Archiv der Kategorie: Journalismus

Maybrit Illners Zuschauerfragen per YouTube – ein Rohrkrepierer?

TV-Moderatorin Maybrit Illner findet es ”großartig, dass jetzt auch Zuschauer von zu Hause bei uns mitdiskutieren können“. Das  ließ das ZDF am 13. Februar in einer Pressemitteilung zum Start des neuen Maybrit-Illner-Kanals bei YouTube verlauten. Seitdem können Zuschauer eigene Videoclips mit Fragen an die Studiogäste hochladen. Doch ihr Publikum hat offensichtlich nur wenig Lust, Fragen-Filmchen zu drehen.

Nach einer redaktionellen Auswahl sollen einige Filme als Einspieler in der Live-Sendung zu sehen sein und die Fragen von den Studiogästen beantwortet werden. Das sind bei der Interaktiv-Premiere am 26. Februar u.a. SPD-Chef Franz Müntefering und Sven Giegold, Attac-Mitbegründer und Europakandidat der Grünen. Außerdem soll die Sendung erstmals parallel zur TV-Ausstrahlung auch bei YouTube live gestreamt werden. ”Natürlich werden wir nicht alle Clips in die Sendung nehmen können, aber wir sind froh, wenn drängende Fragen ein Gesicht bekommen oder wenn Fragen auftauchen, auf die wir selbst nicht gekommen sind“, sagte Illner in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Doch so wie es bislang auf dem Illner-YouTube-Kanal aussieht, wird die Moderatorin froh sein müssen, wenn sie überhaupt drei oder vier Clips in ihrer Sendung zeigen kann. Zwar wurde der Kanal bisher rund 48.000 Mal aufgerufen, doch in der ” Video Gallery“ stehen bisher nur 27 nutzergenerierte Fragen-Filme. (Die ZDF-Pressestelle hat auf meine Frage von heute morgen, ob einige der ”etlichen Fragen zur Sendung per Video“ eventuell in einem nicht-öffentlichen Bereich gespeichert sind, bisher noch nicht geantwortet. – Update s. Textende)

illner

Sehen wir uns die 27 Clips einmal näher an: Davon wurden drei von den Nutzern wieder gelöscht. Von den übrigen 24 fallen zwei oder drei in die Kategorie, die man im Fernsehen besser nicht senden sollte, um die Würde der Betroffenen zu wahren, wenn sie es schon selbst nicht tun. Circa ein Drittel ist akustisch nicht zu verstehen, weil die Einsender die grandiose Idee hatten, sich selbst im fahrenden Auto oder an einer lauten Landstraße zu filmen. Einige sind erwartbar lahm und verquast. Und zwei sind richtig gut. Kostprobe: ”Herr Müntefering, werden Sie es nach der Wahl wieder unfair finden, an Ihren Aussagen vor der Wahl gemessen zu werden?“ Die Clips im Illner-Kanal können weder kommentiert, noch weitergeleitet, noch eingebunden werden, deshalb die Links zu meinen Favoriten hier und hier bei YouTube.

„Mit den Videobotschaften aus dem Internet nutzen wir eine neue, zeitgemäße Form der Kommunikation“, lässt Illner verlauten. Doch Illner ist nicht Obama und ihre Zuschauer gehören größtenteils nicht zur YouTube-Generation. Vielleicht wäre es daher zeitgemäßer, die proklamierte Nutzerbeteiligung einfach per Telefon, Email, Fax und Internetforum herzustellen. Auf diese Weise holt jedenfalls Zuschauerredakteurin Brigitte Büscher in Plasbergs Talk ”Hart, aber fair“ weit weniger webzwozweinullig, dafür aber effektiv jedes Mal ein vielseitiges Stimmungsbild von draußen live in die Sendung.

Update: Das ZDF hat auf meine Frage geantwortet, wieviele Zuschauer-Fragen-Videos es insgesamt gibt: ”ca. 30 und es werden täglich mehr“. Also kein verborgener Speicher, aus dem sich morgen abend für die Sendung weitere Clips hervorzaubern lassen…

Bloxpert – eine neue Kontaktbörse für Journalisten und Blogger

Nicht immer sind für Journalisten die so genannten ”A-Blogger“ oder die einem Journalisten zufällig persönlich bekannten Blogger die besten Ansprechpartner, wenn es um fachliche Fragen oder spezielle Recherchen geht. Doch oft kennen Journalisten nun mal keine anderen Blogger – deshalb befragen sie immer die gleichen. Ein neues Rechercheportal will Abhilfe schaffen: Die Social Media Expertin und Buchautorin Nicole Simon (”Twitter – Mit 140 Zeichen zum Web 2.0“) hat die neue Kontaktbörse Bloxpert gestartet, die journalistische Anfragen und Blogger-Expertise auf einer breiteren und systematischeren Basis für beide Seiten kostenfrei zusammenbringen will. Über Bloxpert, das US-Vorbild HARO und weitere deutsche Versuche, Journalisten mit Experten und Betroffenen zu vernetzen, habe ich bei Kooptech einen Beitrag veröffentlicht.

Mit Nicole Simon habe ich zuletzt ein Interview über Tipps und Konzepte für twitternde Medien und Journalisten geführt.

TV-Sender entdecken jetzt auch Twitter

Dies ist die Geburtsstunde eines neuen Twitter-Auftritts:

kika-7

Niedlich, oder ? Und hier ist noch einer:

zdf

Oder der hier, da gab es sogar schon Grüße von den Kollegen an die Neu-Twitterer:

twitter-kabel-11

Mehrere deutsche TV-Sender stehen offenbar kurz davor, mit ihren Twitter-Auftritten starten. Auf den Screenshots zu sehen sind sozusagen die ersten zaghaften Gehversuche. Natürlich könnte auch irgendwer per Twitter-Squatting die Accounts auf die Namen deutscher TV-Sender angemeldet haben. Das ist aber nicht wahrscheinlich, denn diese Twitter-Babies verfolgen sich gegenseitig und außerdem auch ihren größeren Sender-Geschwistern, die schon etwas länger twittern.

