In der Grotte verharren hilft dem Journalismus nicht weiter – Antwort auf Miriam Meckel

Wer “In der Grotte der Erinnerung” sitzt, läuft Gefahr, darin zu verharren, anstatt sich mit offenen Augen der Zukunft zuzuwenden. Diesen Fehler begeht Medienprofessorin Miriam Meckel in ihrem Essay in der FAZ. Meckel schreibt:

Bislang ist es der Journalismus, der die Menschen mit Neuigkeiten aus der Welt versorgt, sie durch gut recherchierte und erzählte Geschichten interessiert und fasziniert. Das bringt zum Beispiel nicht nur dem Leser einer Tageszeitung oft ein Lesevergnügen, es sorgt auch für die soziale Synchronisation unserer Gesellschaft. […] Das Internet hat dem professionellen Qualitätsjournalismus einen bunten Strauß an publizistischen Aktivitäten an die Seite gestellt, bei dem Amateure zu Autoren werden, die eine subjektive, volatile und momentorientierte Berichterstattung praktizieren.

Mal abgesehen davon, ob “die” Gesellschaft nicht eher durch Fußballübertragungen, ”DSDS” und keineswegs gut recherchierte und erzählte Geschichten in der ”Bild” synchronisiert wird –  wer sagt denn, dass es dem Journalismus zwangläufig schlecht bekommen muss, wenn sich im Netz Profis die publizistische Bühne mit Amateuren teilen? Wenn nun hinterfragt wird, ob Qualitätsjournalismus nicht zum Beispiel auch kollaborativ im Zusammenspiel mit Nutzern entstehen kann? Besteht nicht momentan vielmehr eine Chance, aus erstarrten Medienstrukturen auszubrechen, die keineswegs nur den neuerdings so oft beschworenen Qualitätsjournalismus hervorbringen, sondern auch viel zu viel Mittelmaß und Gleichförmigkeit?

In Miriam Meckels Überlegungen gibt es nur ein Entweder – Oder. Entweder Journalismus finanziert sich auch weiterhin über Medienunternehmen als Mittler, die Werbeplätze und Abos verkaufen, Journalisten bezahlen und damit indirekt Journalismus finanzieren oder der Qualitätsjournalismus verschwindet.

In Ariana Huffingtons Modell eines stiftungsfinanzierten Journalismus sieht Meckel keine Lösung, denn dann würden nur Themenbereiche abgedeckt  für die sich auch Stifter fänden. Andere Modelle erwähnt die Medienprofessorin (bewusst?) gar nicht erst. Damit lässt sie eine ganze Reihe interessanter Experimente, relevanten Journalismus im Netz zu finanzieren, unter den Tisch fallen. Diese Ansätze entstehen aber gerade vor allem in der anglo-amerikanischen Medienlandschaft, die am meisten unter Druck steht, und sie verdienen Beachtung. Eine kleine Auswahl:

  • Der Journalist David Cohn hat in San Francisco die Plattform Spot.Us gegründet. Auch hier werden Spenden gesammelt, aber nicht über eine Stiftung. Bürger können Themen und Recherchen, die ihnen wichtig sind (und die z.B. der oft bräsige San Francisco Chronicle nicht abdeckt), vorfinanzieren. Die Geschichten werden auf der Plattform veröffentlicht. Wenn klassische Medien die Berichte übernehmen, zahlen sie dafür Honorare und die Spender/ Investoren bekommen ihr Geld zurück. Die Anfänge sind vielversprechend. Es bleibt zu hoffen, dass sich das Modell möglichst bald als tragfähig erweist, denn San Francisco könnte schon bald die erste amerikanische Großstadt ohne eigene Tageszeitung sein.
  • Chicago Now, ein neues Projekt der Chicago Tribune, das im Sommer starten soll, versucht, Journalismus in einer weniger statischen und geschlossenen Form anzubieten. Statt fertige Texte und Videos  ins Netz zu stellen, dienen Themen als Rohstoff, an deren Weiterentwicklung die Community gemeinsam arbeitet.
  • Ein ähnliches Modell betreibt der Schweizer Journalist Jürg Vollmer seit kurzem mit seiner für fünf Jahre von Investoren aus dem Bildungssektor finanzierten Osteuropa-Plattform CEEkom, deren Kern ein ”Social Media Newsroom” ist. Journalisten, Bürger und Experten können an dieser Plattform mitarbeiten. Mehr dazu in meinem Interview mit Vollmer.
  • Die New York Times und der britische Guardian experimentieren mit offenen Schnittstellen. Kerngedanke: Journalismus muss sich davon verabschieden, nur auf geschlossenen Plattformen stattzufinden. Webnutzer sollen interessante Inhalte überall dort mit hinnehmen, einbinden und diskutieren können, wo sie sich bevorzugt aufhalten, z.B. bei Facebook.

