So wird das nichts mit Twitter, Sächsische Zeitung

Einen ”Selbstversuch“ nennt die Autorin der Sächsischen Zeitung, Valeria Heintges, ihren kleinen Exkurs ins Zwitscherland von 27. Januar, über den sie am 31. Januar im Blatt berichtete. Der ”Selbstversuch“ ist allerdings ein Paradebeispiel dafür, wie man es nicht machen sollte, wenn man als Journalist(in) in aller Öffentlichkeit bei Twitter startet. Erst mal ausprobieren, was Twitter kann, wozu es taugt und wozu nicht, ist ja durchaus sinnvoll. Um Twitter den Lesern seiner Zeitung zu erklären, sollte man allerdings mehr als nur diesen einen Tweet in drei Tagen abgesetzt haben:

twitter-valeria-hei

Erst mal im Verborgenen twittern ohne gleich darüber zu schreiben, mehr interessanten Leuten folgen und sich auch mal in Dialoge einschalten, hätten der Autorin sicherlich geholfen, den Sinn von Twitter besser zu verstehen. So hat sie auch ihrer Zeitung eher einen Bärendienst erwiesen.

Denn welcher Eindruck bleibt jetzt hängen bei den Lesern, die sich – von dem Artikel  vielleicht doch inspiriert – bei Twitter anmelden und als erstes gleich mal Valeria Heintges folgen?

1. Die Sächsische Zeitung will ihren Lesern Twitter erklären, ”blickt“ es aber selbst ”noch nicht richtig“.

2. Für die Sächsische Zeitung ist ein einziger halbherziger Eintrag schon gleich ein ”Selbstversuch“.

3. Der Artikel diente wohl in erster Linie dem Zweck, sich schnell mal eben an einen Medienhype anzuhängen.

Selbst die Aufrufe des Presseclub Dresden Dresdner Journalisten Peter Stawowy  ”Folgt der Sächsischen Zeitung bei Twitter“ auf dem Blog des Presseclub Dresden, und über sein Twitteraccount @pstawowy (”würde mir etwas mehr Beteiligung wünschen“) die @valeriahei immerhin 33 neugierige Follower mehr beschert haben (Stand 1. Februar, 23.55 Uhr) haben, werden wohl nutzlos verhallen. Denn wenn sich auf diesem Account so rein gar nichts tut, werden auch die geduldigsten Follower wieder abspringen.

pstawowy

Schade, Chance verschenkt. Bevor die Sächsische Zeitung als Redaktion oder über einen ihrer Autoren wieder mal einen Twitter-Versuch startet, würde ich ihr vorher die Twitter-Tipps von Nicole Simon zur Lektüre empfehlen. Gibt es auch als Video bei turi2 tv.

6 Antworten zu “So wird das nichts mit Twitter, Sächsische Zeitung

  1. Nun, immerhin muss man @valeriahei zugestehen, dass sie zumindest ihr eigenes Unvermögen korrekt einschätzt, wenn sie meint „Bisher blicke ich es noch nicht richtig“.

    Schade eigentlich, dabei machen es doch @derwesten und @weltkompakt wunderbar vor.

    Setzen, sechs!

  2. Inge Seibel

    Zitat aus dem Artikel: „Twitter – das heißt auf Deutsch „Zwitschern“ – ist ein neuer Internetservice.“ –
    Nach 3 Jahren immer noch neu? Rhetorische Frage: Typisch für uns Journalisten, dass etwas erst existiert, von dem Moment an, wo wir Notiz davon nehmen?

  3. @Inge Seibel:

    Ja, offenbar ist das typisch. Siehe auch Blogs, Podcasts, Second Life. …
    Typisch ist auch die nächste Phase: der Abgesang und das Weiterziehen zum nächsten Hype-Thema.

  4. Köstlich🙂

  5. Pingback: Gelungener Twitter-Selbstversuch bei jetzt.de « Medial & Digital

  6. Ich kenne Twitter selbst noch nicht und habe das durch Zufall gefunden. Hat irgendwie auch was vom „Plaudern“ bei studivz, wobei „twittern“ im wesentlich größeren Stil abläuft. Irgendwie auch eine Form von Big Brother, nur halt mit schreiben; man lässt andere an seinem Leben Teil haben. Dieser Selbstversuch ist irgendwie schon zu beschmunzeln: finde es irgendwie witzig. Kommt eher rüber, als wäre das ein Projekt gewesen, das Anfangs schön einfach aussah und dann evtl. für die Autorin doch zu undurchschaubar war und dadurch sehr schnell an Interesse verloren hat. Schade eigentlich!

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