Archiv der Kategorie: social community

Social Web TV – Fernsehen als virtuelles Community-Erlebnis

Zig Millionen Filmfans in aller Welt werden heute nacht die Verleihung der Oscars live im Fernsehen verfolgen. Das macht natürlich am meisten Spaß in der Gruppe, doch um gemeinsam fern zu sehen, muss man inzwischen nicht mehr auf dem gleichen Sofa im gleichen Raum sitzen. Ein neues Phänomen bildet sich heraus, das ich als ”Social Web TV“ bezeichne. ”Social Web TV“ ist eine Kombination aus klassischem Fernsehen und Social Community: Gleichgesinnte Gruppen finden sich im Web zusammen, um gemeinsam ein Live-Programm zu sehen – unabhängig davon, an welchem Ort sie gerade sind. Und die Gruppenmitglieder tauschen sich anderen darüber aus, was sie gerade sehen.

Social Web TV macht sich bislang als neues Phänomen vor allem bei weltumspannenden und massenbewegenden TV-Ereignissen bemerkbar:

  • Bei Obamas Amtseinführung richtete Facebook in Kooperation mit CNN.com Live-Chatrooms für Facebook-Nutzer ein. Bei Facebook konnten Nutzer einen CNN.com Player auf ihren Facebook-Profilen einbinden und gemeinsam mit ihren Freunden rund um den Globus das Ereignis kommentieren. Laut Mashable gingen durchschnittlich mehr als 4000 Kommentare pro Minute ein. CNN lieferte während der Feier 13.9 Millionen Live Video Streams aus und brach damit bei weitem seinen bisherigen Rekord vom Wahltag (5,3 Millionen Live Streams).facebook1
  • Current TV setzte 15 Redakteure ein, um die Live-Bilder der Präsidenten-Inauguration mit den interessantesten Tweets aus der Twitter-Community zu unterlegen. Ein interessantes Making Of Video dazu hat Scobleizer gedreht.current-twitter-obama1
  • Am 15. Februar kooperierte Facebook mit der NBA – Nutzer konnten einen Livestream des NBA All Star Basketball-Turniers kommentieren.

Und heute nacht zur Oscar-Verleihung wird Facebook gemeinsam mit der HD-Videoplattform Jaman kommentierbares Community-TV einrichten (dazu ebenfalls Mashable). jaman

Auch in Deutschland ermöglichen TV-Sender und Social Communities immer häufiger Social Web TV Erlebnisse – allen voran RTL, MyVideo, MySpace und StudiVZ. Sie alle haben erkannt, dass nichts die Attraktivität einer Webplattform und die Verweildauer auf der Plattform so sehr steigert, wie Bewegtbildcontent mit interaktiven Community-Funktionen. Der gestreamte Content ist allerdings nicht immer live. Beispiele:

  • Zur US-Präsidentenwahl richtete RTL  eine 3D-Community ein in Kooperation mit dem Betreiber smeet. Die Fans von ”DSDS“ haben bei RTL.de seit Januar ebenfalls eine 3D-Community – mit Liveübertragung der TV-Show und kürzen Abrufvideos. Mehr dazu in meinem Blogpost  hier.
  • MyVideo, die Community des ProSiebenSat.1-Konzerns, hat im Januar einen eigenen Musikkanal gestartet – ein kommentierbares Musik-Abuf-TV mit Videoclips, wie sie früher bei Viva und MTV zu sehen waren.
  • Die ”Pietshow“ bei StudiVZ brachte es im November und Dezember 2008 mit 15 Folgen auf 2,5 Millionen Seitenaufrufe.
  • Die ersten 20 Folgen der Websoap ”They Call us Candy Girls“ bei MySpace wurden bisher 1,9 Millionen abgerufen. Zehn weitere Folgen sollen nach Angaben des Produzenten MME im April starten. (s. DWDL)

Das wohl durchdachteste Konzept für asynchrones Social TV hat Joost – zumindest theoretisch. Auf der On-Demand-Web-TV-Plattform, die 2007 von den Skype-Gründern Niklas Zennström und Janus Friis gestartet wurde, kann man die persönlichen Streams seiner Freunde abonnieren, deren Favoriten anschauen und kommentieren. Die Plattform, deren baldiges Ableben schon mehrfach prophezeit wurde, hat seit der Umstellung von eigenem Client auf browserbasiert zwar mehr Zulauf. Leider krankt sie aber  immer noch daran, dass die meisten TV-Sender und TV-Produzenten ihren wirklich attraktiven Content lieber auf eigenen Web-Plattformen auswerten. Deshalb ist das Bewegtbild-Erlebnis Joost mehr ”social“ als ”TV“.

