Gelungener Twitter-Selbstversuch bei jetzt.de

„Twitter-Selbstversuche“ – als solche ausdrücklich benannt und beschrieben – gab es im letzten halben Jahr eine ganze Reihe. Meistens bestanden diese ”Experimente“ aus nicht viel mehr, als dass jemand mal zwei, drei Tage lang anderen beim Twittern zugesehen hat und dann über seine Ratlosigkeit angesichts des Durcheinanders an Belanglosigkeiten schrieb.

Doch nun hat es Dirk von Gehlen, Redaktionsleiter von jetzt.de der Süddeutschen Zeitung,  geschafft, sich selbst und zugleich auch seinen twitternden und nicht-twitternden Lesern  den Microblogging-Dienst wirklich nahe zu bringen. Das liegt vor allem daran, dass von Gehlen sich Zeit lässt, Twitter selbst auszuprobieren, anstatt nur von außen zuzuschauen. An dieser Erkenntnis lässt er uns teilhaben:

Doch der tiefere Sinn des Verfolgens erschließt sich erst, wenn man selber followt. Dann erst wird aus der vielstimmigen Twitter-Masse ein tatsächlich melodisches Zwitschern, dessen Klang man selber bestimmen, weil auswählen kann […] Um das zu verstehen, muss man sich aber bei Twitter registrieren und anderen Nutzern folgen. Twitter funktioniert wie ein Telefon. Wer sich dem lediglich über die Startseite (also die Gesamtheit aller Gespräche) nähert, wird die unverständlichen Gesprächsfetzen zahlreicher Telefonate bemerken – und diese natürlich für belanglos halten.

Genau das ist das Grundprinzip von Twitter – und meines Erachtens auch der Grund dafür, warum sich so viele Journalisten so schwer damit tun, Twitter zu verstehen: Es widerstrebt Ihnen, die typische journalistische Beobachterperspektive aufzugeben und sich auf Protagonistenebene zu begeben. Ohne dieses Mitten-hinein-begeben geht es aber nicht. Über ein gescheiterten „Twitter-Selbstversuch“ habe ich vor einiger Zeit gebloggt: So wird das nichts mit Twitter, Sächsische Zeitung. Bezeichnenderweise hat sich seitdem auf dem Account von @valeriahei auch fast nichts mehr getan..

In diesem Zusammenhang ebenfalls lesenswert: Do’s and Don’ts für twitternde Redaktionen – Interview mit Nicole Simon

2 Antworten zu “Gelungener Twitter-Selbstversuch bei jetzt.de

  1. Pingback: Gelungener Twitter-Selbstversuch bei jetzt.de « Twitter @ Information-Source-Online.Com

  2. Hallo,

    Hajo Friedrich hat mal gesagt: „Mach Dich [als Journalist] nie gemein mit einer Sache. Auch nicht mit einer guten.“
    Ich glaube, Dirk von Gehlen hat sich nicht gemein mit Twitter gemacht. Er hat sich vielmehr in die Twitterspähre begeben, wie das Ulrike Langer richtig beschreibt, um einen Augenzeugen-Bericht zu liefern, für alle diejenigen, die Twitter noch nicht verstanden haben.

    Dafür gebührt ihm Respekt und Dank.

    Thomas

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