Im Fall des KiKa kann man außerdem sehr schön sehen, wie wichtig es ist, dass (Medien-)Marken rechtzeitig ihre Twitteraccounts anmelden: hinter @kika steckt eine gewisse Cristina Moura, die zwar ein rassiges Profilbild, aber weder Followers noch Friends und ihren einzigen Update auch noch gesichert hat. @kika1 bis @kika6 sind allesamt weitere Avatar-lose Account-Squatter. Erst auf @kika7 konnte sich der öffentlich-rechtliche Kinderkanal platzieren….

Sender und Sendungen, die schon etwas länger twittern (d.h. seit mindestens zwei Wochen) sind z.B. folgende:

@BR_Sport 33 followers / 3 friends  / 214 updates /  RSS-Feed

@Tagesschau 1161 / 1 / 7782 , RSS-Feed

@Blog_tagesschau 271 / 1 / 287 , RSS-Feed

@ARTEtv_de 188 / 194 / 7650 , 2 RSS-Feeds

@ Zdfsport 57/ 53 / 36, redaktionelle Tweets, aber (noch?) kein Dialog

@Zdf_wiso 57 / 36 / 60,  dialogisch und witzig

@wahlimweb (ZDF.de)  494/   36 / 71,  Dialog

@ESL_ 83 / 219 / 3 redaktionelle Tweets vom Web-TV-Sender der Electronic Sports Leagu, aber bisher noch kein Dialog

@ProSiebenTV 126 / 4 / 9,  erste Dialogansätze

@N24_de 367 / 437 / 744,  ernsthaft fortgeschrittener Dialog, bemerkenswerte Bio: „Wir kommen zur Sache“ ist der Anspruch des Senders. Mal schauen, wie gut das in 140 Zeichen geht.

@Tvtotal 319 / 0 / 71 redaktionell, aber kein Dialog , keine Bio!, erwähnenswert: nur ein Background von der Stange

Twitternde TV-Journalisten sind beispielsweise:

@cnothelle (Claudia Nothelle, TV-Chefredakteurin des rbb)  14 / 15 / 10 Dialog, aber noch ohne Avatar

und @Claus_Kleber 590 followers /413 friends/ 66 updates

Der ZDF-Mann ist ein souverän-lakonischer Twitterer, der aber seit 29. Dezember entweder die Lust verloren oder keine Zeit mehr hat. Dafür ist seine Bio besonders nett: ”In Amerika kenn ich mich aus und mit Gundula Gause ein bißchen.“ Und die Profilseite mit der rosa Blümchentapete ist auch hübsch:

twitter-klaus-kelber

Dies ist natürlich nur eine rudimentäre Aufstellung, auf der wahrscheinlich jede Menge bereits twitternde TV-Sender und TV-Journalisten fehlen. Ich würde mich freuen, wenn über die Kommentarfunktion jede Menge Ergänzungen kommen. Die Liste soll nach erstem unorthodoxem Brainstorming auf Leander Wattigs Liste kollaborativ und systematisch fortgeführt werden.

Update vom 5. 2.:

Das Twitter-Account von Claus Kleber ist bislang nicht echt – aber immerhin ein vom ZDF eingerichtetes  oder übernommenes Fake-Account.  Seit heute heißt es in der Bio: ”Dieser Account wartet auf den ‚echten‘ Claus Kleber. Zugangsdaten liegen dem ZDF vor.“ Der echte Claus Kleber will also bald twittern – hoffentlich  genauso nett wie der falsche.

twitter-kleber-neu

So wird das nichts mit Twitter, Sächsische Zeitung

Einen ”Selbstversuch“ nennt die Autorin der Sächsischen Zeitung, Valeria Heintges, ihren kleinen Exkurs ins Zwitscherland von 27. Januar, über den sie am 31. Januar im Blatt berichtete. Der ”Selbstversuch“ ist allerdings ein Paradebeispiel dafür, wie man es nicht machen sollte, wenn man als Journalist(in) in aller Öffentlichkeit bei Twitter startet. Erst mal ausprobieren, was Twitter kann, wozu es taugt und wozu nicht, ist ja durchaus sinnvoll. Um Twitter den Lesern seiner Zeitung zu erklären, sollte man allerdings mehr als nur diesen einen Tweet in drei Tagen abgesetzt haben:

twitter-valeria-hei

Erst mal im Verborgenen twittern ohne gleich darüber zu schreiben, mehr interessanten Leuten folgen und sich auch mal in Dialoge einschalten, hätten der Autorin sicherlich geholfen, den Sinn von Twitter besser zu verstehen. So hat sie auch ihrer Zeitung eher einen Bärendienst erwiesen.

Denn welcher Eindruck bleibt jetzt hängen bei den Lesern, die sich – von dem Artikel  vielleicht doch inspiriert – bei Twitter anmelden und als erstes gleich mal Valeria Heintges folgen?