Diese unterschiedlichen Ansätze haben eines gemeinsam: Sie stellen die Interessen und Netzgewohnheiten der Nutzer in den Mittelpunkt und ermöglichen, dass etwas radikal Neues entsteht. Dabei wird zugelassen, dass die gängige Auffassung von Journalismus (die Redaktion entscheidet, worüber berichtet wird, der Leser konsumiert die gefilterte Nachrichten- und Themenlage) auf den Kopf gestellt wird. Nutzer entscheiden nun, worüber berichtet, was überhaupt finanziert werden soll. Ihre Expertise, ihr Engagement wird viel ernster genommen und bewirkt viel mehr, als ein Kommentar unter einem fertigen Artikel, den der betreffende Autor im Zweifelsfall nicht einmal liest.

Auch in einem weiteren Punkt greift Frau Meckels Essay viel zu kurz:

Ein Großteil der Inhalte, die in Weblogs und auf Social Networking Sites präsentiert und diskutiert werden, stammen aus der Recherche und Publikation der traditionellen Medien. Ohne deren Angebote wären viele Weblogs inhaltlich eine wüste Ödnis. […] Wie in einer Dienstleistungsgesellschaft, in der sich alle nur noch gegenseitig die Haare schneiden, bereiten wir am Computer die Informationen der anderen aus dem Netz neu auf, gefangen in einer Zeit- und Inhaltsschleife der fortwährenden Reproduktion und Rekombination des immer Gleichen.

Wird nicht eher umgekehrt wird ein Schuh daraus? Ein immer größerer Anteil von Journalismus hat seinen Ursprung in Blogs von Experten und engagierten Bürgern, bevor klassische Medien mit teilweise erheblicher Verzögerung und inhaltlicher Vereinfachung Themen aus dem Netz aufgreifen – zuletzt gut zu beobachten am Beispiel der Netzsperren von Ursula von der Leyen. Eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema abseits von Politikerverlautbarungen findet vor allem im Web statt. Nur wenige Medien, darunter Die Zeit, haben inzwischen mit eigenen guten Texten nachgezogen.

Und nicht zuletzt begeht Miriam Meckel einen weiteren Denkfehler, wenn sie einen Graben zieht zwischen  klassischen Journalisten und neuen Netzpublizisten. Das Internet eröffnet Chancen vor allem für freie Journalisten, ohne Umweg über Verlage und Medienkonzerne als Auftraggeber direkt zu publizieren und ihren Markenwert als Autoren, Referenten, Moderatoren oder Berater zu steigern.

Profi-Journalisten werden nicht plötzlich zu Amateuren, wenn sie ohne einen Auftraggeber im Rücken im Netz publizieren. Ebensowenig wie vor allem die Lokalseiten von Regionalzeitungen mit professionellem Journalismus gefüllt sind, wenn sie von pensionierten Lehrern uind Vereinsprotokollführen vollgeschrieben werden. Und auch unter den nicht-journalistischen Blogs finden sich publizistische Perlen, die wir nie entdeckt hätten, wenn sie nicht im Netz plötzlich eine Stimme bekommen hätten.