Und nicht zuletzt findet Live Social TV natürlich überall dort im Web statt, wo die Nutzer es auch ohne spezielle Plattformen selbst einrichten – zum Beispiel bei Twitter. Das zeigt sich an jedem Wochenende während der Bundesliga. Es gibt immer mehr ”Tatort“-Fans, für die das 20.15 Uhr-Sonntagsritual erst mit den vielen Tweets zum #tatort zum runden Fernsehabend wird. Auch heute nacht bei der Oscar-Verleihung wird weltweit ohne Ende getwittert werden. Für Nutzer, die keine Gelegenheit haben, die Übertragung im Fernsehen oder per Web-Stream zu sehen, twittert Spiegel Online das Wichtigste von den Academy Awards auf seinem neuen Newsticker-Feed Spiegel Live .

Twitterkonzepte der Verlage – Erfolge mit und ohne Dialog

Leander Wattig hat auf seinem Blog heute eine interessante Liste veröffentlicht – mal kein Ranking nach Anzahl der Follower, sondern der Replies. Auf dieser Liste taucht der erfolgreichste Spiegel Online-Feed (Spiegel_Eil) mit rund 3000 Followern erst an zehnter Stelle auf.

Obwohl SPON quasi aus dem Stand ( Start war erst am 18. Dezember) schon allein mit diesem einen Feed (es gibt noch 17 weitere) die meisten Follower aller deutschen Zeitungen und Zeitschriften eingesammelt hat, kommt ein Dialog hier nicht in Gang. Wie sollte er auch – SPON antwortet ja nicht. Schaut man sich die bisher 133 @replies an Spiegel_Eil etwas näher, so fallen vor allem drei Kategorien auf:

  • Retweets (die einzige Form von ausgedrückter Wertschätzung)
  • Fragen, warum Spiegel_Eil ”alles doppelt twittert“
  • Fragen, warum Spiegel_Eil ”langsamer ist als andere“

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Eine große Zufriedenheit spricht nicht gerade aus diesen Reaktionen. Aber es sind ja auch nur wenige Reaktionen. Die schweigende Masse ist offenbar völlig zufrieden damit, von SPON wie von einer Onlineagentur mit Meldungen beliefert zu werden. Und da SPON bei den Printtiteln Reichweitensieger im Internet ist (über 500 Mio Page Impressions und knapp 90 Mio Visits im Dez. 2008 laut IVW sowie 5,26 Mio Unique User im 3. Quartal 2008 laut AGOF ) war  es nicht unlogisch, dass SPON auch ohne Dialog im Follower-Ranking ganz schnell ganz oben stehen würde.

Interessanterweise kann Focus Online, das ebenso wie SPON Nachrichten in verschiedenen Feeds bei Twitter einlaufen  lässt – das allerdings als Pionier schon seit Mai 2007 –  bei den Follower-Zahlen kaum noch zulegen. Die liegen nämlich schon seit geraumer Zeit bei rund 250 (Hauptfeed), bzw. rund 800 (alle zehn Feeds). Das Nutzerpotenzial für diese Art von Twitterkonzept scheint also begrenzt, obwohl die Twitter-Nutzerzahlen ständig steigen. (Momentan gibt es rund 85.000 deutsche Nutzer laut Twitterexpertin Nicole Simon). Auch bei SPON dürfte also demnach die Kurve der Follower-Zuwächse bald abflachen.

Interessant ist auch, wie es Der Westen schafft, mit rund 1700 Followern auf ein hohes Feedback von über 1500 Replies zu kommen. Grob vereinfacht hat fast jeder Follower schon mal dem Westen per Twitter direkt geantwortet. Die für den Dialog nötige Twitterpräsenz (18 Stunden pro Tag ab 6 Uhr in der Frühe) sowie das nötige Auswerten und Trennen von sinnvollem und unsinnigem Nutzer-Feedback fordern allerdings auch ihren Tribut. ”Wir twittern in Schichten, einer alleine kann das gar nicht bewältigen“, schilderte Katrin Scheib, Chefin vom Dienst bei Der Westen, vorgestern auf dem Hamburger Microblogging-Kongress MBC09. ”Der Westen“ fördert Twitter-Feedback gezielt mit Umfragen und stellt auch Recherchefragen in die Runde.