1. Die Sächsische Zeitung will ihren Lesern Twitter erklären, ”blickt“ es aber selbst ”noch nicht richtig“.

2. Für die Sächsische Zeitung ist ein einziger halbherziger Eintrag schon gleich ein ”Selbstversuch“.

3. Der Artikel diente wohl in erster Linie dem Zweck, sich schnell mal eben an einen Medienhype anzuhängen.

Selbst die Aufrufe des Presseclub Dresden Dresdner Journalisten Peter Stawowy  ”Folgt der Sächsischen Zeitung bei Twitter“ auf dem Blog des Presseclub Dresden, und über sein Twitteraccount @pstawowy (”würde mir etwas mehr Beteiligung wünschen“) die @valeriahei immerhin 33 neugierige Follower mehr beschert haben (Stand 1. Februar, 23.55 Uhr) haben, werden wohl nutzlos verhallen. Denn wenn sich auf diesem Account so rein gar nichts tut, werden auch die geduldigsten Follower wieder abspringen.

pstawowy

Schade, Chance verschenkt. Bevor die Sächsische Zeitung als Redaktion oder über einen ihrer Autoren wieder mal einen Twitter-Versuch startet, würde ich ihr vorher die Twitter-Tipps von Nicole Simon zur Lektüre empfehlen. Gibt es auch als Video bei turi2 tv.

Wolfgang Büchner: Warum Spiegel Online so und nicht anders twittert

Der Chefredakteur von Spiegel Online, Wolfgang Büchner, hat mir per Email auf meinen Blogpost ”Twitter-Konzepte der Verlage – Erfolge mit und ohne Dialog“ geantwortet. Freundlicherweise hat er einem Abdruck als Blogpost zugestimmt. Ich finde seine Stellungnahme sehr informativ. Es werden darin viele Fragen beantwortet, die sich Follower der Spiegel Online Twitter-Feeds schon seit einigen Wochen stellen – zum Beispiel per @reply ins Leere. Hier gibt es nun Antworten vom Spiegel Online-Chef persönlich:

Sehr geehrte Frau Langer,

eine kurze Antwort zu Ihrem interessanten Blogeintrag und den von Ihnen festgestellten Punkten. wolfgang_buchner
Dass spiegel_eil nun bereits über 3000 Follower hat, ist, wie Sie selbst schreiben, sicher vor allem mit der Reichweite unserer Seite zu erklären.


Aber die Reichweite der Seite und die Zahl der Twitter-Follower hat ja ihren Grund: Die Leser wissen, dass sie nirgendwo im Web ein besseres Nachrichtenangebot mit der gleichen Themenbreite bekommen. Selbstverständlich gibt es zu Spezialthemen hervorragende andere Quellen. Aber eben keine Seite, die über alle Ressorts und Themen ein ähnlich starkes Angebot macht.

Natürlich gibt es auch in der Twittersphäre Kritik an SPIEGEL ONLINE, einzelnen Meldungen oder unserem Twitter-Angebot. Was mir allerdings auffällt, ist, dass SPIEGEL-ONLINE-Artikel bei Twitter (genau wie auch in der Blogosphäre) weit überwiegend Gegenstand von inhaltlichen Debatten oder Empfehlungen sind. Häufig in Form von Retweets, aber auch in Form geposteter Links oder Tweets der Sorte „Lese gerade…“ Die User suchen auch auf dieser Frequenz: gute Geschichten, gute Quellen. Die Zahl der @replys ist somit nur bedingt Aussagekräftig. Sie finden unzählige weitere Referenzen, wenn Sie twittersearch auf SPIEGEL ONLINE, SPIEGEL oder SPON ansetzen.

Dass wir — anders als DerWesten oder Weltkompakt – bisher keinen Redaktionstwitter haben, hat mehrere Gründe.

Der erste ist schlicht und einfach: Die Arbeit an der Seite selbst geht vor. Das Wichtigste ist für uns ein gut recherchiertes und gut geschriebenes Nachrichtenangebot. Uns ist es wichtiger, dass sich unsere CvDs jede Minute darauf konzentrieren, eine möglichst gute Homepage zu präsentieren als dass sie nebenbei twittern.

Außerdem, das räumen wir gerne ein, entdecken wir Twitter und die Möglichkeiten dieses Kommunikationskanals gerade. Einige Kollegen in der Redaktion twittern bereits, andere finden den Kanal mindestens zum Lauschen interessant. Ich bin nicht sicher, ob ein zentraler Redaktionstwitter wirklich eine gute Lösung ist. Das ist ja für die Leser auch wieder eine eher anonyme Veranstaltung. Wer ist denn gerade DerWesten? Wäre nicht die Kommunikation mit den einzelnen (Fach-)Redakteuren spannender? Andererseits ist ein Redaktionstwitter natürlich ein interessanter Rückkanal. Das disktutieren wir gerade in der Redaktion. Ich würde das Twittern jedem Kollegen bei SPIEGEL ONLINE empfehlen, aber niemandem befehlen.

Zu den beiden Fragen
– warum Spiegel_Eil ”alles doppelt twittert”

– warum Spiegel_Eil ”langsamer ist als andere”

Das hat schlicht und einfach technische Gründe.
Bisher nutzen wir Twitterfeed, um unsere Twitter-Accounts mit unseren RSS-Feeds zu füttern. Das funktioniert gut, ist aber für Eilmeldungen wegen des großen Delays bei Twitterfeed viel zu langsam.
Deshalb kümmern sich derzeit noch unsere Textproducer darum, Eilmeldungen manuell in unseren Account spiegel_eil einzuspeisen. Auch das geht manchmal nicht schnell genug, aber deutlich schneller als via Twitterfeed. Und daraus erklärt sich auch die Dopplung.  Unsere IT baut gerade eine Verknüpfung unseres CMS mit den Twitteraccounts. In spätestens zwei Wochen sollte dann die Probleme Geschwindigkeit und Dopplung gelöst sein.

Schöne Grüße

Wolfgang Büchner
twitter: wbuechner

Twitterkonzepte der Verlage – Erfolge mit und ohne Dialog

Leander Wattig hat auf seinem Blog heute eine interessante Liste veröffentlicht – mal kein Ranking nach Anzahl der Follower, sondern der Replies. Auf dieser Liste taucht der erfolgreichste Spiegel Online-Feed (Spiegel_Eil) mit rund 3000 Followern erst an zehnter Stelle auf.

