CEEkom – ein neues Portal mit Social Media Newsroom für Osteuropa-Themen

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Seit heute steht CEEkom, das neue schweizer Portal für Russland- und Osteuropa-Themen in einer Beta-Version online. Kernstück von CEEkom ist der erste schweizer Social Media Newsroom. Über CEEkom, die Merkmale und die Vorteile eines Social Media Newsrooms und die Chancen, die sich aus diesem Projekt für klassische Medien ergeben, habe ich mit dem Initiator und Betreiber Jürg Vollmer gesprochen. Er ist Journalist, Social Media- und Osteuropa-Experte und betreibt auch das Blog Krusenstern.

Was ist ein Social Media Newsroom?vollmer_juerg_podcaster_1

Jürg Vollmer: Als Erklärung benutze ich immer das Bild vom iPhone. Ein Social Media Newsroom ist im Prinzip nichts andres als ein iPhone im Internet, das Social Media Anwendungen wie YouTube, Flickr, Twitter etc. auf einer Seite übersichtlich zusammenfasst und  Verbindungen schafft.

Sie haben den ersten schweizer Social Media Newsroom als ein Referenzprojekt für ihr neues Osteuropa-Portal CEEkom entwickelt. Was bedeutet CEEcom?

Central and Eastern Europe Communications  und gleichzeitig auch Center of Eastern European Studies Communications.

Warum bietet sich gerade für dieses Projekt ein Social Media Newsroom an?

Aus zwei Gründen: Erstens, weil CEEkom ganz neu ist. Und zweitens, weil die deutschsprachigen Medien sehr wenig über Russland und Osteuropa berichten. Anstatt diesen Zustand nur zu beklagen, wollte ich etwas dagegen tun. Die einen haben das Geld, die anderen haben die Verbindungen nach Russland. Wir bringen beides zusammen.

Was sind die Social Media Merkmale von CEEkom?

Der Social Media Newsroom ist der kollaborative Teil des Portals CEEcom, mit eigenen Hintergrund-Dossiers, Pressemitteilungen und Medienreaktionen, die wir verlinken. Im Newsroom haben wir jetzt zum Start ein erstes kleines Dossier zum Thema Boris Pasternak ins Netz gestellt. Anlass ist ein neues Buch in Russland, das zu einem Skandal führte, weil es enthüllt, was 1958 alles passierte rund um Pasternak und den Literaturnobelpreis. Journalisten, Slavisten und interessierte Nutzer können an diesem Dossier mitschreiben.

Wie groß ist die Redaktion?

Die Redaktion besteht momentan nur aus mir. Später wird noch ein weiterer Kollege aus der französischsprachigen Schweiz dazukommen, damit wir auch für die Westschweiz und Frankreich ein Angebot haben.

Nennen Sie bitte ein konkretes Beispiel dafür, wie bei CEEkom kollaborativ journalistisch gearbeitet wird.

Wir werden zum Beispiel einen Journalisten engagieren, der – von uns voll bezahlt – nach Novosibirsk reist und dort für ein oder zwei Monate zum Thema Wirtschaft recherchiert. In der Redaktion wird dann aus den Recherchematerialien ein multimediales Dossier mit Texten, Fotos, Videos, Podcasts und Powerpoint-Präsentationen zusammengestellt. Das Ganze wird dann unter einer Creative Commons auf unsere Plattform gestellt. Die Medien, ob ein Lokalsender in Köln oder eine Zeitung in Lausanne, können sämtliche Materialien kostenlos übernehmen. Wir werden nicht unterscheiden zwischen kommerzieller und nicht-kommerzieller Nutzung.

Das wäre dann ein kostenfreies Agenturmodell. Was ist das Kollaborative daran?

Die Ergebnisse und auch schon die Recherchen sind multimedial mit Flickr, Twitter, Facebook, LinkedIn und so weiter vernetzt.

Wie sieht das konkret aus?

Nehmen wir das Beispiel Novosibirsk. Unser Korrespondent wird laufend über unseren Twitter-Account CEEkom berichten, dass er Interviews führt mit dem Gouverneur, dem Unternehmer einer großen Holzfabrik, mit dem regionalen Repräsenanten der transsibrischen Eisenbahn und so weiter.

Können sich Twitter-Follower oder Facebook-Friends einschalten und Anregungen geben?

Ja. Sie können Tipps geben für Interviewfragen, oder für Quellen, wo man vielleicht noch bessere Informationen bekommt. Das ist nämlich immer ein kleines Problem in Osteuropa. Wir werden auch Live-Chats mit wichtigen Gesprächspartner ermöglichen, in die sich jeder Interessent einschalten kann. Mitte Mai wird es voraussichtlich den ersten Livechat mit dem Gouverneur in Novosibirsk geben.

Wer finanziert das Projekt?