HAZde (Hannoversche Allgemeine Zeitung) steht mit 649 Replies/588 Follower ebenfalls sehr gut da. Um neue Follower zu gewinnen, griff Twitterer Marcus Schwarze, HAZ Ressortleiter Online, in einer Adventsaktion sogar in die eigene Tasche und spendete für jeden neuen Follower einen Euro an die HAZ Weihnachtshilfe. HAZde-Tweets profitieren ebenso wie Tweets des Westen von einer relativ hohen Retweet-Rate, was die Streams bekannter macht. Über das erfolgreiche Twitter-Konzept von Welt Kompakt ist schon einiges geschrieben worden, zum Beispiel hier, so dass ich die Berliner Kollegen heute mal beiseite lasse (ist keinesfalls abwertend gemeint!)

Bemerkenswert ist nicht zuletzt, wie der dialogfreudige Twitter-Neuling LN_Online (Lübecker Nachrichten Online) mit seinem Twitter-Start im November 2008 und bisher erst 98 Followern  bereits auf 133 @replies kommt – und damit auf ebensoviele wie Follower-Platzhirsch Spiegel_Eil. Einer der Follower von LN-Online davon ist übrigens die Lübeckerin Nicole Simon, die erst über den sympathischen Twitter-Auftritt der norddeutschen Zeitung ihre alte Leser-Blatt-Bindung wiederentdeckt hat (s. auch Interview).

Nachtrag – Ein Hinweis von Inka Burow, HAZ.de, Redaktionsleiterin der Aktuell-Redaktion:

Marcus Schwarze war Ressortleiter der Online-Redaktion der HAZ. Seit dem 1. Januar 2009 ist dies nicht mehr so. Bei den Tweets haz und hazde handelt es sich um Angebote von Marcus Schwarze (arbeitet im Newsroom der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung) und Dirk Kirchberg (freier Mitarbeiter bei HAZ.de). Die inzwischen bei Madsack Online angesiedelte Online-Redaktion zwitschert nicht, sie kümmert sich um HAZ.de und neun weitere regionale Zeitungsportale.

RTL und das Web-TV der nächsten Generation

Der Fernsehsender RTL dreht derzeit hinter den Kulissen des linearen TV-Signals kräftig an der Experimentierschraube seines Web-TV-Angebots. Während am Mittwoch abend bei ”Deutschland sucht den Superstar“ über vier Millionen Zuschauer (knapp 30 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe) den Tagessieg auf dem TV-Bildschirm sicherten, passierte das eigentlich Interessante im Web. Die Online-Community mit rund 265.000 Mitgliedern (nicht alle aktiv) konnten (neben dem konventionellen Chat) als Avatare in einer browserbasierten ”DSDS“ 3D-Welt erstmals in vier verschiedenen Räumen (Bühne, Backstage, Quiz, Mainstreet) miteinander chatten.

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Zum Start erinnerte die Leere zwar an Second Life, zumal auch am Donnerstag noch nicht alle Funktionen freigeschaltet waren. Wenn alles fertig ist, soll während der Sendung ein Live-Stream der TV-Show laufen und zwischen den Sendeterminen soll es kurze ”Highlight“-Clips als Videoschleifen geben. Die Kommunikation der Community-Mitglieder läuft über Festnetz und Mobiltelefon, Geld wird auch mit dem Verkauf von Kleidungsstücken an die Avatare verdient.

Nicht zum ersten Mal experimentiert RTL mit 3D-Communities. In der Nacht als Barack Obama zum US-Präsidenten gewählt wurde, moderierte ein realer Anchorman Peter Kloeppel vor einigen Tausend Avataren aus einem virtuellen Oval Office – d.h. die TV-Sendung wurde in die 3D-Welt projiziert. Die Avatare waren natürlich nicht gleichzeitig im virtuellen Raum, sondern schauten während der gesamten Nacht immer mal wieder vorbei (27.500 Seitenaufrufe).