All das unterschlägt Frau Meckel völlig. Verlagslobbyisten werden ihren Essay mit Genugtuung lesen, denn er liefert ihnen Futter für ihre Argumentationslinie, sie bräuchten eine Kulturflatrate, Leistungsschutzabgabe oder eine Mehrwertsteuerbefreiung, um auch künftig Qualitätsjournalismus finanzieren zu können. Was sie damit meinen: Um Kompensation für wegbrechende Einnahmen zu haben. Für die spannende und gerade erst beginnende Debatte, ob es für Qualitätsjournalismus im Netz die Mittelsmänner der Medienkonzerne überhaupt noch braucht und wenn ja, in welcher Form und in welchem Ausmaß – dafür liefert Meckels Beitrag keine Anstöße. Dafür empfehle ich diese beiden lesenswerten Texte von Ottfried Jarren bei Carta und Andreas Göldi bei netzwertig.

30 Antworten zu “In der Grotte verharren hilft dem Journalismus nicht weiter – Antwort auf Miriam Meckel

  1. Ein wirklich gelungener Artikel. Danke.

  2. Sehr gutes Posting! Schätze, @bjoern und ich werden hierzu antworten🙂

  3. Nur zu, ich bin gespannt!

  4. Zu den Schnittstellen: So gut diese bei Facebook oder dem iPhone funktionieren und eine phänomenale Fülle an Anwendungen schaffen konnten, so wenig hört man von kreativen Lösungen an den Schnittstellen des Guardian oder der NYT. Oder ist Dir da mehr bekannt?

  5. Das wirklich Erstaunliche an Meckels Text und seiner Rezeption ist, dass man ihn offenbar auf zwei komplett unterschiedliche Arten verstehen kann. Entweder als flammendes Plädoyer für den Erhalt des Journalismus in seiner traditionellen Form. Oder aber als Appell an die Journalisten, sich den Veränderungen zu stellen, die die Strukturkrise der Medienbranche in Gang gesetzt hat.

    Meckel wünscht sich ja keine Welt ohne die Beteiligung aller im Internet. Sie wünscht sich vielmehr eine Welt, in der Journalisten sich ihrer Rolle und Bedeutung bewusst werden und mit den Instrumenten des professionellen Journalismus Inhalte erfassen, aufbereiten und wiedergeben.

    Wenn man in ihrem Text die Formulierung des „traditionellen Journalismus“ durch „professionellen Journalismus“ ersetzt, spricht aus dem Text doch ein Appell, den sich jeder Journalist an den Bildschirm hängen muss.

  6. Soso die Schnittstellen.Und wie wird das bezahlt?Ach und die freien Mitarbeiter,was verdienen die denn?Texte wie diese kommen immer von Leuten ohne Job,die hoffen sie werden gebraucht,wenn die anderen pleite sind.verrueckt:wer wuerde je ernsthaft fuer buergerjournalismus zahlen?die taz commuity ? buergerjournalismus zahlen.der wird im bes

  7. Vielen Dank für den interessanten Beitrag und v. a. für den Satz „Profi-Journalisten werden nicht plötzlich zu Amateuren, wenn sie ohne einen Auftraggeber im Rücken im Netz publizieren“. So isses. Oft wird künstlich ein Gegensatz aufgebaut: hier die Journalisten (die Profis), da die Blogger (die Amateure), der mit der Realität nicht viel zu tun hat.

  8. @Matthias Schwenk:
    Ein Beispiel für eine NYT-Schnittstelle ist die Plattform Politico – ein location-based service, mit dem Nutzer nachvollziehen könne, was ihre Lokalpolitiker sagen und tun. Hier haben kreative Leute aus der NYT selbst eine Anwendung programmiert. Mehr dazu bei Mediashift: http://is.gd/nVaQ Einige Beispiele für Guardian Anwendungen findest Du z.B. hier: http://is.gd/rDx7

    Ich bin selbst gespannt, was da in der nächsten Zeit noch kommen wird. Die Guardian Schnittstelle ist ja noch keine zwei Monate alt und allzuviel hat man von kreativen Ideen, die darauf aufsetzen, in der Tat noch nicht gehört.

