multimediales Dossier mit Texten, Fotos, Videos, Podcasts und Powerpoint-Präsentationen zusammengestellt. Das Ganze wird dann unter einer Creative Commons auf unsere Plattform gestellt. Die Medien, ob ein Lokalsender in Köln oder eine Zeitung in Lausanne, können sämtliche Materialien kostenlos übernehmen. Wir werden nicht unterscheiden zwischen kommerzieller und nicht-kommerzieller Nutzung.

Das wäre dann ein kostenfreies Agenturmodell. Was ist das Kollaborative daran?

Die Ergebnisse und auch schon die Recherchen sind multimedial mit Flickr, Twitter, Facebook, LinkedIn und so weiter vernetzt.

Wie sieht das konkret aus?

Nehmen wir das Beispiel Novosibirsk. Unser Korrespondent wird laufend über unseren Twitter-Account CEEkom berichten, dass er Interviews führt mit dem Gouverneur, dem Unternehmer einer großen Holzfabrik, mit dem regionalen Repräsenanten der transsibrischen Eisenbahn und so weiter.

Können sich Twitter-Follower oder Facebook-Friends einschalten und Anregungen geben?

Ja. Sie können Tipps geben für Interviewfragen, oder für Quellen, wo man vielleicht noch bessere Informationen bekommt. Das ist nämlich immer ein kleines Problem in Osteuropa. Wir werden auch Live-Chats mit wichtigen Gesprächspartner ermöglichen, in die sich jeder Interessent einschalten kann. Mitte Mai wird es voraussichtlich den ersten Livechat mit dem Gouverneur in Novosibirsk geben.

Wer finanziert das Projekt?

Die Träger des gemeinnützigen Vereins CEEkom sind neben privaten schweizerischen Mäzenen die Esperia-Stiftung in Zürich, das künftige Osteuropa-Center einer schweizerischen Universität sowie eine nationale Fachbehörde für universitäre Bildung und Forschung. Die Namen dieser Organisationen können wir aber erst Mitte Mai offiziell verkünden. Das sind alles schweizer Bürger und Organisiationen. Auf osteuropäische Organisationen haben wir bewusst verzichtet, um Einflussnahmen zu unterbinden und weil sonst jeder sofort sagt, dass wir von einer Regierung bezahlt würden oder die fünfte Kolonne Moskaus seien.

Wie hoch ist das Budget?

Wir haben jeweils 550.000 Schweizer Franken, also rund 360.000 Euro, für zunächst fünf Jahre zur Verfügung.

Wer ist die Zielgruppe der Plattform – nur Journalisten?

Nein, unsere Zielgruppen sind einerseits Journalisten von Mainstream-Medien – und zwar ausdrücklich nicht nur aus der Schweiz – aber zum Beispiel auch Blogger, die sich dem Thema Osteuropa widmen. Von denen gibt es aber leider nicht allzu viele. Aber  auch Journalistik- oder Slavistik-Stundenten, Historiker, und sämtliche Nutzer, die sich mit Osteuropa-Themen befassen und eine Diskussionmöglichkeit und eine Möglichkeit der Vernetzung suchen. Die Vernetzung ist ein ganz wichtiger Punkt.  In einem nächsten Schritt werden wir auch Osteuropa-Organisationen in Deutschland einbinden, schon jetzt stehen wir mit einigen in Verhandlung.

Funktioniert der Social Media Newsroom auch für andere Themengebiete?

Ja, das funktioniert in ganz verschiedenen Bereichen, in den USA gibt es schon seit zwei, drei Jahren Social Media Newsrooms. Entwickelt wurde das Modell von Todd Defren von der PR-Agentur Shift Communications . In den USA gibt es Social Media Newsrooms vom Amerikanischen Roten Kreuz , Ford oder General Motors Europe . In  Deutschland gibt es beispielsweise die Plattform Wasserbotschafter des Mineralwassers Volvic.

Was sind die US-Erfahrungen mit Social Media Newsrooms und was lässt sich übertragen?

Die Unternehmen und die Nutzer in den USA ticken anders als in Europa. Der Newsroom von GM Europe, zum Beispiel, der von den Amerikanern aufgebaut wurde, ist sehr farbig und enthält wahnsinnig viele Informationen. Ich glaube, dass das in Europa so nicht funktioniert. Das muss hier eher nüchtern und gezielt sein, mit intuitiv zu verstehenden Funktionen, nicht so überladen und ohne Flash-Animationen. So simpel halt wie ein iPhone.