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Einen echten Massenandrang bekommt der einzelne Nutzer bei RTL-3D-Welten ohnehin nicht mit. Während bei Second Life Live-Events mitunter unter dem Fluch des Erfolges litten – bei zuvielen Avataren bricht der SIM zusammen und der Zugang ist gestört – wird hier bei Überfüllung einfach der virtuelle Raum gespiegelt und ein identischer Raum für die nächsten 100 Avatare geöffnet.

Technischer Dienstleister für die RTL 3D-Welten ist die Berliner sMeet Communications GmbH. Die Agentur entwickelte auch schon 3D-Chaträume für die Soap ”Alles was zählt“, einen 3D-Auftritt für ”The Dome“ (RTL2) und in Kooperationen mit Universal eigene 3D-Räume für Künstler und Bands wie Detlef D. Soost, Rania, La Fee oder HighHeelz. Während diese Communities mit der offenen 3D Welt sMeet verbunden sind, ist ”DSDS“ eine in sich abgeschlossene und gebrandete Community (White Label-Lösung).

Am 28. Januar will RTL eine weiteres Web-TV-Angebot aufwerten, diesmal ist die Soap ”Unter Uns“ an der Reihe. Erstmals sollen zwei neue Charaktere (Henning und Micki) und deren Vorgeschichten über acht exklusive Kurzepisoden (”Webisodes“) bei RTL.de eingeführt werden. Dazu gibt es befristet immer wieder neue Sonderaktionen als Testballons : Spin-Offs, einen Zitatgenerator, Outakes, Playlists und mehr. Damit sollen die Formate im Netz verlängert und die Fans auch zwischen den TV-Ausstrahlungen bei Laune gehalten werden.

”Unsere webexklusiven Zusatzangebote wurden auch bisher schon gut angenommen. Neu ist der verstärkte Trend zum Bewegtbild bei den Webspecials“, erläutert Matthias Büchs, mbuchsder als Mitglied der Geschäftsleitung bei RTL interactive die Online und Mobile Angebote verantwortet. Dass die RTL-Strategie mit frei abrufbaren Webfolgen plus interaktivem Zusatzcontent – auch in den vergangen beiden Jahren schon recht erfolgreich war, zeigen die Projekte, die der Sender bisher gemeinsam mit Grundy UFA realisiert hat. Hier die Abrufzahlen:

„Rettet Sandra“ bei GZSZ (Gewinnspiel auf gzsz.de vom 17.08.-11.09.2006): Gewinnspiel über mehrere Wochen entlang der Serienhandlung, Entführung Sandra, Spurensuche.
➢ Fast 10 Millionen PageImpresssion wurden über das Special erzeugt.
➢ Über 900.000 mal wurden die Spiele des Specials gespielt
➢ Über 85.000 mal wurde die Frage des Tages beantwortet
➢ Über 50.000 Teilnehmer haben an der Aktion teilgenommen

„Die Krimiwoche“ (Unter uns, November 2007): Ein Mord in der Serie, User spielen Kommissar, indem sie in einem Live-Videochat die Darsteller befragen und dadurch den Täter ermitteln können.
➢ Unter uns-Zuschauer ermitteln in einem Mordfall, Innovation durch Beteiligung an fiktionaler Handlung, Interaktion durch Online-Verhöre, Incentivierung durch TV-Verweise und Gewinnspiel
➢ PIs 4,16 Millionen in der Krimiwoche ebenso verdreifacht im Gegensatz zu Seitenabrufen zu „Unter uns“ vor der Krimiwoche.
➢ Videoabrufe hatten sich bei RTLNow.de mehr als verzehnfacht. Dies kam aber auch dadurch zustande, dass hier auch im Aktionszeitraum die relevanten Folgen, die normalerweise gegen Entgelt zu sehen waren, for free waren. Aber auch im kostenpflichtigen Bereich konnten die Zugriffe verdoppelt werden.

