BAT und die Offliner

Nicht sehr zukunftsorientiert liest sich, was die ”Stiftung für Zukunftsfragen“ des Zigarettenkonzerns British American Tobacco (BAT) – wissenschaftlicher Leiter ist der Zukunftsforscher Horst W. Opaschowski
– vor einigen Tagen veröffentlichte. Demnach gehen nur 42 Prozent der Deutschen ab 14 Jahre regelmäßig privat ins Internet, 58 Prozent tun das weniger als einmal wöchentlich oder nie. Nur 29 Prozent der 14- bis 29-Jährigen sind zuhause seltener als mindestens einmal in der Woche im Netz.

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Bei den Älteren sieht es richtig finster aus: Von den über 55-Jährigen outen sich nämlich 83 Prozent keineswegs als Silver Surfer, sondern als Netzverweigerer. Zumindest sind sie nicht wöchentlich im Web. Daraus schließt Opaschowski: „Ich bin dann mal web – oder auch nicht. (…) Alles braucht seine Zeit – die Zukunft der Informationsgesellschaft auch: Die euphorische Prognose der Medienbranche ‚Web frisst Fernsehen’ kann weiterhin auf den St. Nimmerleinstag verschoben werden.“
Nun wissen wir aus anderen Studien wie der ”ARD/ZDF Onlinestudie“ oder auch der ”Mediascope Europe“ der European Interactive Advertising Association (EIAA), dass die digitale Alterskluft zwischen Onlinern und Nonlinern derzeit rund fünf Jahre über dem Pensionierungsalter liegt. Der Grund: Wer beruflich noch mit dem Internet in Kontakt gekommen ist, der nutzt das Natz wahrscheinlich auch als Rentner im Privatleben. Wer auch am Arbeitsplatz niemals im Web war – oder gar nicht erst gelernt hat, mit dem PC umzugehen – der wird sich später auch privat wohl nicht mehr damit befassen. Auf Nachfrage macht das BAT dann auch genauere Altersangaben: 68 Prozent der 50- bis 64-Jährigen surfen nur gelegentlich oder niemals zuhause, aber 87 Prozent der 65- bis 79-Jährigen.

Fazit: Das Web wird Fernsehen nicht am Sankt Nimmerleinstag verdrängen, sondern spätestens dann, wenn die heutige Generation 65+ größtenteils unter der Erde liegt.

Absurd wird es bei der zweiten Abbildung:

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73 Prozent ALLER Befragten – und nicht nur der vorher definierten Internetnutzer – schreiben Emails und 64 Prozent surfen im Web. Das ist erstaunlich bei nur 42 Prozent Internetnutzer. Oder zählen hier die Gelegenheitssurfer plötzlich mit?

Die Studie wurde übrigens nicht von der TV-Industrie in Auftrag gegeben, sondern von BAT selbst. Offenbar mit dem Ziel, sich einfach mal wieder ins Gespräch zu bringen.

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