Obwohl SPON quasi aus dem Stand ( Start war erst am 18. Dezember) schon allein mit diesem einen Feed (es gibt noch 17 weitere) die meisten Follower aller deutschen Zeitungen und Zeitschriften eingesammelt hat, kommt ein Dialog hier nicht in Gang. Wie sollte er auch – SPON antwortet ja nicht. Schaut man sich die bisher 133 @replies an Spiegel_Eil etwas näher, so fallen vor allem drei Kategorien auf:

  • Retweets (die einzige Form von ausgedrückter Wertschätzung)
  • Fragen, warum Spiegel_Eil ”alles doppelt twittert“
  • Fragen, warum Spiegel_Eil ”langsamer ist als andere“

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Eine große Zufriedenheit spricht nicht gerade aus diesen Reaktionen. Aber es sind ja auch nur wenige Reaktionen. Die schweigende Masse ist offenbar völlig zufrieden damit, von SPON wie von einer Onlineagentur mit Meldungen beliefert zu werden. Und da SPON bei den Printtiteln Reichweitensieger im Internet ist (über 500 Mio Page Impressions und knapp 90 Mio Visits im Dez. 2008 laut IVW sowie 5,26 Mio Unique User im 3. Quartal 2008 laut AGOF ) war  es nicht unlogisch, dass SPON auch ohne Dialog im Follower-Ranking ganz schnell ganz oben stehen würde.

Interessanterweise kann Focus Online, das ebenso wie SPON Nachrichten in verschiedenen Feeds bei Twitter einlaufen  lässt – das allerdings als Pionier schon seit Mai 2007 –  bei den Follower-Zahlen kaum noch zulegen. Die liegen nämlich schon seit geraumer Zeit bei rund 250 (Hauptfeed), bzw. rund 800 (alle zehn Feeds). Das Nutzerpotenzial für diese Art von Twitterkonzept scheint also begrenzt, obwohl die Twitter-Nutzerzahlen ständig steigen. (Momentan gibt es rund 85.000 deutsche Nutzer laut Twitterexpertin Nicole Simon). Auch bei SPON dürfte also demnach die Kurve der Follower-Zuwächse bald abflachen.

Interessant ist auch, wie es Der Westen schafft, mit rund 1700 Followern auf ein hohes Feedback von über 1500 Replies zu kommen. Grob vereinfacht hat fast jeder Follower schon mal dem Westen per Twitter direkt geantwortet. Die für den Dialog nötige Twitterpräsenz (18 Stunden pro Tag ab 6 Uhr in der Frühe) sowie das nötige Auswerten und Trennen von sinnvollem und unsinnigem Nutzer-Feedback fordern allerdings auch ihren Tribut. ”Wir twittern in Schichten, einer alleine kann das gar nicht bewältigen“, schilderte Katrin Scheib, Chefin vom Dienst bei Der Westen, vorgestern auf dem Hamburger Microblogging-Kongress MBC09. ”Der Westen“ fördert Twitter-Feedback gezielt mit Umfragen und stellt auch Recherchefragen in die Runde.

HAZde (Hannoversche Allgemeine Zeitung) steht mit 649 Replies/588 Follower ebenfalls sehr gut da. Um neue Follower zu gewinnen, griff Twitterer Marcus Schwarze, HAZ Ressortleiter Online, in einer Adventsaktion sogar in die eigene Tasche und spendete für jeden neuen Follower einen Euro an die HAZ Weihnachtshilfe. HAZde-Tweets profitieren ebenso wie Tweets des Westen von einer relativ hohen Retweet-Rate, was die Streams bekannter macht. Über das erfolgreiche Twitter-Konzept von Welt Kompakt ist schon einiges geschrieben worden, zum Beispiel hier, so dass ich die Berliner Kollegen heute mal beiseite lasse (ist keinesfalls abwertend gemeint!)

Bemerkenswert ist nicht zuletzt, wie der dialogfreudige Twitter-Neuling LN_Online (Lübecker Nachrichten Online) mit seinem Twitter-Start im November 2008 und bisher erst 98 Followern  bereits auf 133 @replies kommt – und damit auf ebensoviele wie Follower-Platzhirsch Spiegel_Eil. Einer der Follower von LN-Online davon ist übrigens die Lübeckerin Nicole Simon, die erst über den sympathischen Twitter-Auftritt der norddeutschen Zeitung ihre alte Leser-Blatt-Bindung wiederentdeckt hat (s. auch Interview).

Nachtrag – Ein Hinweis von Inka Burow, HAZ.de, Redaktionsleiterin der Aktuell-Redaktion:

Marcus Schwarze war Ressortleiter der Online-Redaktion der HAZ. Seit dem 1. Januar 2009 ist dies nicht mehr so. Bei den Tweets haz und hazde handelt es sich um Angebote von Marcus Schwarze (arbeitet im Newsroom der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung) und Dirk Kirchberg (freier Mitarbeiter bei HAZ.de). Die inzwischen bei Madsack Online angesiedelte Online-Redaktion zwitschert nicht, sie kümmert sich um HAZ.de und neun weitere regionale Zeitungsportale.