Die Träger des gemeinnützigen Vereins CEEkom sind neben privaten schweizerischen Mäzenen die Esperia-Stiftung in Zürich, das künftige Osteuropa-Center einer schweizerischen Universität sowie eine nationale Fachbehörde für universitäre Bildung und Forschung. Die Namen dieser Organisationen können wir aber erst Mitte Mai offiziell verkünden. Das sind alles schweizer Bürger und Organisiationen. Auf osteuropäische Organisationen haben wir bewusst verzichtet, um Einflussnahmen zu unterbinden und weil sonst jeder sofort sagt, dass wir von einer Regierung bezahlt würden oder die fünfte Kolonne Moskaus seien.

Wie hoch ist das Budget?

Wir haben jeweils 550.000 Schweizer Franken, also rund 360.000 Euro, für zunächst fünf Jahre zur Verfügung.

Wer ist die Zielgruppe der Plattform – nur Journalisten?

Nein, unsere Zielgruppen sind einerseits Journalisten von Mainstream-Medien – und zwar ausdrücklich nicht nur aus der Schweiz – aber zum Beispiel auch Blogger, die sich dem Thema Osteuropa widmen. Von denen gibt es aber leider nicht allzu viele. Aber  auch Journalistik- oder Slavistik-Stundenten, Historiker, und sämtliche Nutzer, die sich mit Osteuropa-Themen befassen und eine Diskussionmöglichkeit und eine Möglichkeit der Vernetzung suchen. Die Vernetzung ist ein ganz wichtiger Punkt.  In einem nächsten Schritt werden wir auch Osteuropa-Organisationen in Deutschland einbinden, schon jetzt stehen wir mit einigen in Verhandlung.

Funktioniert der Social Media Newsroom auch für andere Themengebiete?

Ja, das funktioniert in ganz verschiedenen Bereichen, in den USA gibt es schon seit zwei, drei Jahren Social Media Newsrooms. Entwickelt wurde das Modell von Todd Defren von der PR-Agentur Shift Communications . In den USA gibt es Social Media Newsrooms vom Amerikanischen Roten Kreuz , Ford oder General Motors Europe . In  Deutschland gibt es beispielsweise die Plattform Wasserbotschafter des Mineralwassers Volvic.

Was sind die US-Erfahrungen mit Social Media Newsrooms und was lässt sich übertragen?

Die Unternehmen und die Nutzer in den USA ticken anders als in Europa. Der Newsroom von GM Europe, zum Beispiel, der von den Amerikanern aufgebaut wurde, ist sehr farbig und enthält wahnsinnig viele Informationen. Ich glaube, dass das in Europa so nicht funktioniert. Das muss hier eher nüchtern und gezielt sein, mit intuitiv zu verstehenden Funktionen, nicht so überladen und ohne Flash-Animationen. So simpel halt wie ein iPhone.

Kann und soll auch Citizen Journalism eingebunden werden?

Das ist möglich. Wir haben die Plattform auf der Basis von WordPress MU aufgebaut, das ist die Netzwerkversion. Wir könnten theoretisch hunderte von kleinen Blogs integrieren. Das dürfte bei diesem Thema aber schwierig sein, weil Osteuropa-Themen ein Riesengebiet ist und wir als Redaktion ja auch die Übersicht behalten müssen.

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Ihrem Ansatz und den Social Media Bestrebungen klassischer Medien – zum Beispiel dem Ansatz der New York Times und des Guardian, über offene Schnittstellen an möglichst vielen Stellen im Internet eingebunden werden zu können?

Gemeinsam ist: Die Zeitungsprojekte und CEEkom nehmen die Nutzer ernst und binden sie ein. Die Nutzer können unser Dossier Novosibirsk mit ihrem Sachverstand verbessern. Wenn zum Beispiel ein Slavistik-Professor wie Ulrich Schmid an der Universität Sankt Gallen mit seinem Wissen daran mitschreibt, dann wird ein solches Dossier hundertprozentig besser, als wenn daran ausschließlich ein Journalist schreibt. Der Unterschied ist, dass für die klassischen Medien das Internet ein zusätzlicher Kanal ist, für uns aber der einzige.

Der aber als Konkurrenz aufgefasst werden könnte…

CEEkom wird ganz klar keine Konkurrenz zu bestehenden Medien sein, sondern ein Komplementärmedium, eine Ressource – auch für die Journalisten. Sie werden nicht ausschließlich auf die Berichte der Agentur-Korrespondenten angewiesen sein, sondern können zusätzliche Informationen und Gespräche direkt mit Fachleuten bekommen. In Nowosibirsk hat meines Wissen auch die dpa keinen Korrespondenten.

Wie sind bislang die Reaktionen der Medien?