    Meine Beispielliste soll auch keineswegs definitiv sein. Ich habe einfach aufgelistet, was mir zuerst in den Sinn kam. Gemeinsam ist diesen Ansätzen, dass sie allesamt von den Interessen der Nutzer her gedacht sind. Erwähnenswert sind aber sicher auch z.B. die hyperlokalen Community-Projekte oder das neue BBC-Projekt, bei dem Nutzer ein Webvideo legal zu Clips verarbeiten dürfen. http://is.gd/rDx7

    @Pohl
    Wie kommen Sie darauf, dass ich ”ohne Job“ bin? Danke für die mitleidsvolle Annahme, sie ist aber falsch. Ich habe genug bezahlte Aufträge, ohne dass ich darauf geiern muss, dass andere aus dem Markt ausscheiden.

  9. Der zweite Link soll heißen: http://is.gd/uQ1K

  10. @Ulrike Langer: Hat die FAZ auch ihren Link in den Kommentaren zum Artikel entfernt?
    Meinem Beitrag zur Diskussion ( http://blogts.wordpress.com/2009/05/12/der-grose-online-stempel/ ), getippt und auch gleich kommentiert-verlinkt, wird keine Verlinkung gewährt.

    Wie kann man über die Zukunft des Journalismus schreiben, wenn man eine Kommentarfunktion freihält von Links?!

    Davon ab trifft Ihr Beitrag genau den Punkt: Die Zeit hat mit dem erwähnten Artikel bewiesen, dass sie zumindest zum Teil den Zeitgeist versteht bzw. drinsteckt.
    Dass anderen Modellen eine Chance gegeben werden muss (die Frau Meckel nicht sieht), ist genauso wichtig zu betonen, dankeschön!

  11. @Felyx:
    Ja, bei mir wurde auch ein Link entfernt. Das war mir vorher nicht klar, sonst hätte ich gar nicht erst kommentiert. Mache ich nämlich aus Prinzip nicht mehr auf Portalen, die keine Links erlauben. Dafür hat @FAZnet aber einen Hinweis mit Link auf meinen Blogpost getwittert, was ich wiederum sehr nett und souverän fand. Nehme an, das war ein anderer Redakteur.😉

  12. Ich muss Miriam Meckel insofern zustimmen, als dass doch ein großer Teil des Bloggens nichts als das Weitertragen von Informationen anderer ist. Ob die nun aus „klassischen Medien“ oder wiederum Blogs kommen, spielt dabei erstmal keine Rolle.

    Gut recherchierte Geschichten mit Tiefgang oder Reportagen, die mir „normale“ Menschen und ihren Alltag wirklich näher bringen, habe ich in der Tat in der Blogosphäre bislang noch nicht entdeckt. Wenn jemand ein Gegenbeispiel hat, immer her damit.

  13. @Ulrike Langer Danke für den Hinweis. Unbefriedigend, das FAZ-Vorgehen, zumindest für mich…😉

    @Carolin Neumann Das wird auch nicht unbedingt bestritten. Doch „klassische Medien“ berichten ja genauso über das, was andere verlautbaren lassen. Jeder Kommentar zu Äußerungen zu Guttenbergs (z.B. http://www.opensourcepr.de/2009/05/08/wenn-politiker-nicht-zuhoren/ ) ist doch „Weitertragen“. Ob Tagesthemen oder Blogbeitrag.

    Und soetwas hier http://blog.handelsblatt.de/indiskretion/eintrag.php?id=2111 ist schon ein netter Einblick.

    Oder Sascha Lobos Interview mit Franziska Heine http://saschalobo.com/2009/05/05/interview-mit-franziska-heine-hauptpetentin-der-epetition-gegen-netzsperren/

    Dass eine extra-lange und -breite Geschichte von Berufsjournalisten kommen kann und mehrheitlich evtl. auch kommen sollte, bestreitet ja keiner. Doch muss der „Qualitätsjournalismus“, wie er sich nennt, die Blogosphäre verteufeln, um zu überleben? Das ist arm.