Kann und soll auch Citizen Journalism eingebunden werden?

Das ist möglich. Wir haben die Plattform auf der Basis von WordPress MU aufgebaut, das ist die Netzwerkversion. Wir könnten theoretisch hunderte von kleinen Blogs integrieren. Das dürfte bei diesem Thema aber schwierig sein, weil Osteuropa-Themen ein Riesengebiet ist und wir als Redaktion ja auch die Übersicht behalten müssen.

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Ihrem Ansatz und den Social Media Bestrebungen klassischer Medien – zum Beispiel dem Ansatz der New York Times und des Guardian, über offene Schnittstellen an möglichst vielen Stellen im Internet eingebunden werden zu können?

Gemeinsam ist: Die Zeitungsprojekte und CEEkom nehmen die Nutzer ernst und binden sie ein. Die Nutzer können unser Dossier Novosibirsk mit ihrem Sachverstand verbessern. Wenn zum Beispiel ein Slavistik-Professor wie Ulrich Schmid an der Universität Sankt Gallen mit seinem Wissen daran mitschreibt, dann wird ein solches Dossier hundertprozentig besser, als wenn daran ausschließlich ein Journalist schreibt. Der Unterschied ist, dass für die klassischen Medien das Internet ein zusätzlicher Kanal ist, für uns aber der einzige.

Der aber als Konkurrenz aufgefasst werden könnte…

CEEkom wird ganz klar keine Konkurrenz zu bestehenden Medien sein, sondern ein Komplementärmedium, eine Ressource – auch für die Journalisten. Sie werden nicht ausschließlich auf die Berichte der Agentur-Korrespondenten angewiesen sein, sondern können zusätzliche Informationen und Gespräche direkt mit Fachleuten bekommen. In Nowosibirsk hat meines Wissen auch die dpa keinen Korrespondenten.

Wie sind bislang die Reaktionen der Medien?

Mainstream-Medien sind nicht auf mich zugekommen. Im Vorfeld habe ich aber Gespräche mit Auslandsredaktionen von schweizer Regionalzeitungen geführt. Die Reaktion war sinngemäß überall so: Am Anfang werden wir skeptisch sein, weil das ja plumpe PR aus Moskau sein könnte. Wenn wir aber Vertrauen in die unabhängige Berichterstattung gefasst haben, dann werden wir die Angebote gerne nutzen, weil wir uns damit profilieren können.

Weiterführende Links:

Jürg Vollmers Referat über Social Media Newsrooms beim Blogcamp Switzerland 4 (Krusenstern)

Bastian Scherbeck (Achtung! Kommunikation) im Interview mit Klaus Eck über Social Media Newsrooms (PR Blogger)

Olaf Kolbrück über die PR-Plattform der nächsten Generation: Social Media Newsroom (off-the-record)

Auch der Guardian stellt seinen Content für fremde Webseiten bereit (Medial&Digital)

Das Klickvieh-Gehege – Was Verlage von der Blogosphäre lernen können

”Wie Google News Redaktionen ausbeutet“ schreibt Christian Stöcker heute bei Spiegel Online – und outet sich damit als Netzweltredakteur mit uraltem Verlagsportaldenken. Stöcker beklagt im Kern zwei Dinge: Erstens: Google bezahlt einige Nachrichtenagenturen neuerdings dafür, ihre Meldungen ganz abzudrucken, anstatt nur darauf zu verlinken. Zweitens: Google aggregiert und verlinkt weiterhin die Schlagzeilen und die ersten Textzeilen von Zeitungsnachrichten, ohne dafür zu bezahlen, obwohl dahinter nur ein Computer-Algoritmus steckt und keine schöpferische Leistung erbracht wird:

Die Verlage gehen leer aus – obwohl Google News ohne die Arbeit von Zeitungs- und Online-Redaktionen unmöglich wäre.

Richtig. Aber warum gehen sie leer aus? Weil sie sich bis auf wenige Ausnahmen konsequent allen Mechanismen verweigern, die im Social Web zu gutem Karma und letztlich zum  Erfolg führen. Die Leser sollen gefälligst auf die geschlossenen Verlagsportale kommen und wenn sie dort sind, werden sie wie Klickvieh behandelt und eingepfercht, damit sie für die Anzeigenkunden genügend Page Impressions generieren.