„Rettet das Übersee“ (Unter uns, September 2008):
➢ Um die Kneipe Übersee zu retten, wird in der Serie und parallel in Realität ein Talentwettbewerb gestartet. Der Sieger unter den Usern wird am Ende in eine Folge eingebaut. Reale Microsite zu einem fiktiven Handlungsstrang bei Unter Uns mit Video-, Text- und Bildinhalten und interaktiver Beteiligung der User durch Videoupload und Voting auf einer eigens erstellten Website mit zwei Live-Videochats. Aus den Uservideos kürte eine Jury ein Siegervideo, das in Unter Uns ausgestrahlt wurde.
➢ 440.000 PIs

Die Angaben und Zahlen stammen von RTL Interactive. Es sind zwar keine ”harten“ Unique User oder Visits, sondern nur die weiche Währung Page Impressions, aber die Dimensionen werden deutlich, zumal es sich um Klicks in redaktionellen Umfeldern handelt und nicht um Durchklicken auf Profilen bei sozialen Netzwerken oder Klicks auf Bildergalerien. In allen Fällen gab es durch die zusätzlichen Aktionen einen deutlichen Zuwachs bei Video on Demand, die kostenlos abrufbaren Folgen haben sich laut RTL Interactive als stark nutzerbindend erwiesen.

Im Vergleich zur TV-Quote sind die Nutzerquoten der Streamings natürlich noch gering. Doch die Abrufzahlen steigen, und die Hardcore-Fans haben ohnehin ein Bedürfnis, sich im Netz mit ihrer Lieblings-Soap zu beschäftigen. Dabei fährt RTL die strikte Devise, dass der Traffic, den RTL-Marken erzeugen, auch auf RTL-Plattfomen stattfinden soll (weshalb z.B. Zattoo und Joost keine Rechte von RTL bekommen). ”Wenn jemand unseren Bewegtbild-Content für die Nutzer verfügbar macht, dann sind wir es“, sagt Matthias Büchs.

Doch auch er weiß, dass die Nutzer ”ihre Wege finden“ – zum Beispiel bei YouTube – weshalb man sich bemühe, ”unsere eigenen Webplattformen mit all unseren Inhalten so attraktiv wie möglich zugestalten“. Auch wenn dahinter trotz Werbefinanzierung noch keine großen Umsätze stecken. Während US-Sender, die z.B. bei ”Heroes“ (NBC) oder ”SubterraNYa“ (ein Techno-Thriller bei Fox) das Netz vor allem als Promotion-Tool nutzen und zunächst in preiswerten Häppchen im Netz testen, was später in der teuren TV-Primetime funktionieren könnte, geht es RTL laut Büchs darum, mit den besonders community-fähigen Soaps, ”dauerhaft Wiederkehrquote, Bindungskraft und Verweildauer für die Formate im Web auf unseren Portalen zu steigern“.

Rainer Wemcken, Geschäftsführer der größten deutschen Soap- Produktionsfirma Grundy UFA (”Verbotene Liebe“, ”Unter Uns“, rainerwemckenAlles was zählt“) hält das gemeinsam mit RTL realisierte  Web-TV-Angebot erst für den Anfang: ”Das sind jetzt noch Verlängerungen der Serie ins Internet. Langfristig werden wir versuchen, das Publikum stärker einzubinden und Webcontent auch auf den TV-Bildschirm zu holen.“ Das könne zum Beispiel über Video-Contests geschehen, ein Siegervideo läuft dann z.B. auf einem Fernseher, der gerade in der Serienhandlung läuft. Daran, dass alle Serien künftig interaktiv und mit nutzergenerierten Elementen angereichert werden, glaubt Wemcken allerdings nicht. Die Fernsehhandlung müsse in sich abgeschlossen und auch Web verständlich sein. Damit hat er sicherlich recht: Echte Coach Potatoes, die von Interaktivität nichts wissen wollen, wird es auch in zehn oder 20 Jahren noch geben.

Vorschau:

In den nächsten Tagen werde ich in einem weiteren Beitrag analysieren, wie Fernsehsender und Communities zum ”Social Web TV“ zusammenwachsen. Bleibt dran!

Update vom 22.2.09:

Der Beitrag zum ”Social Web TV“ steht jetzt online – hier.

Facebook Connect in Blogs integrieren

Die ersten Anleitungen für Blogger, wie man die neue Facebook Connect Schnittstelle auf dem eigenen Blog integrieren kann, sind da. Was bedeutet das? Facebook-Nutzer, die auf einem Blog einen Kommentar hinterlassen wollen, können mit Facebook Connect – anstatt wie üblich Name, Email-Adresse und Blog-URL einzutragen – stattdessen einfach auf den Button klicken und sich mit ihrem Facebook-Profil anmelden.