  14. @Carolin Neumann:

    Informationen anderer weitertragen, ist aber doch geradezu die Definition von Journalismus🙂 Ohne Informanten kommt nur aus, wer einen Selbsterfahrungsbericht schreibt. Ich ahne aber, was Du meinst: Ich stimme Dir zu, dass viele Blogger einfach nur schnell ein Video oder ein Foto verlinken und glauben, dass sei ein kreativer Beitrag. Ignorier sie doch.

    Aber viele Blogs drehen Themen auch weiter und regen Diskussionen an. Klar, könnte man argumentieren, dass auch dieser Blogpost nur aufgreift, was Miriam Meckel schreibt. Ich gebe aber nicht bloß wieder, was sie schreibt, sondern setze mich inhaltlich damit auseinander. Von dieser Debattenkultur lebt das Netz doch. Und das erkennen allmählich auch klassische Medien. Bestes deutsches Beispiel: Der Freitag.

    Zu Blogs von „normalen Leuten“ – es gibt sie, und die guten Blogs haben auch nicht nur den banalen Katzencontent. Nur bin ich die Falsche, um aus dem Stehgreif danach gefragt zu werden, da ich fachlich und nicht privat blogge, und auch fast ausschließlich Fachblogs lese.

    Na, ja, zwei fallen mir doch spontan ein:

    Dieses Blog hier aus dem Alltag einer ALS-Kranken hat im letzten Jahr den Publikumspreis beim Grimme Online Award gewonnen: http://www.sandraschadek.de/

    Das hier ist eine wunderbare Mischung aus Kochrezepten und persönlichen Beobachtungen:
    http://nachdienstschluss.tumblr.com/

  15. Ich glaube, Meckel charakterisiert die Schwaechen der Blogs und technisch basierter Nachrichten ganz gut. Es wird im Netz vor allem über das geschrieben, das vor der eigenen Haustür liegt. Was natürlich mit der finanziellen Ausstattung zu tun hat. Da werden auch Modelle wie Spotus nur regional wirken.
    Das Beispiel mit den von der Leyenschen Web-Blockaden ist ja ein Beweis dafür, dass das web vor allem bei Webthemen seine Stärke entwickelt. . Ein wichtiges Web-Thema über das man sich schon deshalb im Netz besser aber natulich auch parteiischer Infomieren kann. Gerade bei der ZEIT kursierte früher der Spruch: „Wer recherchiert ist Meinungsschwach“. Das hat sich bei der ehrwürdigen Wochenzeitung zum Glück geändert. Wo aber sind im Netz die großen Erklär- und Recherche-Stücke bei denen der Leser in ein Thema oder eine Weltregion geführt wird und nicht gleich eine vermeintliche Expertensicht des Autors um die Ohren gehauen bekommt? Es gibt sie sicher, nur ich habe sie noch nicht gefunden. Womit wir beim nächsten Problem des World Wide Web wären: Es gibt noch immer zu wenige Knotenpunkte der Information. Das sind alles keine Argumente für Verlage, aber für Journalismus egal ob analog oder digital. .

  16. Sehr schön, Ulrike!
    Ich hatte mir heute mal allein Miriams lange Beschreibung/Definition von Qualitätsjournalismus Satz für Satz vorgenommen.
    (Auf das normale Rumhacken auf dem Internet hatte ich nichtmal mehr Lust zu reagieren. Und hätte auch nie gedacht, daß sie so denkt. Dachte, sie wäre ein wenig moderner und offener für Neues.)