Auch dieser Einwand von Stöcker zeugt von altem Denken:

[…] Die Gewichtung und Reihung der bei Google News angezeigten Nachrichten wird durch einen Algorithmus erledigt, der auf der Auswertung großer Nachrichtenseiten basiert. Was bei vielen ganz oben steht, was bei den Wichtigen oben steht, muss wohl wichtig sein, und landet deshalb auch bei Google News am Seitenanfang. Was, das nur nebenbei, auch dazu führt, dass das wirklich Exklusive, das wirklich Originelle bei Google News kaum eine Chance hat.

Seltsam: Erstens haben es Verlage selbst in der Hand, ihren exklusiven Content statt generischer Agenturmeldungen auf ihren Portalen ”oben“ zu platzieren. Außerdem ist es in der Blogosphäre genau umgekehrt. Gerade Blogs mit exklusivem Content werden von anderen Blogs am meisten verlinkt und deshalb auch bei Google, Technorati, Rivva und Co. prominent gelistet. Warum sollte das bei Verlagsbeiträgen anders sein, wenn  nur genügend Links auf die Seiten führen. Doch dazu müssten sie erst einmal selbst verlinken und geben, statt nur zu nehmen.

Wenn eine typische Zeitungs-Website ein Blog wär, dann sähe dieses Blog so aus:

  • Über dem Blog-Header und am rechten Rand befinden sich mehrere blinkende Flash-Anzeigen, die nerven und sogar miteinander um die Aufmerksamkeit des Lesers konkurrieren.
  • Bevor ein Nutzer einen Blogpost lesen kann, muss er erst einmal ein Pop-Up-Banner mit einer Anzeige oder dem Aufruf zu einer Meinungsumfrage wegklicken.
  • Kommentare sind erwünscht, aber nicht direkt unter den Blogposts. Dafür gibt es eigene Gehege, wo die kommentierenden Blogleser unter sich bleiben.
  • Es kann sein, dass der Blogger im Kommentar-Gehege mal persönlich vorbeischaut, aber sicher ist das nicht. Er gibt sich nicht zu erkennen und antwortet niemals, selbst dann nicht, wenn über 100 Kommentare und direkte Fragen eingegangen sind. Dass da zwischendurch mal jemand gewesen ist, merkt man höchstens nachträglich an administrativen Eingriffen: ”Dieser Kommentar wurde gelöscht.“
  • Kommentatoren dürfen zwar die Diskussion bereichern und zur Blog-Popularität beitragen, aber sie dürfen vom Traffic-Anstieg nicht ebenfalls profitieren. Deshalb können sie sich nur mit Namen oder Pseudoynm eintragen, aber nicht mit einem Link zu ihrer eigenen Website.
  • Ebenso wie in den Blogposts möglichst auf externe Links verzichtet wird, darf es auch in den Kommentaren keine Hinterausgänge aus dem Klickvieh-Gehege geben. Deshalb darf nicht auf externe Seiten verlinkt werden.
  • Es gibt keine Blogroll. Wo kämen wir denn hin, wenn wir auf unserer Blog-Startseite auf Konkurrenzangebote verlinken?

Ein solches Blog wäre kein Blog, sondern ein schwarzes Loch im Web. Und doch gestalten die meisten Zeitungen mit nur minimalen Innovationen in den letzten zehn Jahren ihre Webseiten immer noch nach genau diesen Prinzipien Dabei könnten gerade Verlags-Websites, wenn sie es wollten, mit ihrem riesigen redaktionellen Know-How und Input die Alpha-Blogger entthronen und die wahren Leitwölfe im Social Web sein. Statt hilflose Hüter der Klickviehherde.


Auch der Guardian stellt seinen Content für fremde Webseiten bereit

Das Modell der New York Times macht Schule: Jetzt hat auch der britische Guardian mit Ankündigung von heute seine Schnittstelle geöffnet und ermöglicht damit fremden Websites, Content und Dienste des Guardian per Applikation zu integrieren:

The Guardian launched what it is calling its ‚Open Platform‘ a set of content APIs and a collection of datasets.

