Das Hauen und Stechen hat begonnen: Jeff Jarvis wehrt sich gegen Vorwürfe eines Magazinverlegers

Ein interessanter Beitrag erschien vor zwei Tagen auf „Buzzmachine“, dem Blog von Jeff Jarvis. Er war einfach nur überschrieben mit ”Enough“. Darin verwahrt sich der New Yorker Journalismus-Professor, Blogger, Vortragsreisende und New Media Berater gegen Anschuldigungen von Randy Siegel, President des Magazingruppe ”Parade“ und Mitbegründer der Online-Plattform newspaper project.org. Der Vorwurf: Jarvis bemühe sich nur deshalb so eifrig darum, gedruckte Zeitungen für tot zu erklären, weil er als Berater des Content-Aggregators ”Daylife“ ein unmittelbares Interesse daran habe, dass es Print schlechtgehe und die Verlage Beratungsbedarf auf neuen Online-Geschäftsfeldern entwickeln:

I’ve met Jarvis and found him engaging, but it’s disappointing how often he is quoted by other journalists as a “newspaper-industry analyst” or “media critic” without any mention of his bias or his consulting work for new-media companies, including Daylife, a popular aggregator of other people’s proprietary journalism for websites that can’t afford to pay for their own content. While Jarvis’ business success is clearly a result of his hard work and entrepreneurial zeal, his crusade against newspapers needs to be looked at in the proper context: The more newspaper companies struggle, the better Jarvis does on a number of levels.

Jarvis verwahrt sich gegen die Anschuldigungen in den Kommentaren:

You mischaracterize me to a defamatory extent: I am not trying to kill papers, Randall. I teach journalism. I am running the New Business Models for News Project at CUNY to try to find and spread sustainable models for news. Just because I dare to criticize incumbent owners does not mean I want to kill papers.

Auf seinem eigenen Blog weist Jarvis außerdem darauf hin, dass vielmehr Siegel ein unmittelbares Interesse daran hat, dass es statt Onlinemodelle auch künftig möglichst viele gedruckte Zeitungen gibt mit möglichst hoher Auflage. Denn ohne das Papierzeitungen entfiele auch das Trägermedium für seine kostenfreies Supplement ”Parade“, das rund 400 Titeln beiliegt. Angesichts des dramatischen Auflagenverlusts und der bereits eingestellten und von Einstellung bedrohten Zeitungen ist das traditionelle Geschäftsmodell der Beilagen in Gefahr.

Soweit es hierzulande noch allerdings (noch?) nicht gekommen: Kostenfreie Beilagenmagazine wie ”Prisma“ und ”rtv“ leiden im Unterschied zu den USA bislang noch kaum unter Auflagenrückgängen . So hatte ”Prisma“ im ersten Quartal 2007 eine verbreitete Auflage von 4,47 Millionen Exemplaren, im vierten Quartal 2008 waren es mit 4,28 Millionen nicht wesentlich weniger.

Man mag den Streit zwischen Siegel und Jarvis als eine private Fehde zwischen einem Old Media und einem New Media Vertreter ansehen. Für mich ist sie aber eher ein Vorbote der Verteilungskämpfe, die wir auf einem schrumpfenden Zeitungsmarkt noch erleben werden.

Eine Antwort zu “Das Hauen und Stechen hat begonnen: Jeff Jarvis wehrt sich gegen Vorwürfe eines Magazinverlegers

  1. Kann ich bestätigen. Gegenseitiges Misstrauen und Vergleiche, in welcher Sparte wie viel wo gespart wird, haben schon begonnen – auch in diesem Land.

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