Do’s and Don’ts für twitternde Redaktionen – Interview mit Nicole Simon

Seit dem Herbst 2008 hat die Twitterwelle mit Wucht die deutsche Verlagsszene erreicht. Inzwischen sind nicht mehr nur eine Handvoll Social-Media-Verlagspioniere, sondern schon über 40 Zeitungen und Zeitschriften mit einem eigenen Account dabei. Doch was ist richtige Strategie, wenn Zeitungen  twittern? Sollen sie den Dialog mit ihren Followern pflegen und als Redaktion auch interessanten Nutzern folgen – so wie das beispielsweise Der Westen und die Hannoversche Allgemeine Zeitung tun? Sollen sie wie die Welt Kompakt launige Interna aus der Redaktion verbreiten? Oder wie Focus Online und Spiegel Online als kommunikative Einbahnstraße nur die RSS-Feeds der Onlinemeldungen einlaufen lassen? Alles scheint möglich.

Über Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Twitterstrategien und die Do’s and Don’ts, wenn Journalisten professionell oder privat twittern, habe ich ein Interview geführt mit der Lübecker Social-Web-Expertin Nicole Simon. Sie ist Autorin des im Dezember 2008 erschienenen Fachbuchs ”Twitter – Mit 140 Zeichen zum Web 2.0“.

Am Ende des Interviews gibt es noch eine nützliche Linkliste.

Und hier die Einschätzungen von Nicole Simon:nicole_simon1

Müssen Redaktionen jetzt twittern oder geht der Hype ohnehin wieder vorüber?

NICOLE SIMON: Nein, das Phänomen wird bleiben. Menschen wollen sich unmittelbar mitteilen und Twitter erfüllt dieses Bedürfnis auf ganz einfache Weise. Selbst wenn das Unternehmen hinter Twitter von heute auf morgen pleite geht, dann werden andere sofort an dessen Stelle treten. Jetzt haben Redaktionen noch die Zeit, mit dem Medium zu spielen und sich in Ruhe damit vertraut zu machen. Irgendwann aber nicht mehr, weil dann alle anderen schon da sind. Wenn eine Redaktion heute noch nicht twittern möchte, sollte sie zumindest schon mal ihre Claims abstecken und ein Account unter ihrem Namen reservieren. Und dann sollte die Redaktion zunächst in einer geschlossenen Gruppe üben. Ein öffentlicher Auftritt einer großen Zeitung kann sich keine Spielwiese leisten, der muss sofort professionell aussehen.

Die Nutzerzahlen bei Twitter sind ja noch eher gering…

Es gibt in Deutschland schätzungsweise einige zehntausend Twitterer. In nackten Zahlen ist das eine zu vernachlässigende Größe. Aber diese Leute können sich in Echtzeit untereinander vernetzen, es sind Muliplikatoren, die Themen setzen und Trends generieren. Viele einflussreiche Twitterer haben sich inzwischen fast völlig diesem Medien verschrieben und schreiben kaum noch etwas auf ihren Blogs.

Vor zwei Jahren hieß es über Second Life, da müssten Unternehmen und Medienmacher Präsenz zeigen. Inzwischen haben selbst die großen Second-Life-Medien, der ”Avastar“ aus dem Axel Springer Verlag und die Reuters-Filiale, wieder dichtgemacht…

Bei Second Life war für viele Nutzer die  Hemmschwelle zu hoch, um dort wirklich etwas Sinnvolles zu machen. Und das galt auch für Unternehmen, die zögerten, für einen Auftritt in Second Life viel Geld in die Hand zu nehmen. Bei Twitter sind die Anforderungen an jeden User viel niedriger. Sie sind noch viel niedriger als bei Blogs und Podcasts, die in der passiven Nutzung inzwischen relativ gut angenommen werden. Aber es produzieren nur wenige, weil das aufwändig ist. Für Twitter braucht man nur einen Webbrowser, den hat jeder, und man darf nur maximal 140 zeichen schreiben. Das ist eine Einschränkung, die dafür sorgt, dass wirklich jeder damit umgehen kann. Außerdem gibt es schnelle Erfolgserlebnisse – es gibt Rückmeldungen.

Wie können Redaktionen Twitter sinnvoll einsetzen?

Zwischen dem bloßen Reinstellen von RSS-Feeds und extrem dialoglastigen Twitter-Feeds ist vieles möglich. Es gibt den twitternden Chefredakteur, es gibt die Redaktion hinter dem Twitterfeed oder einzelne Redakteure, die auf ihrem eigenen Account twittern. Die Rollen sollten nur klar definiert sein, damit keine Erwartungen enttäuscht werden. Man sollte sich auch darauf gefasst machen, dass man es nicht jedem recht machen kann. Zuletzt hat das der Spiegel erlebt: unterteilt in 18 verschiedene Twitter-Feeds kann man entweder den Nachrichtenstrom abonnieren oder nur ausgewählte Topmeldungen. Der Aufschrei in der Gemeinde war groß über den angeblichen schlechten Anfang, weil es keine Möglichkeit zum Dialog gibt. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als wüssten sie nicht, was sie tun. Nur: Die 1500 gewonnenen Nutzer innerhalb von zwei Wochen sprechen eine andere Sprache.

Sollen bekannte Journalisten unter ihrem eigenen Namen twittern?

Ja, absolut, wenn sie erstens verstehen, dass Twitter kein banaler Blödsinn ist, sondern ein wichtiges Werkzeug für die ”Marke“ eines Journalisten sein kann. Und wenn sie zweitens mit der Unmittelbarkeit umgehen können. Das vorausgesetzt, ist Twitter ein wunderbarer Kanal, um Leser zu Followern zu machen. Leser, die von einem bestimmten Autor, dessen Perspektive und Schreibstil, gar nicht genug bekommen können. Die Follower begleiten einen Journalisten durch dessen Alltag. Ich persönlich würde sehr gerne mehr Twitterstreams von großen Journalisten lesen, weil ich davon ausgehe, dass die sich zwei, drei mal am Tag in 140 Zeichen vom Handy aus in klugen Kommentaren äußern können.