Matt McAlister, head of the Guardian Developer Network, said that the ‚Open Platform‘ was a suite a data and services to allow people to build applications with Guardian content.

The APIs will feature ‚full fat‘ feeds with full articles and other content including video, audio and photo galleries, some one million pieces of content published on guardian.co.uk from 1999-2008.

Über das Open Interface Projekt der New York Times und darüber, warum eine solche Strategie für Verlage zukunftsweisender ist, als über den ”Content Klau“ von News Aggregatoren zu jammern, empfehle ich mein Posting von gestern.

Was Verlage von Google lernen können

Um das vermeintlich Parasitäre an News-Aggregatoren wie Google News, Webnews oder Huffington Post zu verdeutlichen, bemühen Verlage gerne eine Analogie aus der analogen Medienwelt: Demnach käme kein Mensch auf die Idee, Stapel von Zeitungen zu kaufen, die Artikel daraus zu fotokopieren, die Seiten zusammenzutackern, Werbeanzeigen darauf zu kleben, sich flächendeckend an belebte öffentliche Plätze zu stellen und die Kopien an Passanten zu verschenken. Nein, natürlich nicht. Das Geschäftsmodell wäre entweder illegal oder – bei Einhaltung der Urheberrechte – nicht zu finanzieren. Und deshalb stimmt die Analogie auch nicht.

Korrekt wäre vielmehr folgender Vergleich: Google News und Co. stellen sich an belebte Innenstadtplätze in aller Welt und verteilen Fragebögen. Darauf kann jeder Interessent ankreuzen, was ihn interessiert: Nur Sport- und Wirtschaftsnachrichten, nur Texte auf Deutsch oder nur Artikel, in denen bestimmte Begriffe vorkommen. Daraufhin besorgt sich der Newsaggegator in Sekundenschnelle Tausende von verfügbaren Zeitungen, klebt ebenso schnell zu den Suchbegriffen passende Werbung auf die Seiten, tackert die ganzen Unikate zusammen und schenkt sie den jeweiligen Interessenten. Doch wenn der Nutzer sein personalisiertes Exemplar aufschlägt, dann findet er keine ganzen Artikel, sondern jedesmal nach nach wenigen Zeilen den folgenden Hinweis: Wenn Sie diesen Beitrag in der vollständigen Fassung lesen wollen, dann kaufen Sie die Zeitung XY. Was natürlich  kaum jemand täte.

Im Internet ist Google dieser Kiosk. Er führt Tausende von Zeitungen und Magazine im Sortiment und beschert diesen Titeln zusätzlichen Traffic. Doch dafür bezieht er Prügel, weil er für diesen Dienst Werbeeinahmen kassiert, die nach Meinung der Verlage ihnen alleine zustehen. Was aber wäre, wenn die Verlage, anstatt zu jammern, mit Google gleichziehen und  sich ebenfalls krakenartig im Netz ausbreiten würden? Wenn sie also nicht mehr darauf warten, dass die Nutzer zu ihnen auf die eingehegten Online-Plattformen kommen, sondern ihren Content überall dort anbieten, wo die Nutzer schon sind? Zum Beispiel bei Facebook, MySpace oder auf Blogs?

Die New York Times geht diesen Weg seit einigen Monaten sukzessive und sehr konsequent mit ihrer neuen offenen Schnittstelle (API). Bisher stellt die Zeitung über offene APIs unter anderem zur Integration in fremde Webseiten bereit:

  • 2,8 Millionen Beiträge aus der New York Times seit 1981 (zu einem späteren Zeitpunkt auch Blogbeiträge)
  • Datenbankinfos aus ihren Bestsellerlisten
  • Datenbank-Infos über US-Politiker
  • Kinofilm-Kritiken als mobile Applikation für das G1
  • ein Mashup aus ihren Campaign Finance Infos zum Präsidentschaftswahlkampf und Google Charts
  • die NYT Suchmaschine

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Ein schönes Beispiel dafür, welche Kreativität Nutzer mit diesen Schnittstellen entfalten, gibt es hier – die Visualierung von Ergebnissen aus der NYT Suchmaschine:

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Diese für die Nutzer kostenfreien Dienste sind nicht nur Imagewerbung für die Zeitung, sondern sollen natürlich Traffic-Ströme zurück zur Zeitung lotsen. Der Verlag hat die Option, die Dienste durch Werbeintegration oder durch gebührenpflichtige Premium-Angebote zu refinanzieren. Doch das Wichtigste ist erst einmal: Die New York durchzieht nach und nach das (US-) Internet mit ihren Inhalten und Diensten und macht sich dadurch allgegenwärtig.