    „Miriam Meckel meckert – und irrt“
    http://ralfschwartz.typepad.com/mc/2009/05/miriam-meckel-meckert-und-irrt-.html

  17. @Benno Stieber:
    Ich bin völlig Deiner Meinung. Ich wünsche mir schon aus purem Eigeninteresse einen tragfähigen und finanzierbaren Journalismus im Netz. Ich nehme den Verlagen aber die plötzliche Sorge um den Qualitätsjournalismus nicht ab. Verlage hatten über ein Jahrzehnt Zeit, darüber nachzudenken und Modelle für einen relevanten und zukunftsfähigen Journalismus im Netz zu entwickeln. Das hatte aber keine Priorität, funktionierende Klickstrecken waren wichtiger. Jetzt auf einmal, wo die alten Geschäftsmodelle zusammenschrumpfen, muss die neuentdeckte Rettung des Qualitätsjournalismus dafür herhalten, um die Gesellschaft weichzuklopfen für neue Einnahmequellen. Die Varianten werden ja schon durchgespielt.

    @Ralf Schwartz:
    Wissen wir denn, was Frau Meckel wirklich denkt? Wir wissen nur, was sie schreibt.

  18. Ich selbst schreibe ja immer, was ich denke. Macht für alle Beteiligten mehr Sinn.
    Und ich selbst muß mir nicht so viele Varianten für die unterschiedlichen Zielgruppen merken😉

    Ich denke ja, daß dies nun eine schöne Marktbereinigung gibt und dann die übrigbleiben, die most fitting sind sich also am besten an die neuen (und noch zu schaffenden) Gegebenheoten anpassen können oder ihnen sogar vorangehen.
    Aber eine Kulturflat, etc. brauchen wir nicht. Das hat bei ARD und ZDF auch nicht geholfen …

  19. Du bist sehr dumm.

  20. ich argumentiere gar nicht für ein entweder/oder. ich argumentiere für komplementarität (und möchte als jemand, der selbst ein weblog hat, twittert und andere vorzüge der social media nutzt, auch auf all das gar nicht verzichten). aber die diskussion geht ja anders: einige thesen laufen darauf hinaus, dass wir den journalismus nicht mehr brauchen. da widerspreche ich vehement. ich möchte in einer gesellschaft leben, die sich recherche und kreativität in der hauptsache (auch ökonomisch) leistet. das gilt für den journalismus ebenso wie für die literatur und die musik.

  21. Wenn Du, liebe Miriam, aber schreibst: „Er muss seine Kunden überzeugen, dass journalistische Qualität einen sozialen Wert hat, der wiederum eines materiellen Gegenwerts bedarf. Und dafür muss eine Gesellschaft bezahlen.“, dann versteht man darunter, daß die Gesellschaft als Ganzes bezahlt, nicht der Einzelne.
    Die Gesellschaft aber muß all das subventionieren, was auf sich gestellt nicht mehr ökonomisch tragbar ist und nur noch Unterhaltung einer Elite ist (Theater, Oper, etc.) oder Zirkus für die Massen (ARD/ZDF). Für beides ist der Journalismus nicht geeignet, denn seine Aufgabe ist ja evolutionär die, die Du beschreibst, es sei denn, er würde dazu degradiert. Dann würde er aber auch ökonomisch keine Rolle – und gewiß keine Rolle als 4. Gewalt – mehr spielen können, sondern noch stärker Spielball der Politik werden und nicht mehr zur Vervollkommnung der Gesellschaft durch Wissen beitragen (wie früher).
    (Den Journalismus auf eine ’soziale‘ Aufgabe zu reduzieren ist entsprechend gefährlich.)

  22. @Miriam Meckel,
    Sie argumentieren rein idealistisch. Wer kann schon gegen Recherche und Kreativität sein? Aber wäre es nicht schon seit Jahren Aufgabe der Verlage gewesen, Ideen und Modelle zu entwickeln, damit Recherche und Kreativität im Netz entstehen und finanziert werden können? Die Verlage haben die Entwicklungen im Web jahrlang verschlafen und einige rufen nun nach dem Staat.

    Ich finde es auch nicht gerechtfertigt, wie Sie es in Ihrem Essay tun, traditionellen Journalismus ohne weitere Erläuterung mit Qualitätsjournalismus gleichzusetzen und zu behaupten, ohne klassische Medien gebe es nichts Neues. (In den USA waren es Blogger, die vor allem in den ersten Jahren der Ära Bush jr. als Mahner, Beobachter und Aufdecker in die Bresche gesprungen sind, weil die klassischen Medien bis hin zur New York Times in Ihrer ureigensten Rolle kläglich versagt haben.)