Kann Twittern jedem Journalisten nutzen?

Es ist ein Tool, das man besser früher als später beherrschen sollte. Das Gros der Journalisten ist sicherlich zeitlich schlicht überfordert damit, eine Vielzahl von Social Web Entwicklungen selbst aktiv zu nutzen. Sie können sie aber durchaus in ihrer Wirkungsweise und Bedeutung analysieren. Viele Journalisten haben leider eine extreme Abneigung gegen die neuen Techniken, aber Twitter ist ja auch ein Thema. Es zu ignorieren, wäre genauso dumm wie als Wirtschaftsjournalist zu sagen, über Unternehmen x und y berichte ich nicht, weil ich die nicht mag. Mein Rat an Journalisten: Seid professionell und beschäftigt Euch professionell damit. Das ist nicht kompliziert.

Wie sinnvoll es, wenn Redaktionen nur RSS-Feeds aus ihrem Online-Portal bei Twitter reinstellen?

Von einer Redaktion erwarte ich durchaus, dass die wichtigsten Nachrichten als Feed eingespielt werden. Aber bitte nicht 500 Nachrichten am Tag, sondern eine Auswahl der vier oder fünf wichtigsten Meldungen des Tages.

Und wie können umgekehrt Redaktionen Twitter nutzen, um Informationen zu bekommen oder Stimmungsbilder einzufangen?

Wenn eine Redaktion erstmal Credibility aufgebaut hat, dann kann sie Twitter nutzen, um Fragen in die Menge zu stellen. Wenn ich aber vorher nur einen automatisierten Feed reingestellt habe und dann plötzlich eine Frage stelle, habe ich keine Chance, brauchbare Antworten zu bekommen. Die Redaktion sollte in Vorleistung treten und schon vorher Dialog zulassen. Wenn dann die Tweets von den Nutzern kommen, dann gilt es zu filtern, um Sinnvolles von Unsinn zu unterscheiden.

Gibt es Twitter-Feeds von Zeitungen, die Du regelmäßig verfolgst?

Ich erlebe als Lübeckerin gerade eine Kundenbindung an die ”Lübecker Nachrichten“ wie seit 1996 nicht mehr. Damals habe ich mein Abo gekündigt, weil die Ottifanten nicht mehr witzig waren. Ich habe keine emotionale Verbindung zu der gedruckten Zeitung, ich könnte auch irgendein anderes Blatt lesen, aber jetzt mit dem Twitter-Account und dem Blog fühle ich mich dieser Zeitung doch wieder verbunden. Den Auftritt finde ich sympathisch.

Vielen Dank für das Interview.

In diesem Blog-Beitrag analysiere ich verschiedene Twitter-Konzepte der Verlage.

Und hier noch die Linktipps zum Thema twitternde Redaktionen:

turi2-Umfrage: Wie nutzen Sie Twitter im Redaktionsalltag?

Leander Wattigs Liste: Welche deutschsprachigen Zeitungs- und Buchverlage verwenden welche Social Media Tools?

Verlage: Twitter-Ranking nach Anzahl der Replies (Leander Wattig)

Verlage: Twitter-Ranking nach Anzahl der Follower (Leander Wattig)

Sozialgeschnatter mit einer Liste twitternder Medien, auch Rundfunk- und Onlinemedien. Jede Menge Ergänzungen in den Kommentaren.

Claudia Sommers Liste mit Twitter-Büchern

Twitter for Journalists – Podcast der Columbia School of Journalism, New York

Wer weitere gute Links oder Linklisten kennt – bitte als Kommentar ergänzen!

Über die Twitter-Strategien der Redaktionen habe ich auch in der Journalistenfachzeitschrift MediumMagazin (Heft 1+2/09) einen Beitrag veröffentlicht. Auf der Website wird der Beitrag für Nicht-Abonnenten allerdings erst Ende Februar freigeschaltet.

Stellungnahme von Max Foerster

Max Foerster hat mich inzwischen per Email kontaktiert mit der Bitte, zu diesem Blogeintrag folgende Stellungnahme von ihm zu veröffentlichen:

Ich möchte folgendes richtig stellen:
Ich habe bisher und auch in der Gegenwart keine Medien- oder Audioagentur geführt, geleitet oder gegründet. Das erweckt nämlich den Eindruck, dass ich Werbesports oder Hörfunk-Beiträge für gewerblich tätige Kunden erstelle und diese gegen Bezahlung Radiostationen anbiete. Ich biete lediglich meine Dienstleistungen in der Produktion von Medien an.
Ich betone ganz klar, dass zwischen mir und den Medienkooperationen meiner Kunden keine Verbindung besteht. Was ich anbiete, ist die Idee zu einem Werbespot oder Hörfunkbeitrag und ein Lösungsvorschlag zur Umsetzung. Ich vermittle an Radiostationen keine Produkte, welche im Programm oder im Werbeblock gesendet werden.
Was ich mit meinen Kunden bei den Aufträgen bespreche, ist meine Sache. Sie, Frau Langer, können aber sicher sein, dass ich durchaus so viel Anstand und Charakter habe, den Kunden mitzuteilen, dass der jeweilige Sender dazu verpflichtet ist, Werbung zu kennzeichnen, da das nicht meine Aufgabe ist. Das ist ja wohl auch im Sinne von FAIR RADIO, da sich die Initiative unter anderem ausdrücklich für die Kennzeichnung von Werbung und nicht gegen Werbung und PR-Beiträge generell stark macht.