Offene APIs sind umgekehrt wiederum ein Anreiz für guten Online-Journalismus und kreative Website-Entwicklung. Denn originelle und netzwertige Applikationen haben natürlich viel bessere Chancen tausendfach auf Websites, in Blogs und Social Network-Profilen integriert zu werden als reine Me-Too-Widgets.

Ironischerweise allerdings lässt Autor David Carr ausgerechnet in der New York Times die alte Verlagssehnsucht nach den walled gardens wieder aufleben:

No more free ride to aggregators. Google announced that it would begin selling ads against Google News, with almost no financial accommodation to the organizations that generate that news. […] Google, The Huffington Post and Newser have built their audiences and brands on other people’s labors. Most aggregators are not promoting newspaper content; they are repurposing it to their own ends. Newspapers’ audiences are harvested and sold divorced from the content that attracted them in the first place.

Über die neue Strategie der New York hier  auch ”Netzökonom“ Holger Schmidt.

Nachtrag vom 10. März: Jetzt hat auch der Guardian seine Schnittstelle geöffnet.

Und was ist Ihre Meinung? Was können Verlage von Google lernen? Sind offene Schnittstellen der richtige Weg?

Maybrit Illners Zuschauerfragen per YouTube – ein Rohrkrepierer?

TV-Moderatorin Maybrit Illner findet es ”großartig, dass jetzt auch Zuschauer von zu Hause bei uns mitdiskutieren können“. Das  ließ das ZDF am 13. Februar in einer Pressemitteilung zum Start des neuen Maybrit-Illner-Kanals bei YouTube verlauten. Seitdem können Zuschauer eigene Videoclips mit Fragen an die Studiogäste hochladen. Doch ihr Publikum hat offensichtlich nur wenig Lust, Fragen-Filmchen zu drehen.

Nach einer redaktionellen Auswahl sollen einige Filme als Einspieler in der Live-Sendung zu sehen sein und die Fragen von den Studiogästen beantwortet werden. Das sind bei der Interaktiv-Premiere am 26. Februar u.a. SPD-Chef Franz Müntefering und Sven Giegold, Attac-Mitbegründer und Europakandidat der Grünen. Außerdem soll die Sendung erstmals parallel zur TV-Ausstrahlung auch bei YouTube live gestreamt werden. ”Natürlich werden wir nicht alle Clips in die Sendung nehmen können, aber wir sind froh, wenn drängende Fragen ein Gesicht bekommen oder wenn Fragen auftauchen, auf die wir selbst nicht gekommen sind“, sagte Illner in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Doch so wie es bislang auf dem Illner-YouTube-Kanal aussieht, wird die Moderatorin froh sein müssen, wenn sie überhaupt drei oder vier Clips in ihrer Sendung zeigen kann. Zwar wurde der Kanal bisher rund 48.000 Mal aufgerufen, doch in der ” Video Gallery“ stehen bisher nur 27 nutzergenerierte Fragen-Filme. (Die ZDF-Pressestelle hat auf meine Frage von heute morgen, ob einige der ”etlichen Fragen zur Sendung per Video“ eventuell in einem nicht-öffentlichen Bereich gespeichert sind, bisher noch nicht geantwortet. – Update s. Textende)

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Sehen wir uns die 27 Clips einmal näher an: Davon wurden drei von den Nutzern wieder gelöscht. Von den übrigen 24 fallen zwei oder drei in die Kategorie, die man im Fernsehen besser nicht senden sollte, um die Würde der Betroffenen zu wahren, wenn sie es schon selbst nicht tun. Circa ein Drittel ist akustisch nicht zu verstehen, weil die Einsender die grandiose Idee hatten, sich selbst im fahrenden Auto oder an einer lauten Landstraße zu filmen. Einige sind erwartbar lahm und verquast. Und zwei sind richtig gut. Kostprobe: ”Herr Müntefering, werden Sie es nach der Wahl wieder unfair finden, an Ihren Aussagen vor der Wahl gemessen zu werden?“ Die Clips im Illner-Kanal können weder kommentiert, noch weitergeleitet, noch eingebunden werden, deshalb die Links zu meinen Favoriten hier und hier bei YouTube.