    Was mich interessieren würde: Was meinen Sie damit, eine Gesellschaft müsse den Qualitätsjournalismus finanzieren? In welcher Form? Per Zwangsabgabe oder freiwillig? Was sind die Kriterien für Qualitätsmedien? Wer soll sie festlegen? Wer über ihre Einhaltung wachen? An dem Punkt, wo die spannende Debatte gerade erst beginnt, hört Ihr Essay leider auf.

  23. Meine Anregungen zum Kommentieren:
    1. Wir brauchen Konzepte für die Print- und einen Online-Medien.
    2. Wir brauchen Journalisten, die das umsetzen können.
    3. Wir brauchen Offenheit, Ideen und viele Mitdenker, die Neues entwickeln, neue Strukturen zulassen, neue Partner ins Boot holen, Bürger mitmachen lassen, und den Mut, vieles zu testen und sich an das, was einmal in Zukunft Journalisten und andere über Medien dem Bürger vermitteln, mühsma erarbeiten wollen.
    4. Wir brauchen Verleger, die den Mut und die Kreativität haben, sich diesem zu öffnen.
    5. Wir brauchen Geschäftsmodelle, die genügend abwerfen, um das zu finanzieren.
    6. Wir sollten nicht übereinander sondern miteinander kommunizieren – Journalisten, Verleger, Ideengeber, Mitmacher.

  24. Pingback: Zum Thema ‘Qualitäts-Journalismus’: Unbedingt ‘Lesenswert’! « BAYARTZ-Blog

  25. @Hans
    Gehe bei allem d’accord.
    Und wir benötigen
    7. Eine Defiition von Qualitätsjournalismus, damit wir nicht aneinander vorbeireden,
    8. Eine Konzentration auf Inhalte, denn die werden sich erstmal von heutigem Boulevard-Status stark verändern/weiterentwickeln müssen, um dann mit den individuellen/neuen Medien-Möglichkeiten Verbreitung und Akzeptanz im Sinne von erfolgreichen Geschäftsmodellen zu finden.

  26. Ich bin einverstanden, wenn etwas unklar ist, muss man es definieren, damit man Klarheit bekommt – insofern hatte ich auf mein Blog (www.blog.bayartz.de) schon etwas weiter ausgeholt (2. Wir brauchen Journalisten, die das dann quailitativ hochwertig umsetzen können – Orientierung gibt, Hintergründe erläutert, sich offen und transparent darstellt und ausreichend recherchiert ist.)

    Und der Punkt 8. ist auch ok, wenn man sich zu Qualität geeinigt hat….

    Gruss
    HB

  27. Die ständige Behauptung, Blogs würden nur aus anderen Quellen zitieren, finde ich immer wieder unterhaltsam. Weil sie die Realität der Medien negiert: Weite Teile einer Zeitung, ja, oft genug die weitesten Teile, bestehen aus Zitaten anderer Medien. Angefangen bei Nachrichtenagenturen bis hin zur Zitierung von Exklusivgeschichten anderer, klassischer Medien. Blogs werden selten zitiert – die schreibt man einfach so ab.

  28. Für die, die es interessiert, ein kleiner Hinweis auf eine Studie, die sich mit dem Thema Blogs und reguläre Medien beschäftigt. Hier geht’s zur Pressemitteilung „Political Blogs More Credible than Newspapers, Say Those Who Read Both“: http://www.newswise.com/articles/view/552342/?sc=lwtr;xy=5014525
    Es geht nicht um Finanzierbarkeit, sondern um politischen Journalismus in den USA in Blogs vs. traditionelle Medien.

  29. @Ingrid Glomp
    Nicht ohne weiteres auf die deutsche Medienlandschaft übertragbar, aber eine interessante Studie. Danke für den Hinweis!

  30. Pingback: Die Zukunft des Journalismus kann keine privatwirtschaftliche sein « TV… und so

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