Zur Tatsache, dass ich den betreffenden Text auf meinen Webseiten ergänzt habe:
Da Sie mich weder per Post oder E-Mail um eine Stellungnahme gebeten haben, war ich gezwungen meine Ausführungen deutlicher zu formulieren. Vielen Dank an dieser Stelle, dass Sie mich darauf aufmerksam gemacht haben, dass das nötig ist. Um nicht für noch mehr Verwirrung zu sorgen und um der FAIR RADIO Initiative nicht weiter zu schaden, habe ich diese Änderungen vorgenommen. Was nichts an meinem Angebot geändert hat: Vereine, Organisationen und Unternehmen können mich bei der Realisierung ihrer Medienprojekte einbeziehen. Die Werbung buchen und platzieren müssen sie selbst. Es ist nicht verboten in diesem bereich freiberuflich tätig zu sein und es kollidiert in keinster Weise mit der Idee von FAIR RADIO.

Max Foerster weist nun auch auf seiner eigenen Homepage darauf hin, dass Radiosender verpflichtet sind, gewerbliche PR-Beiträge als Werbung zu kennzeichnen. Die Gründer der Initiative fair-radio.net setzen sich dafür ein, dass Radiosender keine vorgefertigten und kostenlos angebotenen PR-Beiträge senden sollen, die nicht als Werbung gekennzeichnet sind. Das ist ein richtiges und wichtiges Anliegen. Ob diese Kennzeichnung tatsächlich geschieht, darauf hat Fair-radio.net aber letztlich keinen Einfluss, die Initiative kann nur dafür plädieren.

Meine Meinung ist: Gerade weil die Kennzeichung von PR-Beiträgen als Werbung oft unterbleibt, hat sich Fair-radio.net ja gegründet. Um ihre Ziele wirklich konsequent vertreten zu können, dürften sich die Initiatioren nicht selbst an der Produktion von PR-Beiträgen beteiligen – in welcher Form oder Abstufung auch immer.

Preis für doppelten Standard im Hörfunkjournalismus?

Nur drei Tage nach den Medium Magazin ”Journalisten des Jahres 2008″ werden am 19. Januar in Berlin erneut die ”Journalisten des Jahres 2008″ prämiert. Und zwar mit dem ”Goldenen Prometheus“ des Online-Journalisten-Magazins V.i.S.d.P. aus dem Berliner Helios Verlag. Sieht man sich dort auf der Liste der nominierten Preisträger die Kategorie Hörfunk an, so stößt man auf einen Widerspruch. Sandra Müller, Udo Seiwert-Fauti und Max Foerster sind nominiert. Als preiswürdig gilt der Jury ihr resolutes Eintreten gegen Hörfunk-PR:

Vor anderthalb Jahren gegründet haben sich bei fair-radio.net zahlreiche Radiomoderatoren und Journalisten von privaten und öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten zusammengetan, um auf Missstände und den um sich greifenden Hörerbetrug im Radio aufmerksam zu machen. Dank Müller, Seiwert-Fauti und Foerster gibt es nun sogar ethische Leitsätze für ein glaubwürdiges Qualitätsradio, fernab der Hörerabzocke.

Nun kann man  ja durchaus auf dem Standpunkt stehen, dass ein Radiosender auch PR-Beiträge ausstrahlen kann, wenn er dies dem Hörer klarmacht, und dass ein Journalist Radiosendern auch PR-Beiträge anbieten kann, wenn er die beiden Bereiche sauber trennt. Doch die Initiative fair.radio.net vertritt ähnlich wie das ”Netzwerk Recherche“ (”Journalisten machen keine PR“) eine rigidere Haltung, die sie in Ihrem ”Tutzinger Ethik Appell – für ein glaubwürdiges Radio“ an vielen Stellen deutlich gemacht hat:

Vorsicht vor der Bequemlichkeit!  Warum Radiomacher sich vor vorgefertigten Interviews und Beiträgen hüten sollten

Viele Radiosender sind Dauerwerbesender.
Sie berichten nicht mehr.
Sie informieren nicht mehr.
Und ihre Beiträge werden nicht mehr von Journalisten gemacht.
Die Beiträge werden stattdessen kostenfrei übernommen .

Wir appellieren vor allem an die Radiokollegen, solchen Angeboten kritisch zu begegnen und möglichst auf sie zu verzichten beziehungsweise, sie in jedem Fall für die Hörer transparent zu machen.

Komplette Beiträge, die von Unternehmen bezahlt wurden, müssen tabu sein. Sie sind ja quasi vertonte Pressemitteilungen.

Seltsam bloß, dass dann in der Aufzählung von ”Agenturen (z.B. Schlenker PR mit den Plattformen podfm und radioboerse, audioetage, …), die sich für diese Beiträge wiederum von Unternehmen und Verbänden bezahlen lassen“ eine Agentur fehlt: Nämlich die Firma“ Maxmedien“ des nominierten Max Foerster. Denn der ist nicht nur Radiojournalist, sondern bietet Unternehmen unter dem Stichwort Audioproduktion diese Dienstleistung an:

Eine weitere Lösung sind Audio-Presskits.
Hierbei handelt es sich um eine für den Hörfunk gefertigte Presse-CD.
Der Vorteil: Radiostationen haben keinen Produktionsaufwand, sondern können die redaktionellen Beiträge bzw. Interviews kostenfrei ausstrahlen.

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Hier wird also jemand für preiswürdig befunden, der aus dem Glashaus heraus mit Steinen wirft. Was hat sich die Jury des ”Goldenen Prometheus“ wohl dabei gedacht?

P.S. Stefan Niggemeier berichtet heute über den ”Horizont“-Award ”Medienfrau des Jahres“ an Anke Schäferkordt. Die RTL-Chefin, sagt RTL, habe zwar an ihrer eigenen Wahl nicht teilgenommen, sitzt aber regulär in der Jury.