„Mit den Videobotschaften aus dem Internet nutzen wir eine neue, zeitgemäße Form der Kommunikation“, lässt Illner verlauten. Doch Illner ist nicht Obama und ihre Zuschauer gehören größtenteils nicht zur YouTube-Generation. Vielleicht wäre es daher zeitgemäßer, die proklamierte Nutzerbeteiligung einfach per Telefon, Email, Fax und Internetforum herzustellen. Auf diese Weise holt jedenfalls Zuschauerredakteurin Brigitte Büscher in Plasbergs Talk ”Hart, aber fair“ weit weniger webzwozweinullig, dafür aber effektiv jedes Mal ein vielseitiges Stimmungsbild von draußen live in die Sendung.

Update: Das ZDF hat auf meine Frage geantwortet, wieviele Zuschauer-Fragen-Videos es insgesamt gibt: ”ca. 30 und es werden täglich mehr“. Also kein verborgener Speicher, aus dem sich morgen abend für die Sendung weitere Clips hervorzaubern lassen…

Obamas Kongressrede: CNN kooperiert wieder mit Facebook

Obama scheint zum Zugpferd für eine Kooperation zwischen CNN.com und Facebook zu werden – und liefert damit einen Beleg für meine These, dass Social Web TV bei massenattraktiven Events das nächste große Ding im Internet ist. In der Nacht vom 24. zum 25. Februar ab 3 Uhr können Internet-User weltweit Obamas erste offizielle Rede vor dem US-Kongress (State of the Union Address) auf CNN.com live mitverfolgen und zur gleichen Zeit via Facebook mit ihren Freunden diskutieren.

state-of-the-unionCNN setzt damit seine erfolgreiche Kooperation mit Facebook zum Amtsantritt des Präsidenten fort, welches als größtes Live-Video-Event seit Beginn des Internets gilt. Laut Techcrunch gingen am Tag der Inauguration am  20. Januar 2009 bei Facebook 1,5 Millionen  Status-Updates über den CNN-Feed ein. Im Durchschnitt beteiligten sich 4000 Nutzer pro Minute am Live-Chat in ihren Facebook-Freundesgruppen, während Obamas Rede waren es sogar 8500 Nutzer pro Minute.

Facebook hat außerdem während der Oscar-Nacht für ein Video/Livechat-Mashup mit der HD-Webvideo-Plattform Jaman kooperiert.

Social Web TV – Fernsehen als virtuelles Community-Erlebnis

Zig Millionen Filmfans in aller Welt werden heute nacht die Verleihung der Oscars live im Fernsehen verfolgen. Das macht natürlich am meisten Spaß in der Gruppe, doch um gemeinsam fern zu sehen, muss man inzwischen nicht mehr auf dem gleichen Sofa im gleichen Raum sitzen. Ein neues Phänomen bildet sich heraus, das ich als ”Social Web TV“ bezeichne. ”Social Web TV“ ist eine Kombination aus klassischem Fernsehen und Social Community: Gleichgesinnte Gruppen finden sich im Web zusammen, um gemeinsam ein Live-Programm zu sehen – unabhängig davon, an welchem Ort sie gerade sind. Und die Gruppenmitglieder tauschen sich anderen darüber aus, was sie gerade sehen.

Social Web TV macht sich bislang als neues Phänomen vor allem bei weltumspannenden und massenbewegenden TV-Ereignissen bemerkbar:

  • Bei Obamas Amtseinführung richtete Facebook in Kooperation mit CNN.com Live-Chatrooms für Facebook-Nutzer ein. Bei Facebook konnten Nutzer einen CNN.com Player auf ihren Facebook-Profilen einbinden und gemeinsam mit ihren Freunden rund um den Globus das Ereignis kommentieren. Laut Mashable gingen durchschnittlich mehr als 4000 Kommentare pro Minute ein. CNN lieferte während der Feier 13.9 Millionen Live Video Streams aus und brach damit bei weitem seinen bisherigen Rekord vom Wahltag (5,3 Millionen Live Streams).facebook1
  • Current TV setzte 15 Redakteure ein, um die Live-Bilder der Präsidenten-Inauguration mit den interessantesten Tweets aus der Twitter-Community zu unterlegen. Ein interessantes Making Of Video dazu hat Scobleizer gedreht.current-twitter-obama1
  • Am 15. Februar kooperierte Facebook mit der NBA – Nutzer konnten einen Livestream des NBA All Star Basketball-Turniers kommentieren.