Mainstream-Medien sind nicht auf mich zugekommen. Im Vorfeld habe ich aber Gespräche mit Auslandsredaktionen von schweizer Regionalzeitungen geführt. Die Reaktion war sinngemäß überall so: Am Anfang werden wir skeptisch sein, weil das ja plumpe PR aus Moskau sein könnte. Wenn wir aber Vertrauen in die unabhängige Berichterstattung gefasst haben, dann werden wir die Angebote gerne nutzen, weil wir uns damit profilieren können.

Weiterführende Links:

Jürg Vollmers Referat über Social Media Newsrooms beim Blogcamp Switzerland 4 (Krusenstern)

Bastian Scherbeck (Achtung! Kommunikation) im Interview mit Klaus Eck über Social Media Newsrooms (PR Blogger)

Olaf Kolbrück über die PR-Plattform der nächsten Generation: Social Media Newsroom (off-the-record)

Auch der Guardian stellt seinen Content für fremde Webseiten bereit (Medial&Digital)

5 Antworten zu “CEEkom – ein neues Portal mit Social Media Newsroom für Osteuropa-Themen

  1. Pingback: Social Media News Room « BAYARTZ-Blog

  2. Sehr geehrte Frau Langer !

    Sie bezeichnen den Herrn Vollmer in ihrem Beitrag u.a. als einen „Osteuropa-Experten“, erklären Sie doch freundlicherweise, wie sie diese Einschätzung inhaltlich begründen.

    Herr Vollmer behauptet dann in dem von Ihnen mit ihm geführten Interview:
    „die deutschsprachigen Medien sehr wenig über Russland und Osteuropa berichten.“

    Diese Aussage ist so allerdings nicht zutreffend.
    Tatsache ist vielmehr, dass es nur wenige Regionen bzw. Länder gibt über die in den deutschsprachigen Medien so ausführlich berichtet wird wie gerade über Osteuropa bzw. über Russland.
    Worüber man sicher diskutieren könnte, ist die nicht immer vorhandene Qualität bzw. die oft fragwürdige inhaltliche Tendenz der Berichterstattung gerade über Russland, Herr Vollmer stellt diese Frage aber nicht.

    Es mag dem umtriebigen Herrn Vollmer ja nun gelungen sein, sich selbst einen Arbeitsplatz als „Chefredakteur“ zu schaffen, seine Erfahrung als „Fundraiser“ mag mit dazu beitgetragen haben offenbar genügend solvente Spender für sein „Projekt“ zu finden- und wer sein Krusenstern-Blog in den letzten drei Jahren verfolgt hat, der kennt Vollmers Talent zur PR in eigener Sache ja auch nur zu gut, der kennt aber auch seine inhaltliche Oberflächlichkeit bzw. Beliebigkeit, seinen oft fragwürdigen Umgang mit Quellen und seine ungenügende Kritikfähigkeit .

    Was Not tun würde, wäre eine kritische Auseinandersetzung mit den Web-Aktivitäten dieses Herrn, eine solche findet aber kaum statt, stattdessen werden nur zu oft kritische Beiträge über ihn gelöscht, ganze Diskussionen verschwinden aus Weblogs, aus Debatten in Foren werden die entsprechenden Stränge gelöscht etc…

  3. Sehr geehrter ”Admiral Golowko“ oder wie auch immer sie in Wirklichkeit heißen:

    Nachdem Sie mich schon im Vorfeld dieses Blogbeitrags per Email kontaktiert und mir Links zu ellenlangen Kommentar-Diskursen auf anderen Blogs mit vollkommen abstrusen Vorwürfen gegen Jürg Vollmer geschickt haben, war mir klar, dass es nur eine Frage der Zeit sein würde, bis Sie auch hier auftauchen.

    Der Kommentar, den Sie hier hinterlassen haben, ist, ja sogar noch halbwegs sachlich, aber nachdem ich Einblick in Ihre Ergüsse anderswo nehmen durfte, weiß ich wo das hinführen wird und werde mich deshalb auf keine inhaltliche Diskussion mit Ihnen einlassen. Ich werde nicht zulassen, dass Sie mein Blog für Ihren persönlichen Feldzug gegen Jürg Vollmer zweckentfremden.

    Weitere Kommentare von Ihnen werden gelöscht.

  4. Da hier gehäuft Probleme mit unsachlichen Kommentaren auftauchen, ein Hinweis an künftige Kommentatoren:

    Niemand muss CEEkom mögen. Sachliche und konstruktive Kritik ist willkommen. Rumpöbeleien und persönliche Schmähkritik werden dagegen gelöscht. Bisher konnte ich problemlos die Kommentare auf diesem Blog ohne vorherige Prüfung automatisch von der Software freischalten lassen. Es wäre schön, wenn das so bleiben könnte.

  5. Pingback: In der Grotte verharren hilft dem Journalismus nicht weiter – Antwort auf Miriam Meckel « Medial & Digital

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