Nachtrag am 23. Dezember:

Da mir inzwischen vorgeworfen wurde, ich hätte diesen Blogeintrag unter Umgehung eines Hinweises auf meine Mitgliedschaft in der MediumMagazin Jury ”Journalist des Jahres“ geschrieben, hier nochmal deutlicher  folgende Hinweise:

1. Ich bin Jury-Mitglied des MediumMagazin-Preises ”Journalist des Jahres“. Das ging auch vorher schon aus meiner ganz oben verlinkten Meldung ”MediumMagazin wählt Journalisten des Jahres“ hervor.

2. Das MediumMagazin hat mit diesem Blogeintrag nichts zu tun. Ich habe diesen Eintrag als freie Journalistin geschrieben auf Grundlage frei im Internet zugänglicher Quellen.

Nachtrag vom 20. Januar 2009:

Fair Radio hat den ”Goldenen Prometheus“ nicht bekommen. Radiojournalistin des Jahres wurde
Anke Leweke von Deutschlandfunk und Radio Eins für ihre Kinokritiken.

MediumMagazin wählt ”Journalisten des Jahres“

Malte Arnsperger, „stern“-Reporter und Mitglied der Reportage-agentur „Zeitenspiegel“ sowie Markus Grill, Reporter des „stern“, sind für ihre gemeinsame Recherche zum Lidl-Überwachungsskandal von einer rund 50köpfigen Jury der unabhängigen Fachzeitschrift „medium magazin“ (Frankfurt/Main) zu den „Journalisten des Jahres 2008 “ gewählt worden. Gewürdigt wurde außerdem die  „beispielhafte zukunftsorientierte Teamleistung im Journalismus durch eine perfekte Online- und Print-Abstimmung.“

Zur „Redaktion des Jahres 2008“ wählte die „medium magazin“-Jury die „Berliner Zeitung“ für das Bemühen, ”allen widrigen Umständen im eigenen Verlag wie auf dem hart umkämpften Berliner Zeitungsmarkt zum Trotz“ ein lesenswertes Blatt zu machen.

In den zehn  Fachkategorien der „Journalisten des Jahres 2008 “ siegten als:

1.    „Chefredakteur des Jahres“: Steffen Klusmann, „Financial Times Deutschland“
2.    „Politikjournalist des Jahres“: Claus Kleber, Leiter und Moderator des „heute journal“ (ZDF)
3.    „Wirtschaftsjournalist des Jahres“:  Roland Tichy, Chefredakteur der „WirtschaftsWoche“
4.    „Kulturjournalist des Jahres“:  Arno Luik, Autor des „stern“
5.    „Sportjournalist des Jahres“: Jens Weinreich, freier Journalist und Blogger,.
6.    „Unterhaltungsjournalist des Jahres“: Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig, Journalist und Kabarettist (“Pelzig unterhält sich“/ARD, Bayrischer Rundfunk)
7.    „Wissenschaftsjournalist des Jahres“: Hans-Hermann Sprado, Herausgeber „P.M.“-Gruppe
8.    „Reporter des Jahres“: Beat Balzli, Frank Dohmen, Klaus-Peter Kerbusk, Thomas Schulz für das Reporter-Team des „Spiegel“, die für die Aufdeckung des Datenschutz-Skandals bei der Telekom verantwortlich zeichneten.
9.    In der Kategorie Lokaljournalismus geht der Preis als „Lokaler Chefredakteur 2008“ an Arno Makowsky (Chefredakteur „Abendzeitung“, München“). Und das Reporterteam von Josef-Otto Freudenreich, Meinrad Heck, Wolfgang Messner („Stuttgarter Zeitung“) und Rainer Nübel  (Agentur „Zeitenspiegel“) sind die „lokale Autoren des Jahres 2008“.
10.    „Newcomer des Jahres: Ute Frieling-Huchzermeyer, Chefredakteurin der Zeitschrift „Landlust“

Den Sonderpreis „Lebenswerk“ erhält in diesem Jahr der Fernsehjournalist Gerd Ruge (80), der langjährige Auslandskorrespondent der ARD sowie u.a. Mitbegründer und Moderator des „Weltspiegels“. Zwei weitere Sonderpreise für außergewöhnliches journalistisches Engagement gehen an:

–    Susanne Fischer, freie Journalistin und Programmchefin des „Institute for War and Peace Reporting“ (IWPR) – „für Ihren Mut unter hohen persönlichen Risiken“ im Irak und  Syrien zu ermitteln.

–    Jakob Augstein, Journalist, Verleger und Gesellschafter des Spiegel-Verlags – „für seinen Mut, die Wochenzeitung ‚Freitag‘ (Berlin) zu übernehmen“.

Als Blogger sind außer Jens Weinreich auch die Redakteure der ”Riesenmaschine“ unter den Preisträgern : Michael Brake, Kathrin Passig, Aleks Scholz, Holm Friebe, Christian Y. Schmidt, Sascha Lobo, Kai Schreiber und Martin Baaske. Dritter Platz in der Kategorie “Unterhaltungsjournalist des Jahres“.

Der „medium magazin“-Preis „Journalist des Jahres“ wird seit 2004 verliehen. Preisträgern waren bisher u.a. Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, Alice Schwarzer, Herausgeberin von „Emma“, Michael Ebert und Timm Klotzek, Chefredakteure der G+J-Zeitschrift „Neon“ sowie Stefan Niggemeier, freier Journalist und Blogger. In der rund 50-köpfigen Jury sitzen Medienexperten und  Medienjournalisten sowie die ”medium magazin“ Redaktion, deren Mitglied ich bin. Die Preise werden am 16. Januar 2009 in Berlin verliehen. Die Liste mit allen gewählten „101 Journalisten des Jahres“ und den Begründungen der Jury erscheint in „medium magazin“ 1+2/2009.