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Der komplizierte Weg, diese Funktion zu installieren, ist eher etwas für Blogger, die Lust haben, sich für das Set-Up mit HTML-Code zu befassen. Auf dem Mashable Blog von Pete Cashmore gibt es dafür eine Video-Anleitung von Luke Shepard und Wei Zhu vom Facebook Developer Team. WordPress-Blogger können aber stattdessen auch einfach einen Button integrieren, den es beim Social Media Blog kostenlos hier gibt.

Wer profitiert davon? Facebook-Nutzer, die das möchten, können ihr Freundesnetzwerk sozusagen auf eine personalisierte Webtour mitnehmen: Schaut mal, welches Buch ich gerade bei Amazon gekauft habe oder auf welchen Blogs ich was kommentiert habe. Blogger können wahrscheinlich die Kommentardichte auf ihren Blogs erhöhen, wenn die Kommentatoren mehr Gelegenheit haben, ihre mitgeteilten Meinungen auch zur Selbstdarstellung zu nutzen, indem sie ihre Blogkommentare in ihrem Facebook-Profil präsentieren. Und Facebook arbeitet weiterhin daran, der werbungtreibenden Wirtschaft möglichst genaue Profile ihrer Nutzer zu präsentieren. Die Datenfülle, die ein zielgenaues Targeting von Werbebotschaften ermöglichen soll, wird natürlich viel größer, wenn dazu die Daten nicht nur während der Verweildauer bei Facebook eingesammelt werden, sondern auch dann, wenn z.B. ein Nutzer auf Partner-Websites eine Reise bucht, ein Buch kauft, oder einen Kommentar hinterlässt.

Doch anders als bei seinem 2007 eingeführten und nach heftigen Protesten wieder eingestellten Werbeprogramm Beacon legt Facebook diesmal Wert darauf, dass seine Mitglieder die Kontrolle darüber behalten, wieviele ihrer Daten sie preisgeben wollen: Jedesmal, wenn sich ein Nutzer per Facebook auf einer externen Website anmeldet, bleiben dessen Privacy Settings erhalten. Lesenswert ist dazu auch der Bericht der New York Times . Robert Basic befasst sich heute in einem langen und fundierten Beitrag mit Gesprächsshären und Socializing im Netz (”Friendfeed -als ein Vertreter der aggregatorisch ausgerichteten Aktionsmelder- hat das Ganze übergreifend zu lösen versucht. Was machen meine Buddies im Blog, auf Flickr, in Facebook und in Twitter?“)

Dieser Blog wird sich allerdings vorerst auch weiterhin nur aus fachlichem Interesse mit Facebook Connect befassen und den Button nicht selbst implementieren.

Amazon meets Facebook meets iTunes

Die Multimedia-Agentur Razorfish hat sich intelligente Social Mash-Ups ausgedacht und in einer Präsentation zusammengestellt: Was wäre, wenn Amazon mir nicht Empfehlungen, Kritiken und Mitteilungen à la ”User, die xx gekauft haben, kauften auch xy“ von irgendwelchen unbekannten Nutzern anzeigt, sondern von meinen Freunden und Bekannten, auf deren Urteile ich ohnehin größeren Wert lege? Was wäre, wenn iTunes nicht anonyme Hör-Tipps von Genius, sondern wahlweise lieber die Favorites meiner Freunde anzeigt? Oder wenn ich meine Lieblingsspiele auf dem iPhone nicht nur allein, sondern auch über das mobile Internet mit meinen Freunden spielen kann?

Razorfishs Ideen – bisher allesamt Utopien, keine realen Mash-Ups – beruhen auf der neuen Facebook Connect Schnittstelle, die am 4. Dezember veröffentlicht wurde. Sie erlaubt Facebook-Nutzern, ihr soziales Netzwerk auch auf externen Angeboten zu nutzen – beispielsweise auf E-Commerce-Portalen wie Amazon. Allerdings behält sich Facebook vor, die Zugangsdatensicherheit der Kooperationspartner vorher zu prüfen.

Auf mögliche Risiken des Metanetzwerks Facebook weisen die Social Web Experten von Razorfish ebenfalls hin: Facebook könnte eine ebensolche Datenfülle anhäufen wie heute schon Google.  ReadWriteWeb berichtet ebenfalls, den Hinweis habe ich aus Pixelsebis Twitterstream. Über Google’s Friend Connect berichtet er in seinem Repository Blog.

Nachtrag: Auch Off the Record.