Und heute nacht zur Oscar-Verleihung wird Facebook gemeinsam mit der HD-Videoplattform Jaman kommentierbares Community-TV einrichten (dazu ebenfalls Mashable). jaman

Auch in Deutschland ermöglichen TV-Sender und Social Communities immer häufiger Social Web TV Erlebnisse – allen voran RTL, MyVideo, MySpace und StudiVZ. Sie alle haben erkannt, dass nichts die Attraktivität einer Webplattform und die Verweildauer auf der Plattform so sehr steigert, wie Bewegtbildcontent mit interaktiven Community-Funktionen. Der gestreamte Content ist allerdings nicht immer live. Beispiele:

  • Zur US-Präsidentenwahl richtete RTL  eine 3D-Community ein in Kooperation mit dem Betreiber smeet. Die Fans von ”DSDS“ haben bei RTL.de seit Januar ebenfalls eine 3D-Community – mit Liveübertragung der TV-Show und kürzen Abrufvideos. Mehr dazu in meinem Blogpost  hier.
  • MyVideo, die Community des ProSiebenSat.1-Konzerns, hat im Januar einen eigenen Musikkanal gestartet – ein kommentierbares Musik-Abuf-TV mit Videoclips, wie sie früher bei Viva und MTV zu sehen waren.
  • Die ”Pietshow“ bei StudiVZ brachte es im November und Dezember 2008 mit 15 Folgen auf 2,5 Millionen Seitenaufrufe.
  • Die ersten 20 Folgen der Websoap ”They Call us Candy Girls“ bei MySpace wurden bisher 1,9 Millionen abgerufen. Zehn weitere Folgen sollen nach Angaben des Produzenten MME im April starten. (s. DWDL)

Das wohl durchdachteste Konzept für asynchrones Social TV hat Joost – zumindest theoretisch. Auf der On-Demand-Web-TV-Plattform, die 2007 von den Skype-Gründern Niklas Zennström und Janus Friis gestartet wurde, kann man die persönlichen Streams seiner Freunde abonnieren, deren Favoriten anschauen und kommentieren. Die Plattform, deren baldiges Ableben schon mehrfach prophezeit wurde, hat seit der Umstellung von eigenem Client auf browserbasiert zwar mehr Zulauf. Leider krankt sie aber  immer noch daran, dass die meisten TV-Sender und TV-Produzenten ihren wirklich attraktiven Content lieber auf eigenen Web-Plattformen auswerten. Deshalb ist das Bewegtbild-Erlebnis Joost mehr ”social“ als ”TV“.

Und nicht zuletzt findet Live Social TV natürlich überall dort im Web statt, wo die Nutzer es auch ohne spezielle Plattformen selbst einrichten – zum Beispiel bei Twitter. Das zeigt sich an jedem Wochenende während der Bundesliga. Es gibt immer mehr ”Tatort“-Fans, für die das 20.15 Uhr-Sonntagsritual erst mit den vielen Tweets zum #tatort zum runden Fernsehabend wird. Auch heute nacht bei der Oscar-Verleihung wird weltweit ohne Ende getwittert werden. Für Nutzer, die keine Gelegenheit haben, die Übertragung im Fernsehen oder per Web-Stream zu sehen, twittert Spiegel Online das Wichtigste von den Academy Awards auf seinem neuen Newsticker-Feed Spiegel Live .

cellity meldet eine Million synchronisierte Kontakte

Seit Freigabe des neuen Adressbuch 2.0 von cellity haben die Nutzer schon eine Million Kontakte synchronisiert, meldet der Hamburger Mobilsoftware-Dienstleister cellity. Die Software soll außerdem ab nächster Woche im beta2go-Programm von E-Plus verfügbar sein. Die Originalmeldung von cellity gibt es hier. Für  das Frühjahr hat cellity außerdem einen Adressbuch 2.0 Client für das iPhone angekündigt.

TV-Sender entdecken jetzt auch Twitter

Dies ist die Geburtsstunde eines neuen Twitter-Auftritts:

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Niedlich, oder ? Und hier ist noch einer:

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Oder der hier, da gab es sogar schon Grüße von den Kollegen an die Neu-Twitterer:

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Mehrere deutsche TV-Sender stehen offenbar kurz davor, mit ihren Twitter-Auftritten starten. Auf den Screenshots zu sehen sind sozusagen die ersten zaghaften Gehversuche. Natürlich könnte auch irgendwer per Twitter-Squatting die Accounts auf die Namen deutscher TV-Sender angemeldet haben. Das ist aber nicht wahrscheinlich, denn diese Twitter-Babies verfolgen sich gegenseitig und außerdem auch ihren größeren Sender-Geschwistern, die schon etwas länger twittern.

Im Fall des KiKa kann man außerdem sehr schön sehen, wie wichtig es ist, dass (Medien-)Marken rechtzeitig ihre Twitteraccounts anmelden: hinter @kika steckt eine gewisse Cristina Moura, die zwar ein rassiges Profilbild, aber weder Followers noch Friends und ihren einzigen Update auch noch gesichert hat. @kika1 bis @kika6 sind allesamt weitere Avatar-lose Account-Squatter. Erst auf @kika7 konnte sich der öffentlich-rechtliche Kinderkanal platzieren….

Sender und Sendungen, die schon etwas länger twittern (d.h. seit mindestens zwei Wochen) sind z.B. folgende:

@BR_Sport 33 followers / 3 friends  / 214 updates /  RSS-Feed

@Tagesschau 1161 / 1 / 7782 , RSS-Feed

@Blog_tagesschau 271 / 1 / 287 , RSS-Feed

@ARTEtv_de 188 / 194 / 7650 , 2 RSS-Feeds

@ Zdfsport 57/ 53 / 36, redaktionelle Tweets, aber (noch?) kein Dialog

@Zdf_wiso 57 / 36 / 60,  dialogisch und witzig

@wahlimweb (ZDF.de)  494/   36 / 71,  Dialog

@ESL_ 83 / 219 / 3 redaktionelle Tweets vom Web-TV-Sender der Electronic Sports Leagu, aber bisher noch kein Dialog

@ProSiebenTV 126 / 4 / 9,  erste Dialogansätze

@N24_de 367 / 437 / 744,  ernsthaft fortgeschrittener Dialog, bemerkenswerte Bio: „Wir kommen zur Sache“ ist der Anspruch des Senders. Mal schauen, wie gut das in 140 Zeichen geht.

@Tvtotal 319 / 0 / 71 redaktionell, aber kein Dialog , keine Bio!, erwähnenswert: nur ein Background von der Stange

Twitternde TV-Journalisten sind beispielsweise:

@cnothelle (Claudia Nothelle, TV-Chefredakteurin des rbb)  14 / 15 / 10 Dialog, aber noch ohne Avatar

und @Claus_Kleber 590 followers /413 friends/ 66 updates

Der ZDF-Mann ist ein souverän-lakonischer Twitterer, der aber seit 29. Dezember entweder die Lust verloren oder keine Zeit mehr hat. Dafür ist seine Bio besonders nett: ”In Amerika kenn ich mich aus und mit Gundula Gause ein bißchen.“ Und die Profilseite mit der rosa Blümchentapete ist auch hübsch:

twitter-klaus-kelber

Dies ist natürlich nur eine rudimentäre Aufstellung, auf der wahrscheinlich jede Menge bereits twitternde TV-Sender und TV-Journalisten fehlen. Ich würde mich freuen, wenn über die Kommentarfunktion jede Menge Ergänzungen kommen. Die Liste soll nach erstem unorthodoxem Brainstorming auf Leander Wattigs Liste kollaborativ und systematisch fortgeführt werden.

Update vom 5. 2.:

Das Twitter-Account von Claus Kleber ist bislang nicht echt – aber immerhin ein vom ZDF eingerichtetes  oder übernommenes Fake-Account.  Seit heute heißt es in der Bio: ”Dieser Account wartet auf den ‚echten‘ Claus Kleber. Zugangsdaten liegen dem ZDF vor.“ Der echte Claus Kleber will also bald twittern – hoffentlich  genauso nett wie der falsche.

twitter-kleber-neu